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Gebetbank von alter Schulzendorfer Kirche entdeckt

Verborgen hinter der Orgel der Schulzendorfer Kirche war die Gebetsbank lange Zeit.
Verborgen hinter der Orgel der Schulzendorfer Kirche war die Gebetsbank lange Zeit. © Foto: Mandy Oys/GZ
Mandy Oys / 01.04.2017, 06:24 Uhr
Schulzendorf (GZ) Sie stand auf der Empore, versteckt hinter der Orgel. Das Jahr 1706 ist auf der Gebetsbank vermerkt und der Name ihres Stifters. Er ist es, der das Interesse weckt. Denn Abraham Schirmer muss aus der Schweiz nach Schulzendorf übergesiedelt sein und war einer der ersten der Kolonisten des Ortes.

Schulzendorfs Ortsvorsteher Carsten Dräger präsentiert "die älteste gegenständliche Quelle" der Schweizer im Ort, als hätte sie jahrelang auf einem Dachboden versteckt gestanden. Dräger erforscht die Geschichte der Region, besonderes Augenmerk legt er auf die Schweizer Wiederbesiedlung seiner Heimat im 17. Jahrhundert. Das meiste, was überliefert ist, sind Schriften, sagt Dräger. Insofern erklärt sich seine Euphorie über die hölzerne Bank, auf der womöglich der Organist in den letzten Jahrzehnten seine Füße abgestellt hat. Die Gebetsbank ist neben zwei Schrifttafeln das einzige, was aus der früheren Schulzendorfer Kirche erhalten sei. 1901 wurde das neue Gotteshaus errichtet und die Bank darin untergebracht. Dass sich die Reformierten damals zum Beten noch niederknieten, sei heute nur noch wenigen bewusst, sagt Dräger.

"Abraham Schirmer hat dis der Kir verihrt", steht da geschrieben, wo die Knie des Betenden einst waren. Die Gravur ist gut lesbar, trotz der Farbe, die der Bank wahrscheinlich zu DDR-Zeiten der Holzwürmer wegen verpasst worden war. "Sie muss restauriert werden", meint Dräger, als er das Stück auf die Seite dreht. Das Untere hat wenig von dem ockerfarbenen Anstrich abbekommen.

Doch viel wichtiger an dieser unscheinbaren Bank: Ihr Stifter ist nach Drägers Auffassung Vorfahr des späteren Gaststättenbetreibers Schirmer, außerdem des Schulmeisters und des Maulbeerplantagengründers im Dorf. Die Familie Schirmer war in der ganzen Gegend bekannt. Abraham aber ist in der Liste der Erstsiedler nicht aufgeführt. Sein Name ist dem geschichtsinteressierten Ortsvorsteher unbekannt.

Die Familienbande der Region zeigt sich anhand der Kirchenbücher am ehesten. Dieser Ansicht war auch ein Schweizer, der sich die Lindower Schriften erst kürzlich ansah, erzählt Dräger. Ein Student, der selbst gebürtig aus der Wartau an der Grenze zum Fürstentum Liechtenstein stammt, habe sich bei ihm gemeldet. Er wolle eine Magisterarbeit zu den Schweizer Siedlern verfassen und bat um Hilfe. Carsten Dräger machte also eine Rundreise mit ihm zu den Zeugnissen in Schulzendorf und zur Altlüdersdorfer Kirche, die von Schweizern als Gebetshaus errichtet worden war. Eine für Dräger besondere Neuigkeit brachte der Gast mit: Alte Bauerngeschlechter, die sich in Schulzendorf im 17. Jahrhundert ansiedelten, stammten aus der Wartau. Das ist für Carsten Dräger eine Neuigkeit, der er nun weiter nachgehen will - in Zusammenarbeit mit dem Autoren. "Er hat mir alte Handschriften geschickt", erzählt Dräger. Die soll er transkribieren. Man helfe sich gegenseitig. Carsten Dräger hat im Gegenzug eine Auswanderungsliste bekommen, die Namen darin sind noch weitgehend unbekannt. Es sei verzeichnet, wer wann hierzulande angekommen war.

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