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Neuanfang Ende der Fünfziger

Feldsteinernes Überbleibsel aus der Zeit der Ortsgründung: Die Petruskirche in Obersdorf ist zwar robust, hat aber 1945 einiges einstecken müssen. Die Reparaturen gut ein Jahrzehnt später waren nicht von bester Qualität. Heute ist unter anderem im Dachber
Feldsteinernes Überbleibsel aus der Zeit der Ortsgründung: Die Petruskirche in Obersdorf ist zwar robust, hat aber 1945 einiges einstecken müssen. Die Reparaturen gut ein Jahrzehnt später waren nicht von bester Qualität. Heute ist unter anderem im Dachber © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 15.09.2016, 06:16 Uhr
Obersdorf (MOZ) Sie sind in aller Regel die ältesten Bauwerke in ihren Orten, steinerner Brückenschlag zwischen den Jahrhunderten. Die MOZ stellt in einer Serie die Kirchen vor. Heute: Petruskirche Obersdorf.

Klein, beschaulich, sich selbst genügend, im Innern fast ein wenig eng und düster wirkend. Das ist die Petrus gewidmete Dorfkirche des Müncheberger Ortsteils Obersdorf. Auf einer Anhöhe in der Mitte des Dorfes thront sie, weitaus älter als alle sie umgebenden Wohnhäuser. Mutmaßlich um die 750 Jahre steht sie nun schon an dieser Stelle, die Ausführung - unter anderem mit den damals noch überaus regelmäßig geschichteten Feldsteinquadern in den untersten Mauerreihen - deutet in den baulichen Ursprüngen auf die Mitte des 13. Jahrhunderts. Denn zu jener Zeit, nämlich 1253, wurde Obersdorf zum ersten Mal aktenkundig, und ein steinernes Kirchenbauwerk war damals bald nach Gründung der dörflichen Siedlungen üblich.

"Vor dreieinhalb Jahren, zu Weihnachten 2012, mussten wir die Kirche vorübergehend stilllegen", kann sich Pfarrer Dieter Jost noch gut erinnern. Die Obersdorfer Gläubigen waren aufgebracht, aber der Zustand der elektrischen Installation mit aus der Wand schauenden Kabel ließ keine andere Wahl. Erst als der Elektriker alles ordnungsgemäß neu verlegt hatte - immerhin eine Ausgabe von um die 10 000 Euro, viel Geld für so eine kleine Dorfkirche -, konnte die normale Nutzung wieder aufgenommen werden.

Die hölzerne Deckenkonstruktion über dem Hauptteil wirkt soweit noch gut intakt. Das erstaunt ein wenig, denn gutes Baumaterial und solide Verarbeitung waren in den 1950er-Jahren, als hier wie andernorts die Kriegsschäden beseitigt wurden, eher selten.

Dennoch ist an anderen Stellen der Bedarf nach einer richtigen Sanierung unverkennbar. Im Turminnern fallen Risse im Mauerwerk und manch andere Schäden ins Auge. Die Decke dort wurde seinerzeit mit Sauerkohlplatten unterfüttert, aus heutiger Sicht eine nicht angemessene Maßnahme. Doch die Zeiten und die begrenzten Möglichkeiten waren eben so: Nachdem das Bauwerk bei Kriegsende erhebliche Schäden davongetragen hatte, war die Gemeinde 1956 endlich soweit, an die Behebung gehen zu können. Knapp drei Jahre später, im Februar 1959, wurde Wiedereinweihung gefeiert. Im Ostgiebel gibt es seither die Mosaikfenster, die ebenso wie die Wandmalereien die Geschichte vom verlorenen Sohn zum Thema haben.

Vor allem auch mit den beiden neuen Glocken, die 1957 in Apolda bei Schilling und Lattermann gegossen worden waren. "Jesus vivat 1957" steht auf der Größeren, die Kleinere trägt die Inschrift "Lasset Euch versöhnen mit Gott 1957". Der Glockenstuhl selbst ist eine solide, gepflegte Metallkonstruktion. Rundherum drängt jedoch manches nach fachkundiger Handwerkerhand.

Und auch am Dach, das ebenfalls aus der Zeit der großräumigen Reparaturen nach den Kriegszerstörungen stammt, müsste eigentlich möglichst bald etwas geschehen, ist Pfarrer Jost und den Kirchenältesten sehr wohl bewusst. Momentan fehlt es angesichts manch anderer noch weitaus dringenderer Bedarfe in der Gemeinde aber am nötigen Geld, um die beschauliche Petruskirche in Obersdorf baulich wieder so richtig fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen.

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