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Rotfußfalken ändern Flugroute

Jungtier: Auf Freileitungen, teils auch in Gruppen, rasten die Rotfußfalken am liebsten. Dort kann man sie gut beobachten, empfiehlt der Ornithologe
Jungtier: Auf Freileitungen, teils auch in Gruppen, rasten die Rotfußfalken am liebsten. Dort kann man sie gut beobachten, empfiehlt der Ornithologe © Foto: Steffen Fahl
Nadja Voigt / 08.09.2014, 18:51 Uhr
Neuranft (MOZ) Aus bislang ungeklärter Ursache hat eine große Zahl von Rotfußfalken ihren Zugweg verlagert und ist derzeit im Oderbruch zu beobachten. Das freut Ornithologen in der Region. Steffen Fahl aus Wriezen ermuntert alle Interessierten, in den nächsten Tagen die Augen offen zu halten.

"In der Vogelwelt tut sich etwas Außergewöhnliches", hat Steffen Fahl am Montag mitgeteilt. Auch das Oderbruch sei Arena dieses vogelkundlichen Großereignisses. "Die in Südosteuropa heimischen Rotfußfalken erscheinen jetzt in außergewöhnlich großer Zahl in Ostbrandenburg und sogar in Berlin", schildert der Ornithologe seine Beobachtungen vom Wochenende.

Im Oderbruch wurden am Sonntag zwischen Golzow und Neuranft zwölf Vögel dieser Art festgestellt, so Fahl. "Vom Rotfußfalken gab es bei Neuranft ein adultes Weibchen. Ein weiteres Tier hielt sich bei Wilhelmsaue in der Nähe von zwei Baumfalken auf. Nicht zuletzt ließ sich ein weiterer Jungvogel bei Zollbrücke bestaunen", teilt Fahl auf seiner Internetseite mit.

Das seien drei Mal mehr als die bisherige Höchstzahl. Bereits am Freitag und Sonnabend wurden vier dieser Falken festgestellt. "Und der Einflug beginnt erst", sagt der Fachmann. Die meisten Vögel sind Jungvögel, doch fanden sich im Oderbruch schon zwei adulte und damit ausgefärbte Weibchen. "Auch das ist sehr ungewöhnlich, zumal für den Herbstzug", wertet Steffen Fahl.

Es lohnt sich besonders auf Freileitungen und abgestorbene Bäume zu achten, empfiehlt er allen, die neugierig sind, und die Tiere ebenfalls beobachten wollen. "Hier rasten sie am liebsten und teils auch in Gruppen." In Polen, berichtet Steffen Fahl weiter, seien sogar hunderte der Tiere gesichtet worden. "Wer die sonst ausgesprochen seltenen Vögel bei uns mit eigenen Augen sehen will, hat in den nächsten Tagen wohl die Erfolgschance schlechthin." Am besten gelinge dies gegen Abend, wenn die Falken ihre Schlafplätze aufsuchen würden.

Verwechselungsgefahr bestehe jedoch zu jungen Baumfalken, warnt Fahl. Doch lassen sich diese mit Hilfe eines Bestimmungsbuchs von den Rotfußfalken unterscheiden, empfiehlt er. Interessierte Laien, Hobby-Ornithologen und Fachleute sind zudem aufgerufen, Belegfotos zu machen. Diese können sie dann den Fachgruppen zur Verfügung stellen. "Das gilt für alle Interessierten und viele Vogelarten", sagt Steffen Fahl. Auf der Internetseite www.ornitho.de sind alle Vogelkundler und die, die es noch werden wollen, mit ihren Beobachtungen herzlich willkommen.

"Rotfußfalken stellen hinsichtlich Ernährung und Jagdweise ein Mittel zwischen den bei uns heimischen Arten Turm- und Baumfalken dar. Sie jagen auch wie Baumfalken Großinsekten, aber auch wie Turmfalken Mäuse. Sofern ein Turmfalke eine Maus erbeutet, versuchen Rotfußfalken auf dem Zug auch gern diese dem Turmfalken zu rauben", erklärt der Fachmann. Und das zumeist erfolgreich. "Auch das ist ein Schauspiel der seltenen, wendigen Flieger, dass man sich nicht entgehen lassen sollte." Eine Ursache für die Zugwegverlagerung ist derzeit noch unklar.

Seit langem ist Steffen Fahl, der für die Ämter Falkenberg-Höhe und Barnim-Oderbruch als Baumsachverständiger arbeitet, mit der Kamera im Oderbruch unterwegs. "Meine Fotos sollen die Vogelwelt des Oderbruchs dokumentieren, wie man sie bei Streifzügen erleben kann. Dabei konzentriere ich mich nicht auf die populären Arten, wie Eisvogel oder Seeadler." Ihn interessieren seltenere Möwen und - für das Oderbruch typisch - die nordischen Gänse. Das wichtigste für ihn: Die Tarnung. "Hier habe ich mir für die verschiedenen Habitate entsprechende Tarnungen angefertigt. Jedoch verfüge ich auch über ein handelsübliches Tarnzelt, was mir für den Regelgebrauch gute Dienste leistet. Wasservögel dagegen fotografiert man jedoch besser ebenerdig", verrät er auf seiner Internetseite.

http://naturfoto-fahl.jimdo.com/

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