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Tempo 30 ist Bürgern wichtiger als Sanierung

Jörg Kühl / 24.11.2015, 06:05 Uhr
Niewisch/Möllen (MOZ) Die Bürger von Niewisch und Möllen halten an ihren Forderungen nach einem dauerhaften Tempolimit und einer Gewichtsbeschränkung für Lkw fest. Diese Regelungen haben nach der Vorstellung der Bürger sogar Vorrang vor einer Sanierung der Straße.

"Wenn erst einmal die Strecke saniert ist, haben wir es mit unseren zentralen Anliegen sehr viel schwerer", so begründet Gustav Daniel, Initiator einer Unterschriftenaktion, an der sich 120 Anrainer von Niewisch und Möllen beteiligt haben. Die Anwohner wollen ein dauerhaftes Tempolimit innerorts von 30 km/h sowie eine Gewichtsbegrenzung für Lkw in Höhe von 7,5 Tonnen erreichen. Vorbild seien entsprechende Regelungen im Ort anlässlich der Bauarbeiten bei Trebatsch im Jahr 2011. "Dies brachte damals spürbare Erleichterung, wurde aber leider nach dem Ende der Bauarbeiten wieder rückgängig gemacht."

Die Anwohner untermauern ihre Forderungen mit einer Reihe von Argumenten. Die sehr enge Straßenführung in Niewisch und Möllen sowie zwischen den Orten gefährde Fußgänger und Radfahrer, die keine gesonderten Wege nutzen können. Viele Eltern müssten mit ihren Kindern daher auf dem Weg zur Haltestelle des Schulbusses begleiten, da der Weg für Kinder alleine zu gefährlich sei. Bei Begegnungsverkehr unter Beteiligung mindestens eines Lkw werde wegen der geringen Breite der Straße wenigstens ein Fahrzeug zwangsläufig auf den unbefestigten Fahrbahnrand abgedrängt. Für die Gäste des Campingplatzes und der Bungalowsiedlung, die häufig mit dem Fahrrad unterwegs sind, sei die Verkehrssituation ebenfalls unerträglich. "Sie fördert kaum das Ansehen der Region als Ferienregion." Die Bausubstanz der an der Straße gelegenen Häuser sei durch die Erschütterungen gefährdet. Die Straßenbrücke über den Umfluter des Möllener Mühlenfließes weise Risse auf, so ein weiteres Argument. Eine Untersuchung sei 2010 bereits zugesagt worden, aber nie erfolgt.

Die Bürger warten indes auf Antwortpost aus dem Infrastrukturministerium. Die Bürger hatten am 17. September ein Schreiben, in dem sie ihren Unmut über den schlechten Zustand der Landesstraße L 441 und den Lkw-Durchgangsverkehr geäußert haben, samt der Unterschriftenliste an die zuständige Ministerin Kathrin Schneider geschickt. Auch ein Erinnerungsschreiben vier Wochen später sei unbeantwortet geblieben, moniert der Beschwerdeführer. In den Briefen legen die Anlieger ihre Forderungen und Argumente dar, die sie bereits bei einer Bürgerversammlung am 16. September Bürgermeister Thomas Hähle mitgeteilt hatten. Die Stadtverwaltung hat ihrerseits ein Schreiben an das Ministerium gesandt mit der Bitte, die Strecke zu sanieren. Hähle erinnerte in diesem Zusammenhang an einen schweren Lkw-Unfall auf der Strecke, der auf den Straßenzustand zurückzuführen sei.

Der Landesbetrieb Straßenwesen geht in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Friedland lediglich auf die von der Stadt geforderten Sanierungsarbeiten ein, die Forderungen der Bürger nach einer dauerhaften Tempo- und Gewichtsbegrenzung bleiben außen vor. In dem Schreiben erteilt die Behörde der Sanierung eine Absage. Aufgrund der schlechten finanziellen Ausstattung der Straßenbauverwaltung könnten "umfangreiche Erhaltungsmaßnahmen nur auf den prioritären Straßen" realisiert werden. "Leider trifft das auf die L 441 nicht zu." Die Straße sei Bestandteil des "Grünen Netzes" und weise im Vergleich zu anderen Landesstraßen in Brandenburg eine geringe Verkehrsbelastung auf. Der Landesbetrieb verspricht stattdessen, die zuständige Straßenmeisterei werde die notwendigen kleinteiligen Reparaturen an der Landesstraße "mit viel Engagement" durchführen. Ziel der Maßnahmen sei es, die Verkehrssicherheit und Befahrbarkeit sicherzustellen.

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