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Zerbröselte Geschichte

Hochspannung: Als die Turmbekrönung am Boden war, wurde im Beisein vieler Buskower und von Ingenieur Marek Fiedorowicz (rechts) die Kugel geöffnet. Sämtliche historische Dokumente waren aber zu braunen Krümeln zerfallen.
Hochspannung: Als die Turmbekrönung am Boden war, wurde im Beisein vieler Buskower und von Ingenieur Marek Fiedorowicz (rechts) die Kugel geöffnet. Sämtliche historische Dokumente waren aber zu braunen Krümeln zerfallen. © Foto: Markus Kluge
Markus Kluge / 24.06.2014, 19:27 Uhr
Buskow (RA) Die Kugel auf dem Buskower Kirchturm hat manchen im Dorf schon um den Schlaf gebracht. Denn die Turmbekrönung wurde am Dienstag abgenommen, um herauszufinden, welchen Nachlass die Ur-Buskower in der Kugel hinterlassen haben könnten - Spannung pur.

Seit Mai laufen die Arbeiten an dem Buskower Gotteshaus, das die Hilfe von erfahrenen Handwerkern dringend nötig hat. Im Jahr 1256 ist Buskow als Buscowe erstmals urkundlich erwähnt worden. Aus derselben Zeit stammt auch ein Großteil der Kirche, die dann erst im 18.Jahrhundert mehrfach umgebaut wurde und dabei auch den Turm aus Ziegeln bekam. Genau an diesem Abschnitt wird derzeit intensiv gearbeitet. "Wir hatten größere Probleme mit der Statik, Risse im Mauerwerk, und der Schwamm hat das Holz befallen", so Ingenieur Marek Fiedorowicz, der die Sanierung begleitet. Betroffen vom Schwamm - einem Pilz der das Holz zersetzt - ist vor allem das äußere Fachwerk. Weil der Turm teilweise abgetragen werden muss, war vor kurzem die Kirchturmspitze komplett abgenommen worden. Auch sie soll bei dieser Gelegenheit überarbeitet werden.

Das Abnehmen der Turmkugel zählt dabei immer zu den spannenden Arbeiten. Denn seit Jahrhunderten löten Bauherren darin Dokumente ein, die Rückschlüsse auf den Kirchenbau, Sanierung und das Leben im Dorf zulassen. Für Buskow war dieser Augenblick am Dienstag gekommen, den sich auch viele Einwohner nicht entgehen ließen. "Ich habe diese Nacht richtig schlecht geschlafen", sagte Arnold Oelke von der Kirchengemeinde. Vorsichtig bugsierten die Bauleute am Vormittag die Bekrönung zu Boden. Dass in der Kugel nichts klapperte, machte die Experten stutzig. "Vielleicht sitzt die Dokumentenkapsel fest", vermutete einer der Zuschauer. Unter den Augen vieler Buskower wurde in die Kugel ein Loch geschnitten - so groß, dass gerade eine Hand hineinpasst. Denn bei der Restaurierung soll diese Stelle wieder geschlossen werden können.

Was die Bauleute allerdings aus der Kugel herausfischten, enttäuschte einige Anwohner. Anstelle von historischen Talern und Dokumenten bröselten nur viele braune große und kleine Krümel aus der Kugel. "Das war aber auf jeden Fall einmal eine Dokumentenkapsel", ist Ingenieur Fiedorowicz überzeugt. Nach seiner Meinung stamme die Turmbekrönung noch aus dem 18. Jahrhundert, da diese noch barocke Züge aufweist. Die Ursache dafür, dass sämtliche historischen Hinterlassenschaften verfault und zerfallen sind, war auch schnell gefunden: ein kleines Loch, das vermutlich von einem Einschuss stammt. Dadurch drangen über lange Zeit Luft und Feuchtigkeit in die Kugel ein. Obwohl Buskower und Bauleute die Kugel drehten und wendeten - sie fanden kein Überbleibsel aus der Vorzeit und nicht mal das Projektil, das in die Kugel eingeschlagen war. "Jetzt kann jeder spekulieren, was da einmal drin war", so Pfarrerin Ute Feuerstack. "Ich hätte mir schon gewünscht, dass noch ein paar Papiere und ein paar Taler drin sind. Ich staune, dass so gar nichts übrig ist", so der Buskower Adolf Trypke, der die Kugel sogar noch mit einer Taschenlampe ausleuchtete.

Die Sanierung des Kirchturms soll im Herbst abgeschlossen sein. Laut Pfarrerin Feuerstack wird die erneuerte Kirchturmspitze aber zum großen Erntefest, das am 13. und 14. September, gefeiert wird, noch am Boden stehen, so dass sie jeder nocheinmal aus der Nähe sehen kann. Insgesamt werden in diesem Jahr rund 210000Euro investiert - Geld, das von der Landeskirche, dem Kirchenkreis, der Stiftung Soziales Neuruppin und vielen anderen Unterstützern stammt.Damit kann aber noch nicht die gesamte Kirche wieder in Schuss gebracht werden. Der zweite Bauabschnitt ist für 2016 geplant.

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