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Doberburger verabreden mit Landesumweltamt erste Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität

Das "gallische Dorf" wird zahm

Neue Vorschläge: Isabell Hiekel vom Landesumweltamt untersucht in Doberburg einen Entwässerungsgraben.
Neue Vorschläge: Isabell Hiekel vom Landesumweltamt untersucht in Doberburg einen Entwässerungsgraben. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 29.08.2013, 05:48 Uhr
Doberburg (MOZ) Die Landwirtschaftlich genutzten Niedermoorwiesen unterhalb von Doberburg sollen mit regulierbarer Staustufen versehen werden. Das Landesumweltamt hofft, auf diese Weise die Nährstoffe im Moorkörper binden zu können.

Der Ortstermin mit Vertretern des Landesumweltamtes, des Wasser- und Bodenverbandes, Flächeneigentümern, Nutzern und anderen interessierten Bürgern in Doberburg war von einigen Überraschungen geprägt. Als "sensationell" und "noch nie so schön gesehen" bezeichnete Isabell Hiekel, Referatsleiterin im Landesumweltamt eine Quellkuppe in der Nähe des Lieberoser Mühlenfließes, die sich deutlich von der Umgebung abhebt. Auf einem etwa drei Meter hohen Hügel thront eine uralte Weide mit meterdickem Stamm. Ganz oben auf dem "Gipfel" wächst Schilf in dicken Büscheln. Bereits an den Flanken des Hügels quillt Wasser an die Oberfläche. "So lehrbuchmäßig bekommt man eine Quellkuppe sonst nirgendwo zu sehen", freute sich die Gewässerexpertin. Sie zeigte sich interessiert, das Landschaftsmerkmal unter Schutz zu stellen, um es so der Nachwelt zu erhalten. Auch Nicole Kowalew vom Büro Kowalew und Spundflasch, das vom Landesumweltamt mit der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität im Einzugsbereich des Schwielochsees beauftragt ist, zeigte sich entzückt über den Fund des Bodendenkmals. Das Unikat müsse man künftig Studenten als Anschauungsobjekt präsentieren, schlug sie vor. Der Eigentümer der betroffenen Fläche, Dieter Bramburger, mochte den Freudenausbruch nicht so recht teilen, zeigte sich aber von der humorvollen Seite: "Da kann ich ja künftig Eintritt nehmen", so der Landwirt.

Überhaupt war die Ortsbegehung mit Bürgern und den Behördenvertretern von ungewohnter Harmonie geprägt. Noch gut in Erinnerung ist der Zorn der Doberburger gegen die Einmischung der Umweltbehörden und die befürchtete Einschränkung der Nutzung der Niedermoorwiesen zwischen der Ortslage und dem Mühlenfließ. Dort wachsen Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Getreide. Ziegen und Schafe meckern fröhlich vor sich hin, frische Heuballen liegen zum Trocknen auf der Wiese. Die "Gärten", wie die Doberburger das auf Torf gebettete Wiesengebiet nennen, würden überwiegend für den Eigenbedarf beackert, erklärt der Ortsvorsteher Jürgen Willenberg. Wie das berühmte gallische Dorf hatten sich die Doberburger unter der Führung ihres kämpferischen Ortsvorstehers mit Transparenten, Protestschreiben und zuweilen auch mit handfest durchgesetzten Betretungsverboten gegen die im Anfangsstadium der Planung befindlichen Maßnahmen des Landesumweltamtes gewehrt. Jetzt sieht es so aus, als kämen die Vorschläge den Nebenerwerbslandwirten sogar entgegen.

Willenberg, der bisher stets Themen, wie "Wasserrückhalt" in der Nähe des Leibhaftigen verortet hatte, schlug vor, eine seiner Wiesen für ein Pilotprojekt zur Verfügung zu stellen: Mittels regulierbarer Staustufen soll versucht werden, in trockenen Zeiten das Wasser im Moorkörper zu halten, was die darin befindlichen Nährstoffe binden würde. Nach starken Niederschlägen sollen die Landnutzer aber auch die Möglichkeit erhalten, den Wasserabfluss mittels herausnehmbarer Brettchen zu beschleunigen.

Die Ortsbegehung fand im Rahmen des "Gewässerentwicklungskonzeptes Schwielochsee" statt. Unter diesem Titel erarbeitet das Landesumweltamt derzeit ein ganzes Bündel kleinerer Maßnahmen mit dem Ziel, die Qualität der Gewässer in dem 50 000 Hektar großen Einzugsgebiet des Schwielochsees zu verbessern.

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