Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Sedimente werden zwischengeparkt

Doris Steinkraus / 02.05.2015, 05:30 Uhr
Neufriedland (MOZ) Das Sonderprogramm Oderbruch zeigt erste Wirkung. Der Durchfluss an der Alten Oder hat sich spürbar verbessert. Zwölf Millionen Euro wurden bisher investiert, 19 Millionen wird das Programm insgesamt kosten. Ein Teilprojekt ist der Sedimentfang in Neufriedland.

Flussseeschwalben und Silberreiher kreisen über das "aufgeräumte" Areal zwischen Kietzer See und Quappendorfer Kanal. Günter Wartenberg vom Landesumweltamt (LUA) inspiziert den Sedimentfang, der Ende 2014 fertiggestellt wurde. Er ist zufrieden. "Da, die Sandfahne auf dem Grund zeigt, dass es so funktioniert, wie erwartet", sagt er mit Blick ins Gewässer. Und erklärt: Über den benachbarten Kietzer See strömen durch das Ablassen der Fischteiche bei Altfriedland jährlich zig Tonnen Sedimente in den Kanal. Der verlandete Richtung Wriezen immer wieder. Vor fünf Jahren hatte das LUA schon den Abschnitt zwischen Einmündung Stöbber und Kunersdorf ausgebaggert. All das nützte letztlich nicht viel, da die großen Sedimentmengen immer wieder den Abfluss stoppten.

Im Rahmen des Sonderprogramms Oderbruch wurde deshalb im Bereich Neufriedland ein Sedimentfang gebaut. Er ist 30 m lang und 9,20 m breit. 150 Kubikmeter Sand können in dem Bereich "zwischengeparkt" werden. "Reicht die Sandfahne bis vorn, müssen wir ausbaggern", erklärt Wartenberg. Das sei an einer nun feststehenden Stelle allemal einfacher, als ständig die Sohle entlang des gesamten Kanalstücks zu beräumen. Was ohnehin schon wegen des Bewuchses an den Ufern nicht durchgehend funktioniere.

Für den Sedimentfang wurde die Sohle beräumt und dann noch einmal der Bereich um einen halben Meter vertieft. Ist der gefüllt, muss gebaggert werden. Wartenberg schätzt, dass alle vier bis fünf Jahre die Technik anrollt. Dafür wurde eine Fläche mit Betonplatten verlegt und eine 58 m lange Spundwand eingelassen, damit das Ufer nicht absackt.

Für den LUA-Mann bedeutet das rund 200 000 Euro teure Projekt, einschließlich Planung, vor allem eine Verbesserung der Unterhaltungsstruktur. Nicht nur im Herbst kommen über den Kietzer See Sedimente. Bei erhöhten Wasserständen Richtung Quappendorf wird auch von dort durch die Strömung mehr Sand mitgespült. Dann müsse man auch spontan agieren. Das sei nun unkompliziert möglich.

Schritt für Schritt wird - von der Öffentlichkeit meist unbemerkt - das Sonderprogramm Oderbruch umgesetzt. Derzeit werde an drei Projekten gearbeitet, erklärt Günter Wartenberg- Eines ist der so genannte Mahlbusen im Bereich der Brücke zwischen Gusow und Letschin. Die Fläche diente seit jeher dafür, Wassermengen zu halten, um das dort befindliche Schöpfwerk zu entlasten. Seit vergangenem Herbst haben Bauleute einen Damm um diese Retentionsfläche gebaut. Am Mittwoch erfolgte die Abnahme. Jetzt wird er zweite Teil des Vorhabens realisiert. Ein Spülbagger wird noch Wochen zu tun haben, um rund 20 000 Tonnen Sedimente aus dem Gewässer zu holen.

Wie in Gusow soll auch am Bad Freienwalder Landgraben und der Bad Freienwalder Stadtbrücke, den beiden weiteren derzeit aktuellen Bau-Projekten, der Zufluss zum Schöpfwerk besser reguliert werden. Zudem laufen noch diverse Arbeiten im Flussbereich sowie an der Abflussmessstelle Wriezen. Letztere sei vor allem für die Kontrolle und Einschätzung wichtig, erläutert Wartenberg. "Wir wollen nicht nur die Regulierung bei Hochwasserständen", erklärt er. "Es geht auch darum zu prüfen, wie das System bei Mittel- und Niedrigwasser funktioniert, welche Konsequenzen daraus zum Beispiel für die Krautungen gezogen werden können."

Zu den nächsten Vorhaben gehören die Arbeiten am Kruschkegraben in Ortwig sowie in der gesamten Ortslage Neubarnim. Dafür laufe die Ausschreibung. Wartenberg schätzt, dass noch einmal sieben Millionen Euro ausgegeben werden müssen, ehe das Sonderprogramm komplett abgearbeitet ist. Immer wieder erhöhten sich die Kosten. Zum einen müssen im erheblichen Umfang Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen realisiert werden - anders als beim Landesbetrieb Straßenwesen, der nur einen Teil der gefällten Alleebäume durch Nachpflanzungen ersetzt. Erheblich seien auch die Kosten der Munitionsbergung. Mit diesen Größenordnungen habe man zunächst nicht gerechnet. Die Funde der Munitionssucher zeigen, wie viel Zündstoff noch im Oderbruch lagert.

Manche Arbeiten hingegen haben nichts mit dem Sonderprogramm zu tun, so wie die Fällungen am Kietzer See im Bereich Neufriedland. Auf einigen hundert Metern wurde ein breiter Streifen alter Pappeln gefällt. Grund ist der Damm des Kietzer Sees. Das Gewässer liegt gut eineinhalb Meter über dem Quappendorfer Kanal. Bricht der Damm - zum Beispiel durch umstürzende Pappeln - würden mehr als fünf Millionen Kubikmeter Wasser Richtung Neutrebbin fließen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG