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Spontan-Einsatz in Tansania

Martin Risken / 18.06.2014, 07:00 Uhr
Neuhof (MZV) So schnell kann man zum Helfer am anderen Ende der Welt werden: Als Sissy Kalmutzke aus Neuhof am 12. Mai bei Facebook den Aufruf las, dass für einen Ärzteeinsatz in Tansania dringend eine OP-Schwester benötigt wird, zögerte sie nicht lange. Am 25. Mai saß sie bereits im Flugzeug.

Was sie in den darauffolgenden zwei Wochen erlebte, wird die Sicht auf ihr Leben verändern. "Man weiß danach, alles besser zu schätzen." Freunde und Familienmitglieder musste sie nach ihrer Ankunft in Deutschland erst einmal umarmen.

Mit einem kleinen Team von Ärzten reiste die gelernte Gesundheits- und Krankenschwester Sissy Kalmutzke von Köln aus zu ihrem Hilfseinsatz in die Provinzstadt Puma, wo es in einem Kloster ein Krankenhaus gibt, in dem Ärzte aus Deutschland regelmäßig Hilfe leisten und das medizinische Personal vor Ort unterstützen. Organisiert haben sich die deutschen Helfer in dem Verein Interplast Germany, der die Einsätze koordiniert und Gelder sammelt, damit zumindest die Flugkosten finanziert werden können und medizinische Geräte beschafft werden können. Für ihren Einsatz vor Ort erhalten die Ärzte, aber auch Schwestern wie Sissy Kalmutzke keine Bezahlung. Im Gegenteil: Sie opfern ihren Urlaub für den Einsatz in Afrika. Weil sie kurzzeitig arbeitslos war, hat sich die 30-Jährige freistellen lassen. Für Unterkunft und Verpflegung sorgten die Schwestern im Kloster, wo es ein Gästehaus gibt. "Der Einsatz bleibt unvergesslich, ich würde es sofort wieder tun", sagte Kalmutzke, die am Montag - nach einem eintägigen Zwangsaufenthalt in Köln wegen unterbrochener Bahnverbindungen - aus Tansania zurückgekehrt ist. Nur auf ihren Koffer wartet sie noch heute.

An- und Abreise waren ein Abenteuer für sich. Über Amsterdam und Nairobi in Kenia ging es mit einem kleinen Flugzeug weiter zum Kilimanjaro-Airport. Eine sechsstündige Busfahrt mit rund 100 Einheimischen an Bord, die so ziemlich alles transportieren, was sie zum Leben benötigen, Ziegen und Hühner inklusive, schloss sich an. Zeit zum Akklimatisieren blieben ihnen nach der überaus freundlichen Begrüßung allerdings nicht. Sofort wurde sie mit dem Elend der Menschen, die zum Teil mit schwersten Verletzungen und nach langen Fußmärschen in die Kliniken kamen, konfrontiert. Auffallend viele hatten schwerste Brandverletzungen, so wie der vierjährige Amri, der mit anderen Kinder gespielt hatte und dessen Kleidung Feuer fing. Plötzlich habe der Jung lichterloh gebrannt. Die deutschen Ärzte konnten im November sein Leben retten. Von Kopf bis Fuß wurde ihm vor drei Wochen Haut transplantiert. Entlassen werden kann er aber nicht: Die Klinik behält ihn als lebendes Pfand. Weil seine Eltern die 1 700 Euro Behandlungskosten nicht aufbringen können, müssen sie ihren Sohn weiterhin regelmäßig in der Klinik besuchen. Der deutsche Assistenzarzt Dr. Wolfram Demmer, der zurzeit vor Ort ist, hat eine Spendenaktion für das Kind organisiert. Binnen kürzester Zeit, bis zum kommenden Freitag, 20. Juni, soll nun das Geld zusammenkommen. Sissy Kalmutzke unterstützt ihn dabei. Sie bittet die Zehdenicker um Spenden. Die Verständigung mit den Patienten erfolgte mit ein paar Brocken Suaheli, auf Englisch oder Deutsch. Imponiert hat ihr die Freundlichkeit der Menschen, die den 14-Stundentag im Operationssaal erträglich machten. Von 8 bis 22 Uhr unterstützte sie die Ärzte als Anästhesie- und OP-Schwester. An insgesamt zwölf Operationen in nur zwölf Tagen war sie beteiligt. Arbeitsfrei waren nur die Sonntage, die nutzte sie unter anderem zum Besuch des Serengeti Nationalparks. "Das war überwältigend", sagt sie und erzählt von einer Büffelherde, die auf ihr Fahrzeug zugerannt kam. Der Fahrer gab ordentlich Gas, um einer Begegnung mit den Tieren aus dem Weg zu gehen.

Wer für Amri spenden möchte, kann Geld auf das Konto der Interplast Germany bei der Commerzbank Honnef mit der Bankleitzahl 380 400 07 und der Kontonummer 277 777 900, Stichwort "Für Amri", einzahlen.

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