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Bürger ließen sich viel einfallen

Erinnerung an die DDR: Auch die Freie Deutsche Jugend und die Pioniere samt Fahne fuhren im schicken Trabant mit.
Erinnerung an die DDR: Auch die Freie Deutsche Jugend und die Pioniere samt Fahne fuhren im schicken Trabant mit. © Foto: MZV
Inez Bandoly / 03.08.2014, 19:57 Uhr
Vielitz (MZV) Mit einem historischen Umzug startete nach einer Andacht mit Pfarrer Ulrich Baller das diesjährige Sommerfest in Vielitz. In der Mittagshitze zog der Tross mit über 20 Teilnehmern, darunter Pferdekutschen, Traktoren, Kameraden der Feuerwehr und Sportgruppen, dahin. Ulrich Baller gab den Gästen, die den Straßenrand säumten, die wichtigsten Informationen über den Umzug, der die 700-jährige Vielitzer Dorfgeschichte thematisierte.

An der Spitze sahen die Besucher einen mindestens 710 Jahre alten Herrn mit ritterlichem Begleitschutz - Heyne Vielitz. Dieser Mann, dargestellt von Helmut Noll, hatte laut Geschichtsbuch "Codex diplomaticus Brandenburgensis", am 15. Januar 1304 eine Vereinbarung zwischen dem Markgrafen von Brandenburg und dem Haus Mecklenburg Stargard unterzeichnet. Sein Name gilt als bisher bekannte Ersterwähnung des Dorfes.

Auch der Graf von Lindow, dargestellt von Walter Streblow, lief mit einigen Nonnen aus dem Kloster vorbei. Immerhin, Vielitz unterstand von 1525 bis 1541 dem benachbarten Kloster, das zu den reichsten Klöstern des damaligen Bistums Havelberg zählte.

Zu den relativen wohlhabenden Landwirten gehörte 1643 Capitain Leutnand Schaffrath. Interessant für die Festbesucher war zu erfahren, dass dieser damals auch Bürgermeister war und 1685 der Vielitzer Kirchengemeinde ein zinnernes Taufbecken stiftete.

"Toll, die schönen Kostüme. Sie sind mit viel Liebe gemacht", sagte Dorothea Weigel. Die gebürtige Vielitzerin lebt heute in Potsdam. Anlässlich des Festes besuchte sie ihren Bruder Joachim Zowe. Von 1912 bis 1958 existierte die Bäckerei Zowe über zwei Generationen in Vielitz. Joachim Zowe, der heute in Grüneberg lebt, spendierte den Besuchern am Straßenrand halbe Zuckerschnecken vom Wagen seiner Kutsche.

Viel Beifall gab es unter anderem auch für Lothar Rygel, der in die Kleider des Gastwirtes Richard Albrecht schlüpfte. Er trug das Bild "Der goldene Fisch" des Malers Paul Klee, um an die Rettung von Kunstwerken in der Nazizeit zu erinnern. Vor dem zweiten Weltkrieg hatten sich der bekannte Berliner Verleger Rudolf Henssel und sein Sohn, Karl-Heinz Vielitz, kennengelernt und brachten zu Fuß Gemälde und Plastiken der sogenannten "Entarteten Kunst" vom Griebener Bahnhof ins Dorf. In einem Hühnerstall wurden die Werke versteckt und vergraben. Heute ist das berühmte Gemälde Klees in der Kunsthalle Hamburg zu sehen.

"Wir wollten etwas aus der jüngeren Zeit präsentieren", erklärte Anne Melzer, die den Trabant Cabrio ihre Vaters steuerte. Sie und Beifahrerin Saskia Stenzel trugen die blauen Hemden der Freien Deutschen Jugend (FDJ) aus der ehemaligen DDR.

Geschmunzelt wurde über Peter Müller im "Spanischen Mantel". Es zeigte, wie junge Männer bestraft wurden, die es wagten, sich den Anweisungen der damaligen Kirchenordnung zu widersetzen.

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