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Witwe kämpft um letzten Willen ihres Mannes

Das Ehepaar Renate und Harald Kroschel: Im August starb der 93-jährige Berliner Kinderarzt. Seine Vorfahren sind in einem Familiengrab im Wald am Molchowsee beerdigt. Sein letzter Wille war das auch.
Das Ehepaar Renate und Harald Kroschel: Im August starb der 93-jährige Berliner Kinderarzt. Seine Vorfahren sind in einem Familiengrab im Wald am Molchowsee beerdigt. Sein letzter Wille war das auch. © Foto: MZV
Daniel Dzienian / 14.04.2016, 10:30 Uhr
Molchow (RA) Eine Berlinerin kämpft seit Monaten mit den Neuruppiner Behörden um den letzten Willen ihres verstorbenen Mannes. Sie möchte seine Urne in einer Familiengrabstätte in einem Wald beisetzen. Das wird ihr aber nicht erlaubt - obwohl es die Möglichkeit einer Ausnahme in den sonst rigorosen Bestattungsgesetzen geben könnte.

150 Jahre lang befand sich ein großes Waldgrundstück am westlichen Ufer des Molchowsees in der Hand der Familie Driesel - nur unterbrochen durch die Enteignung zu DDR-Zeiten. Dort befindet sich bis heute ein Familiengrab.

Der Berliner Kinderarzt Harald Kroschel war ein Enkel des Grundbesitzers. Weil dort Großeltern, Onkel und Tanten beigesetzt worden sind, wandte sich Kroschel schon zu Lebzeiten im Jahr 2013 an die Neuruppiner Stadtverwaltung. Er bat um eine Ausnahmegenehmigung. Denn: Das Grab befindet sich nicht auf einem regulären Friedhof. "Über eine lange Zeit reagierte die Behörde überhaupt nicht", kritisiert seine Frau Renate Kroschel.

Am 31. August 2015 starb Harald Kroschel im Alter von 93 Jahren. Jetzt führt die 73-jährige Witwe seinen Kampf weiter. "Ich möchte meinen Mann beisetzen, wie es sein letzter Wille war. Er hat dort seine Kindheit verbracht und fühlte sich dem Ort sehr verbunden." Seit sieben Monaten lagern Harald Kroschels sterbliche Überreste im Schrank eines Bestattungsunternehmens.

Weil Renate Kroschel sich mit der Ablehnung des Neuruppiner Ordnungsamts nichtabfinden wollte, wurde der Fall an die Widerspruchsbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin abgegeben. Nach langem Briefwechsel hat sie im Februar von dort einen Ablehnungsbescheid erhalten.

Das einzige deutsche Bundesland, in dem im Augenblick Bestattungen auf Privatland erlaubt sind, ist die Stadt Bremen. Außerhalb von gewöhnlichen Friedhöfen, ob staatlich oder in Kirchenhand, ist das höchstens in einem extra ausgewiesenen Ruheforst oder Friedwald erlaubt.

Wer in Brandenburg und der Stadt Neuruppin eine Ausnahme von den vom Gesetzgeber gewollten Bestattungsformen beantragen will, braucht dafür gute Argumente, sagt Rathaussprecherin Michaela Ott. "Ein bloßes Verbundenheitsgefühl mit Ahnen oder Plätzen stellt so einen wichtigen Grund nicht dar", so Ott. "Insofern war der Antrag abzulehnen." Laut Brandenburgischen Bestattungsgesetz sind Beisetzungen in der Erde nur auf Friedhöfen erlaubt. Man nennt das Friedhofszwang.

Die Sprecherin erklärt weiter: "Das in Rede stehende Grab wurde letztmalig im Jahr 1933 belegt." Das Rathaus könne nicht sagen, ob das damals rechtens war. "Seither sind jedenfalls keine Bestattungen dort erfolgt." Zudem hätten die Vorerben der Grundstücksfläche diese einschließlich der dort befindlichen Grabstelle in der Nachkriegszeit an einen anderen Eigentümer verkauft und "schon damit klargestellt, dass kein Interesse am Fortbestand einer privaten Begräbnisstätte besteht", so Ott. Renate Kroschel widerspricht: "Die Grabstätte befindet sich auf der Grundstücksgrenze."

Rechtsanwalt Torsten Schmitt von der Verbraucherschutz-Initiative für Bestattungskultur Aeternitas sieht sehr wohl eine Möglichkeit. Der Verein setzt sich für die Lockerung von Bestattungsgesetzen ein und schlägt auch immer wieder Gesetzesreformen vor. Der Experte kennt eine offizielle Kommentierung des Brandenburger Gesetzestextes zum Friedhofszwang. Auch da heißt es zwar, ein "wichtiger Grund" müsse gegeben sein. Der Gesetzgeber habe aber als Ausnahme gerade "an lange bestehende private Familiengrabstätten gedacht." Wie es im Kommentar weiter heißt, müsste das Grab schon vor Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 2001 existiert haben. Es dürfte sich nicht um ein Einzelgrab handeln. All das trifft im Fall der Kroschels zu.

Die wichtigste Voraussetzung für eine Ausnahme von der Norm ist die Zustimmung der Hygienebehörde, die ebenfalls beim Landkreis angesiedelt ist. Sie muss sicherstellen, dass sterbliche Überreste keine Seuchen verbreiten. Doch auch hier böte die Auslegung des Gesetzes im Kommentar eine Möglichkeit. Darin heißt es: "Da bei Einäscherung davon auszugehen sein dürfte, dass durch die hohen Temperaturen abgetötet worden sind, dürften bei einer Urnenbeisetzung kaum gesundheitliche Risiken mehr gegeben sein." Ablehnen könnte die Behörde zum Beispiel bei einer radioaktiver Verstrahlung.

Renate Kroschel belastet der Streit mit den Behörden psychisch. "Ich möchte all das abschließen, aber meinem Mann seinen letzten Wunsch erfüllen. Das müsste doch möglich sein."

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