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Es honigt bald wieder

Buntes Bienenhaus: Hans Neumann aus Neumädewitz hält sein Leben lang Honigbienen. Früher hatte er mehr als 100 Völker, heute sind es immer noch etwa 25. Seine Bienen haben den Reinigungsflug bereits hinter sich. Jetzt wartet er auf die Rapsblüte. Sie brin
Buntes Bienenhaus: Hans Neumann aus Neumädewitz hält sein Leben lang Honigbienen. Früher hatte er mehr als 100 Völker, heute sind es immer noch etwa 25. Seine Bienen haben den Reinigungsflug bereits hinter sich. Jetzt wartet er auf die Rapsblüte. Sie brin © Foto: moz
Mandy Timm / 10.03.2016, 06:21 Uhr
Neumädewitz (MOZ) Früher hatte Hans Neumann 120 Bienenvölker, heute sind es noch um die 25. Wie jedes Jahr freut sich der Imker auf die Bienen-saison. Die steht kurz bevor. Denn: Die ersten Insekten haben ihre Winterruhe beendet und den Reinigungsflug hinter sich.

Hans Neumann hat schon Preise eingeheimst mit seinem Honig. Lange Jahre leitete er den Wriezener Imkerverein. 125 Jahre gibt es den mittlerweile schon. Jetzt macht Neumann, der in wenigen Tagen 77 wird, langsamer, was angesichts seiner Bienenvölker-Anzahl immer noch beachtlich ist. Um die 25 Völker hält er. Früher, zu DDR-Zeiten, waren es 120.

Hans Neumann steht auf seinem Hof zwischen einem Schneeglöckchen-Teppich und buntgestrichenem Bienenhaus. Die ersten Insekten steuern die Einflugschlitze, die zu ihrem Volk führen, betulich an. Es summt zaghaft. Die Winterruhe, die Bienen halten, neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Erste Völker von Neumann haben ihren Reinigungsflug hinter sich. Der Imker freut sich auf die Saison. "Bald honigt es wieder", sagt er. Die Rapsblüte ist die erste Ernte, die er einfahren wird.

Neumann schwört auf die sogenannte Hinterbehandlungsbetriebsweise. Das sind neben Bienenhäusern die typischen Bienenwagen, die häufig an Wegesrändern zu sehen sind. Wanderwagen sagen Imker auch dazu.

Hans Neumann hat den Umgang mit Bienen von seinem Großvater Martin gelernt. Schon dessen Vater hielt die honigbringenden Insekten, damals noch jenseits der Oder. Neumann kommt da eigentlich her, aus dem heutigen Polen. Von seinem Haus in Neumädewitz aus reicht der Blick hinüber ins Nachbarland. Er benutzt noch alte Mengenangaben, wenn er sagen will, wie viel Honig ein Bienenvolk früher höchstens brachte. "24 Pfund", sagt er dann, zwölf Kilo. Mit der Wanderung und Königinnenzucht ging die Ernte richtig los. Heute kann eine Tracht mehr als 24 Kilo pro Volk einbringen.

Hans Neumann war Tischler von Beruf. Er hat bis zur Rente im Altranfter Freilichtmuseum Holzgegenstände restauriert. Die meiste Freizeit ging unterdessen für die Bienen drauf. "Ab Mai gab es kein Wochenende", sagt er, "dass wir nicht irgendwie mit Bienen zutun hatten." Mit wir meint er sich und seine Frau Gertrud, die immer mithalf. An Urlaub war meistens erst ab September zu denken.

Auf die Rapsernte folgen noch immer Robinie, Sonnenblume, Linde. Schon in den 1960er-Jahren ist der Neumädewitzer mit seinem Wanderwagen bis in die Uckermark nach Prenzlau gezogen, um den begehrten Lindenhonig zu ernten. "Hier lohnt sich das nicht", weiß er. "Linde muss mit den Beinen im Wasser stehen, sagt man." Das mache sie hier nicht. Die Ernte sei deshalb nur mager.

In Milchkannen füllte er zu DDR-Zeiten seinen Honig ab. Zuständig für die Abnahme war der Volkseigene Erfassungs- und Aufkaufbetrieb. Das Geschäft mit dem flüssigen Gold lief prächtig. "Das war alles bestens durchorganisiert", erinnert sich der Rentner. Ein Anruf und die Kannen standen bereit.

Um die 60 Imker gab es damals in und um Wriezen herum. Heute sind es noch gut 40. Das Durchschnittsalter ist nach wie vor hoch.

Im Landkreis Märkisch-Oderland gibt es nach Angaben von Amtstierarzt Ralph Bötticher zurzeit etwa 600 Imker. 7200 Bienenvölker sind im Kreis gemeldet. Die meisten Hobbyimker halten unter zehn Völker. Offiziell haben 15 Imker 99 Völker, heißt es weiter aus dem Landratsamt. Und: Ungefähr zehn Imker leben von dem Geschäft mit Honig, Wachs und Bienenablegern. Sie sind Berufsimker.

Eine Tendenz, ob die Anzahl der Imker im Landkreis steigt oder sinkt, ließe sich nicht ausmachen, sagt Ralph Bötticher. "Es kommen Jüngere in den Vereinen hinzu", erklärt er. "Ältere scheiden aus. Die Anzahl ist gleichbleibend." Neu im Landkreis ist die Wander-Obfrau. Um die Angelegenheiten von Wanderimker, die ihre Bienen in MOL aufstellen wollen, kümmert sich künftig die Wriezenerin Daniela Markner. Allerdings sank die Anzahl einwandernder Imker zuletzt: Während 2013 noch 93 von ihnen ihre Bienenwagen im Landkreis aufstellten waren es ein Jahr später 90 und 2015 sogar nur noch 70.

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