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Götz Bernau war lang Zeit Konzertmeister der Berliner Symphoniker / Jetzt rettet er mit seiner Frau eine Orgel

Erste Geige im Kirchenschiff

Mandy Timm / 25.09.2015, 06:04 Uhr
Neumädewitz (MOZ) Geburtstage feiern Luise und Götz Bernau mit Freunden. Seit vier Jahren kommen auch Mädewitzer hinzu. Denn die Feier ist öffentlich und hochkarätig besetzt, mit Berliner Symphonikern. Bernaus sammeln mit Konzerten Geld für eine Orgel, die demnächst auch Geburtstag hat - den 150sten.

Klein und unscheinbar lugt etwas Fassadengrau durch die Bäume. Es ist ein großes Glück, dass das Kirchlein so versteckt liegt, der Turm kein richtiger Turm ist, sondern eher ein Stumpf. Vermutlich wurde sie nur deshalb vor Krieg und Räuberei bewahrt. 1837 wurde die Kirche gebaut, von den Bauern im Ort, erzählt Luise Bernau. Sie wohnt ein Dorf weiter in Neumädewitz, seit vier Jahren.

Luise Bernau kam mit ihrem Mann Götz aus Berlin ins Bruch. Mit ihnen kam die Musik, die jedes Jahr zweimal ins Kirchlein einzieht. Götz Bernau ist kein Unbekannter. 35 Jahre lang war der Geiger erster Konzertmeister bei den Berliner Symphonikern, von 1969 bis 2004. Er hat 13 Jahre lang Jugendarbeit in Paraguay geleistet, mit türkischen Musikern zusammengearbeitet. In Finnland, wo er mit seiner Frau ein kleines, abgelegenes Haus fand, rief er Anfang der 1980-er Jahre ein Musikfestival ins Leben. Bald 20 Jahre lang leitete er es.

Bernaus, so scheint es, brauchen immer eine Aufgabe, von den eigenen vier Wänden, die sie mit viel Herzblut sanieren, einmal abgesehen. In Wulkow bei Neuruppin haben sie einst damit angefangen, Geld für die Kirche im Dorf zu sammeln. Dort konnte inzwischen saniert werden, erzählt die 74-Jährige. Die Bauernkirche von Altmädewitz bei ihnen um die Ecke kam nun wie gerufen. Sie ist im Original erhalten. Altar, Bänke, Boden, Kronleuchter: Mehr als 170 Jahre lang wurde so gut wie nichts verändert. Sogar die Deckenbemalung überdauerte die Zeit und das Schmucksamt, womit der Altar ausgestattet ist. So oft Bernaus die Kirche betreten, so oft geraten sie ins Staunen. Gerade hat Luise Bernau eine alte Klingelbüchse entdeckt. "Unglaublich", staunt sie und zeigt das Geflecht mit Einwurfschlitz ihrem Mann. "Sieht aus wie eine Mausefalle", findet er.

Sie freuen sich, wenn eine Rettung glückt. Das passiert ganz unaufgeregt, ohne große Worte Pauken und Trompeten. Dabei helfen ihnen viele Freunde. Im Mai und September feiern Bernaus jeweils ihre Geburtstage. Geschenke lehnen sie ab. Stattdessen organisieren sie Benefizkonzerte in der Altmädewitzer Kirche. Einige tausend Euro sind so mittlerweile zusammen gekommen. Götz Bernau ist zufrieden. "Das funktioniert nur, weil meine früheren Kollegen kein Honorar verlangen", sagt der gebürtige Braunschweiger. "Wir spielen inzwischen eine Ewigkeit zusammen." Nicht einmal Fahrgeld bekämen die Musiker. "Doch", widerspricht seine Frau. "Frische Eier aus dem Dorf."

An diesem Sonntag findet wieder ein Benefizkonzert des Concerto Berlin mit Götz Bernau, Arne Gerlach, Alois Ellemunter und Regine Zimmermann im Oderbruch statt. Es ist das Achte. Gesammelt wird diesmal für die alte Orgel. Sie quietscht und klemmt, ist nicht bespielbar, sagt Luise Bernau. "Das soll sich ändern." Die Orgel sei im Grunde nichts besonderes. Keine Silbermann oder Sauer. Dass sie seit 150 Jahren erhalten blieb, macht sie allerdings doch zu etwas einzigartigem weit und breit. Am zweiten Weihnachtsfeiertag feiert die Orgel dieses Jahr ihren besonderen Geburtstag. Das haben Mitstreiter des Fördervereins Kirche und Dorf Altmädewitz gerade herausgefunden.

Bernaus wollen keinen Applaus für ihr Engagement. Das merkten auch die Mädewitzer schnell. Denn, anders als bei den meisten anderen Kirchkonzerten auf dem Dorf, kommen sogar die Einwohner in das Gotteshaus, wenn Götz Bernau mit seinen Musikern aufspielt. Das ist für die beiden das schönste Geburtstagsgeschenk.

Benefizkonzert am 27. September, 16 Uhr, Kirche Altmädewitz, vorher gibt es Kaffee und Kuchen

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