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Kerzliner Kirche luftdicht verpackt

Eingepackt: Am Donnerstag verschwand der Turm der Kerzliner Kirche nach und nach unter einer dicken weißen Folie, die das Gebäude luftdicht verschließt.
Eingepackt: Am Donnerstag verschwand der Turm der Kerzliner Kirche nach und nach unter einer dicken weißen Folie, die das Gebäude luftdicht verschließt. © Foto: MZV
Judith Melzer-Voigt / 25.06.2015, 18:26 Uhr
Kerzlin (MZV) Etliche Autos parkten am Donnerstag entlang der Straße in Kerzlin - und immer wieder kamen neue hinzu. Der Anblick, der sich am Vormittag bot, lockte Schaulustige an: Die Kirche wurde komplett in weiße Folie eingehüllt.

Bei dieser Aktion handelte es sich nicht etwa um Kunst, sondern um den Einsatz der Firma Groli Schädlingsbekämpfung aus Dresden. Denn ein unliebsamer Gast hat sich in dem Gotteshaus breit gemacht: der Holzwurm. Er futtert sich durch das imposante hölzerne Innere der Kirche, aber auch durch den Altar. Dass die Groli-Angestellten die Richtigen sind, um diesem Schädling zu Leibe zu rücken, haben sie in der Region schon bewiesen, unter anderem bei Einsätzen in Rägelin und Hakenberg.

Dieses Mal hatte Geschäftsführer Marco Müller sogar ein Info-Zelt direkt vor der Kirche aufgestellt, in dem er die Fragen der Anwohner beantwortete, während seine vier Mitarbeiter sich mit insgesamt 1 750 Quadratmetern Folie vom Schiff bis zum Turm vorarbeiteten. Am Dienstag haben die Männer mit der Projekt begonnen, am Donnerstagmittag war die Kirche luftdicht verpackt. Anschließend wurde das Gas Sulfuryldifluorid in das Gebäude geleitet. Ab dann galt das Gotteshaus vorübergehend als Sperrzone, denn obwohl dieses Mittel nach rund drei Tagen verflogen sein wird, kann eine höhere Konzentration über längere Zeit auch für den Menschen gefährlich sein, warnte Marco Müller.

Während der gesamten Begasungszeit wird nun die Konzentration des Stoffes im Kirchengebäude gemessen. Um sicherzugehen, dass das Gas wirklich angeschlagen hat, werden zwei Prüfkörper in dem Gotteshaus sowie einer außerhalb deponiert. Alle drei sind von lebenden Holzböcken befallen. Ein Institut in Eberswalde wird im Anschluss an die Aktion testen, ob die Tiere in der Kirche auch wirklich getötet wurden. Bisher hat immer alles geklappt, wie Joachim Pritzkow bestätigte. Der Vorsitzende des Gesamtgemeindekirchenrates Temnitz hatte in Rägelin die Gelegenheit genutzt, um vom Holzwurm befallene Möbel während der Begasung in der Kirche unterzubringen. Bisher gebe es bei ihm zu Hause keine Spur von dem Schädling. Auch in Kerzlin nutzten viele Besitzer von Truhen, Schränken oder Bilderrahmen die Möglichkeit. Sie mussten lediglich eine Spende entrichten. Die kann die Gemeinde gut brauchen, denn der Einsatz von Groli kostet sie 22 000 Euro. Ein Teil stammt aus Spenden, wurde durch Konzerte eingespielt oder auch vom Kirchenkreis investiert.

Eines ist sicher: Die Möbel im Gotteshaus stehen in den kommenden Tagen sicher - und vor allem warm. Denn am Donnerstagvormittag ratterten kleine Heizkörper im Inneren des Gebäudes. Sie erhitzten die Luft auf rund 19 Grad Celsius. "Je wärmer es ist, desto agiler sind auch die Insekten", erklärte Marco Müller. Zwischen Mai und September würden sie schlüpfen und ihre Eier legen. Durch die angenehme Temperatur werde das noch unterstützt und die Holzwürmer nehmen das Gas schneller auf.

Am Montagabend wird wieder das gewohnte Dorfbild Kerzlins zu sehen sein: Innerhalb eines Tages werden die Mitarbeiter von Marco Müller die weiße Folie entfernt haben, so der Geschäftsführer. Anschließend geht es für seine Angestellten weiter nach Bayern, denn Groli ist deutschlandweit tätig und nur eines von drei Unternehmen, das sich auf diese Art der Schädlingsbekämpfung spezialisiert hat.

Für die Gesamtkirchengemeinde hingegen ist die Arbeit dann noch nicht beendet. Denn im Kerzliner Gotteshaus muss dringend gemalert werden. Außerdem könnte die Orgel mittlerweile eine Generalüberholung gebrauchen. Weil beides zusammen aber rund 50 000 Euro verschlingen würde, wird erst einmal nur gemalert. Und auch in anderen Dörfern tun Investitionen not: Die Wildberger Orgel liegt nur in Einzelteilen vor. Die Gottberger Winterkirche wird derzeit saniert. Für die Darritzer Orgel wird ebenfalls Geld für eine Reparatur benötigt, zählte Joachim Pritzkow auf.

Derweil verschwand vor den Augen der Schaulustigen der letzte Rest des Daches auf dem Kerzliner Kirchturm - und die Aktion Holzwurmbekämpfung konnte starten.

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