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Zum Glück braucht es mehr Zeit

Straußenkücken vom August: Holger Niemann (43) pendelt auch zwölf Jahre nach der Hofübernahme von Neufriedland nach Berlin zur Arbeit. Das größte Glück wäre für ihn, dass seine Familie komplett von der Landwirtschaft leben kann und er mehr Zeit für Frau u
Straußenkücken vom August: Holger Niemann (43) pendelt auch zwölf Jahre nach der Hofübernahme von Neufriedland nach Berlin zur Arbeit. Das größte Glück wäre für ihn, dass seine Familie komplett von der Landwirtschaft leben kann und er mehr Zeit für Frau u © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 31.12.2015, 04:15 Uhr
Neufriedland (MOZ) Wer Schwein hat, hat Glück? Im Falle von Familie Niemann ist es wohl so. Die 43-jährigen Eltern von sechs Kindern versorgen einen großen Bauernhof mit unzähligen Tieren und gehen "nebenher" noch arbeiten. Ihr größter Wunsch: mehr Zeit füreinander.

Woher der Glaube stammt, dass Schweine Glück bringen, wissen auch Niemanns nicht so genau. Manche meinen, das komme von Schießbudenfiguren. In der Literatur findet sich etwas von den heiligen Ebern der Germanen. Aber auch vom Teufel in Schweinsgestalt beim Christentum oder dem "unreinen Tier" im Judentum und im Islam. Wer sich aber die Zeit nimmt, einer Schweinefamilie wie der vom Neufriedländer Straußenhof "Weideblick" beim Fressen zuzuschauen, wird vom genüsslichen Schmatzen auf eigentümliche Art angesprochen. Die Alltagshektik fällt ab und man erfreut sich am Anblick der stattlichen Tiere.Holger Niemann, gelernter Landwirt und hauptberuflich noch immer bei einer Berliner Kaufland-Filiale beschäftigt, hält die Schweine vor allem für den Eigenbedarf. Hausschwein-Sau Susi und Wildschwein-Keiler Berti sorgen für Nachwuchs, dessen Fleisch beste Qualität hat, wie Niemann versichert. Den Haupterwerb des Hofes aber liefern die Strauße: Eier, Federn, Fleisch und Haut lassen sich davon direkt vermarkten oder weiterverarbeiten. Der große Schwarm der Pfingsten geschlüpften Laufvögel ist wegen der warmen Witterung irritiert. Einige haben sogar schon Eier gelegt. Die Kücken vom August hingegen huschen über ihr Gehege, als möchten sie das Fliegen erlernen.

Zu Pfingsten geben Niemanns traditionell das Kückenfest. In diesem Jahr fiel das etwas anders aus. Denn eines der Kinder feierte Konfirmation. Und die fand auf dem Straußenhof statt. "Das war der größte Höhepunkt für uns", meint Holger Niemann. Oder war es doch die Einschulung? Nächstes Jahr wird das jüngste Kind in die Schule kommen. "Dann haben wir noch fünf Kinder in der Schule", staunt der Vater darüber, wie die Zeit vergeht.

Die Zeit - von der wünscht sich Holger Niemann viel mehr. Zeit für die Familie, aber auch für die vielen Pläne, die er auf dem Hof umsetzen will. Die Sanierung des alten Stallgebäudes zum Beispiel. Dort wäre der ideale Platz, um die Hofprodukte zu präsentieren. Und um Toiletten und Duschen einzubauen. Denn seit diesem Jahr sind die Niemanns auch Herbergseltern. Mit dem Reiseveranstalter "Landvergnügen", der Wohnwagenstellpätze auf Bauernhöfen vermittelt, hatten sie in diesem Jahr bereits die erste Gäste. Und dabei gelernt, welche Ansprüche sie haben. Auf dem Weideblick-Hof finden diese Gäste zwar alles, was sie sich sonst wünschen. Die sanitären Bedingungen aber müssen geschaffen werden. Wie so vieles andere auch.

Bislang hatten die Hofeinkünfte gerade gereicht, dass Michaela Niemann, sie ist Mathelehrerin der Primarstufe, auf dem Hof arbeiten kann. Die Einkünfte aus dem Kaufland-Job ihres Mannes braucht die Familie aber noch. So dauert es eben. Vielleicht hat es aber auch einen tiefen Sinn und es ist ein Glück, dass alles so viel Zeit kostet. Vor dem allzu schnellen Fertigwerden hat schon der Schriftsteller Thomas Mann gewarnt: "Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod." Da haben Niemanns aber bisher Schwein gehabt.

Straußenhof Weideblick, Neufriedland 16, Tel. 033474 38155

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