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"Fremdschämen am Flutzeichen"

Trostloser Anblick: Den bietet zurzeit das Flutzeichen bei Neuranft. Oderaues Bürgermeister Bodo Schröder kündigt für nächste Woche Pflegemaßnahmen an
Trostloser Anblick: Den bietet zurzeit das Flutzeichen bei Neuranft. Oderaues Bürgermeister Bodo Schröder kündigt für nächste Woche Pflegemaßnahmen an © Foto: Mandy Timm
Mandy Timm / 30.07.2016, 06:50 Uhr
Neuranft/Güstebieser Loose (MOZ) 150 000 DM ließ sich die Gemeinde Oderaue das Flutzeichen zur Erinnerung an das Oderhochwasser 1997 einst kosten. Heute ist es in einem so ungepflegten Zustand, dass sich eine MOZ-Leserin zuletzt vor ihrem Besuch "fremdschämte".

Wenigstens einen Meter schießt das Unkraut in die Höhe. Ein abgestorbener Ast versperrt den Weg zur Treppe. Etwas Abseits ist ein Holzhäuschen zusammengekracht. "Ich hab mich vor unserem Besuch zuletzt fremdgeschämt, als wir dort standen", berichtete eine MOZ-Leserin aus Bad Freienwalde, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, diese Woche. Gemeint ist das Flutzeichen in Neuranft. Die Leserin war unterwegs mit Besuch und per Rad. "Gerade wenn Touristen das Denkmal sehen, als das es ja einst gebaut worden ist: sehr traurig."

Nach dem Oderhochwasser 1997 hatte die Gemeinde Oderaue einen Wettbewerb für ein Denkmal, das Flutzeichen, ausgelobt. Es kostete 150 000 DM und wurde vom Cottbuser Mathias Körner geschaffen. 69 Künstler hatten ihre Entwürfe eingereicht. Zuständig für die Pflegearbeiten ist seit dem die Gemeinde Oderaue. Bodo Schröder, ehrenamtlicher Bürgermeister der Kommune, sagte am Freitag, dass ihm das Problem durchaus bewusst sei. "Nächste Woche wird auch gemäht", kündigte er an. Die Situation hätte sich zuletzt zugespitzt, da einer der beiden Gemeindearbeiter krank war und der zweite im Urlaub. "Mit unseren wenigen Leuten und der ganzen Gemeindefläche kann es durchaus zu Engpässen kommen", warb Schröder für mehr Verständnis. Es müsse nicht nur das Flutzeichen gepflegt werden, sondern auch etliche Friedhöfe und Grünflächenanlagen. "Außerdem haben wir seit Anfang des Jahres auch noch einen Teil der L 28 in Gemeindeverantwortung bekommen, deren Pflege uns sehr viel kostet."

In der kommenden Woche soll nun auch der zusammengefallene Holzunterstand verschwinden und ein neuer aufgebaut werden. Dabei erhält Oderaue Unterstützung durch das Bliesdorfer Bildungswerk, wie Bürgermeister Schröder ankündigte. Dass die Kommune die Pflegearbeiten am Flutzeichen künftig extern vergibt, sieht Schröder nicht. "Das könnten wir gar nicht leisten", sagte er.

Auf ihrer Radtour entlang des Oder-Neiße-Radweges fiel der Leserin darüber hinaus ein "sehr ungepflegter Bereich bei Güstebieser Loose" auf. Warum die Pflegearbeiten in unterschiedlicher Qualität erfolgen würden, wollte sie wissen. Unsere Recherchen haben ergeben, dass grundsätzlich die angrenzenden Kommunen für die Pflege der Grünflächen zuständig sind. Allerdings übernimmt in Märkisch-Oderland der Landkreis an überregionalen Radwegen bereits auf 64 Kilometer die Pflege anstelle der Gemeinden außerhalb von Ortschaften. Erste vertragliche Vereinbarungen wurden bereits 2010 getroffen. Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei gewährleisteten seitdem einen einheitlichen Pflegestandard.

Mit dem Amt Barnim-Oderbruch beziehungsweise seinen Gemeinden gibt es diese kommunale Zusammenarbeit bislang nicht. "Die Thematik "Pflege des Oder-Neiße-Radweges' ist sehr kompliziert", sagte Amtsdirektor Karsten Birkholz am Freitag. "Die letzten vertraglichen Abstimmungen liefen meines Wissens mit dem Landesamt für Umwelt, Verwalter der Deiche und damit Träger der hoheitlichen Verantwortung für den Deich und den Deichverteidigungsweg. Da die Gemeinden bislang den Weg nicht übernommen hatten, gab es zuletzt noch vertragliche Abstimmungen. Diese waren vor Jahren immer wieder ins Stocken geraten. Erst mit der Übernahme der Wege folgt auch die Verantwortlichkeit für die Pflege."

Laut Helge Suhr, Bau- und Ordnungsamtsleiter von Barnim-Oderbruch, läuft parallel eine Anfrage beim Kreis zur Übernahme der Pflege. Diese Woche gab es dazu ein Treffen bei Güstebieser Loose. Amtsdirektor Karsten Birkholz geht davon aus, dass das Thema im Jahr 2016 noch abschließend geklärt werden kann.

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