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Vorsicht vor Blutsaugern

Gretchen-Frage wird geklärt: Hat Hündin Gretchen eine Zecke im Fell? Das überprüft Franziska Schittek, Tierärztin in der Gemeinschaftspraxis von Joachim Scholz in Hackenow. Individuell werden für Hund und Katze die Möglichkeiten zur Abwehr von Zecken ausg
Gretchen-Frage wird geklärt: Hat Hündin Gretchen eine Zecke im Fell? Das überprüft Franziska Schittek, Tierärztin in der Gemeinschaftspraxis von Joachim Scholz in Hackenow. Individuell werden für Hund und Katze die Möglichkeiten zur Abwehr von Zecken ausg © Foto: MOZ
Josephin Hartwig / 18.08.2016, 06:34 Uhr
Hackenow (MOZ) Zwei Mal im Jahr gibt es beim Zeckenbefall von Hunden und Katzen eine Hochphase. Die erste ist im Frühjahr, die zweite im August und September. Ein neues Mittel soll besser schützen.

Franziska Schittek arbeitet seit Januar in der Gemeinschaftspraxis von Tierarzt Joachim Scholz in Hackenow. Ihre Katze Miss Marple habe noch nie eine Zecke gehabt, sagt sie. "Sie ist zwar auch ein Freigänger, aber anscheinend nicht so anfällig." Sehr aktive Katzen, die draußen unterwegs seien und in der Nähe bestimmter Seen leben, würden auch mal bis zu 30 Zecken im Fell mitbringen.

Mit der beginnenden Pilzzeit machen sich viele Spaziergänger auch gern mit ihrem Hund auf den Weg in den Wald. Dort lauern häufig die kleinen Blutsauger, die sich am liebsten am Kopf, am Hals, im Nacken, der Leiste und unter der Achsel aufhalten. "Die Zecken suchen sich jene Stellen aus, die weniger beharrt und weicher sind", erklärt die Tierärztin. Deshalb müsse sowohl bei Katzen als auch bei Hunden an diesen Stellen aufmerksamer gesucht werden.

Vom Ei entwickelt sich die Zecke zur Larve, dann zur Nymphe und weiter zur ausgewachsenen Zecke. "Zwischendurch brauchen sie eine Blutmahlzeit", erklärt Franziska Schittek. Eine erwachsene Zecke könne sich bis zur Größe einer Kirsche vollsaugen. Für die Eiablage benötige ein Weibchen jene Blutmahlzeit. "Jede Zecke braucht etwa 24 Stunden, bis der Erreger ins Tier kommt. Deshalb bringt auch das tägliche Absammeln schon Schutz", erklärt die Veterinärin. Erst nach dieser Zeit bestünde eine erhöhte Gefahr für einen Hund oder eine Katze, eine Folgeerkrankung eines Zeckenbisses zu erleiden.

"Deshalb ist es wichtig, den Hund oder die Katze täglich auf Zecken zu untersuchen", sagt Schittek. Aber das allein reiche nicht aus. Für Hunde gibt es mittlerweile ein großes Spektrum, wie Zecken abgewehrt werden können. Etwa Tropfen, die am Nacken ins Fell einmassiert werden. "Über den Fettfilm der Haut verteilt sich das Mittel", erklärt Franziska Schittek. Katzen seien empfindlicher und vertragen oft nicht die gleichen Wirkstoffe und Mengen. Die sogenannten Spot-On-Tropfen seien bei Hunden zwar effektiv, allerdings sei kein Mittel zu 100 Prozent sicher. "Die Hunde springen auch ins Wasser und dann ist das Mittel natürlich abgewaschen."

Für Katzen gibt es seit diesem Monat ein neues Mittel, das Hilfe verspricht. "Es ist ein neuer Wirkstoff, der drei Monate lang schützen soll", erklärt sie. Seit zwei Jahren gebe es diesen Wirkstoff bereits als Tablette. "Damit haben die Besitzer bislang gute Erfahrungen gemacht." Die Pharmaindustrie entwickelt auch immer bessere Tabletten, die inzwischen sogar teilweise mit einem Geschmack angereichert sind. "Die riechen nach Fleisch", weiß die Tierärztin. Muss man seinem Hund allerdings eine Tablette geben, die geschmacklos ist, helfe es, sie in ein Stück Wurst einzuwickeln oder in Leberwurst zu drücken.

Individuell je nach Tier wird entschieden, welcher Schutz gegen Zecken und meist auch gleich gegen Flöhe angewendet werden kann. Es gibt auch Halsbänder, die allerdings beim Baden ihre Wirkung verlieren können. Für Katzen eignet sich diese Variante selten. Sind sie allein unterwegs, bestehe die Gefahr, dass sie am Halsband hängen bleiben. "Das ist auch eine Erfahrungssache. Bei einigen wirken sie gut, bei anderen nicht", erklärt Franziska Schittek.

Kommt es doch einmal zu einem Biss, kann man die Zecke auch mit der Hand herausdrehen. Eine Zeckenzange vereinfacht das allerdings. "Wenn noch die Mundwerkzeuge der Zecke drin bleiben, ist das nicht so schlimm. Die Stelle verkrustet und der Körper stößt es ab." Entstehe an der Stelle allerdings eine Schwellung, oder das Tier kratzt sich häufiger dort, könnten das Anzeichen für eine Entzündung sein. "Ist beispielsweise der Hund apathisch, hat Fieber und ist schlapp, könnte das auf eine Infektion hinweisen", erklärt die Tierärztin. Dann werde in der Praxis nachgefragt, ob es einen starken Zeckenbefall gegeben habe. Durch eine Blutuntersuchung könne eine mögliche Diagnose, wie etwa Borreliose, festgestellt werden. "Im Oderbruch ist das allerdings nicht so ein großes Problem." Es gebe zwar Zecken, aber eine Krankheit als Folge sei bisher nicht gehäuft vorgekommen.

Auch eine Impfung gegen Borreliose sei empfehlenswert, reiche allein aber nicht aus. "Bei Hunden etwa, die jagdlich geführt werden, oder jene, die viel im Wald unterwegs sind, ist die Impfung mit einem anderen Schutz zusammen gut", erklärt Schittek. Aber das werde immer individuell entschieden.

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