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Geblieben, um da zu sein

Er ist der Neue: Seit knapp drei Monaten ist Christopher Schulz Ortsvorsteher von Neuküstrinchen. Mit seiner Freundin und Hund Lucky wohnt der gelernte Metallbauer im Haus seiner Eltern im Ort.
Er ist der Neue: Seit knapp drei Monaten ist Christopher Schulz Ortsvorsteher von Neuküstrinchen. Mit seiner Freundin und Hund Lucky wohnt der gelernte Metallbauer im Haus seiner Eltern im Ort. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 06.01.2017, 06:25 Uhr
Neuküstrinchen (MOZ) Die Gesichter des Oderbruchs - sie wohnen, leben, lieben und arbeiten hier. In einer MOZ-Serie erzählt das OderlandEcho über sie. Heute: Christopher Schulz, Ortsvorsteher von Neuküstrinchen.

In die Ferne hat es ihn nie gezogen. "Hier weiß ich, was ich habe. Es läuft gut hier", sagt Christopher Schulz. Er wendet den Kopf, sein Blick verlässt das Bürgerhaus in Neuküstrinchen, wandert über die weiße Schneelandschaft jenseits des Fensters. "Man hört doch, dass viele zurückkommen."

Christopher Schulz war nie weg. Geboren in Wriezen, lebte er mit seinen Eltern schon bald in Neuküstrinchen. Haus mit Grundstück, ein kleiner Stall. Die obere Etage des großzügigen Wohnhauses hat er sich inzwischen nach seinem Geschmack ausgebaut, renoviert, eingerichtet. Mit seiner Freundin wohnt er dort.

Das Werkeln im Haus und an alten Mopeds - wie viele er besitzt, weiß er nicht; acht seien es bestimmt - füllt ihn aus, wird aber in Zukunft womöglich hintenanstehen. Seit Oktober ist Christopher Schulz Ortsvorsteher von Neuküstrinchen. Als einer, der nie weg war, liegt das Amt nahe. Und doch ist es für einen 28-Jährigen alles andere als selbstverständlich.

"Es ist nicht mein erstes Ehrenamt", sagt der junge Mann, seine wachen, blauen Augen fixieren das Gegenüber. Seit zehn Jahren engagiert er sich in der Freiwilligen Feuerwehr Neuranft. Sein Pieper, der ihn bei Brand zum Einsatz ruft, liegt neben ihm auf dem Tisch. Auch während der Arbeit beim Fenster- und Türenhersteller FensterART in Werneuchen trägt er ihn bei sich.

Christopher Schulz nimmt sie ernst, seine Verantwortung - wenn er sie erst einmal hat. Seine Idee sei es nicht gewesen, die Nachfolge von Ortsvorsteher Fred Bundrock anzutreten. "Ulrich Köhler, mein früherer Ausbilder bei Bran&Co Altranft hat mich gefragt." Schulz schlief darüber. Dann sagte er mit dem Wissen, Ulrich Köhler, ehemaliger Bürgermeister des Ortes, und die Gemeindevertreter jeder Zeit um Rat fragen zu können, zu.

"Man bindet sich Zeit ans Bein", weiß der 28-Jährige. Seine erste Bewährungsprobe - eine Rede zum Volkstrauertag - hat er mit Lob seitens der Gemeinde bestanden. Alles andere, ist Christopher Schulz zuversichtlich, werde er lernen. Man wachse mit seinen Aufgaben."Man muss mit den Leuten reden", ist ein Satz, den der gedrungene Mann wiederholt, wenn man ihn nach seinen Vorhaben für die nächsten zwei Jahre fragt. Und: "Wichtig ist, das Dorfleben aufrechtzuerhalten." Wie? Darauf sucht er noch Antworten.

Seit diesem Sommer ist der 28-Jährige Herr über zwei Bienenvölker. Der erste Honig "war ganz gut". Sein Wissen holt er sich aus dem Internet und von seiner Patin beim Imkerverein. "Das muss in der Familie liegen", meint Schulz, der als Einzelkind aufgewachsen ist. "Der Vater meiner Mutter, ihr Opa und mein Onkel sind oder waren Imker". Zurzeit verharren die Bienen von Christopher Schulz dicht aneinandergedrängt in ihrem Stock. Erst wenn es wärmer wird, fliegen sie wieder aus. Zum Verschnaufen bleibt dem Ortsvorsteher von Neuküstrinchen keine Zeit. Er ist geblieben, um für das Dorf da zu sein.

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