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Landwirte der Region setzen auf biologische Schädlingsbekämpfung für ihre Maisschläge

Drohnenflug gegen Zünsler

Neustart nach dem Nachladen: Oliver Genz (links) aus Neustadt bei Hannover hat seit Sonntag u.a. auf den Maisfeldern der Landwirtschaftsgesellschaft Diedersdorf Schlupfwespen ausgebracht, deren Larven dort die Gelege der Maiszünsler auffressen. Landwirt J
Neustart nach dem Nachladen: Oliver Genz (links) aus Neustadt bei Hannover hat seit Sonntag u.a. auf den Maisfeldern der Landwirtschaftsgesellschaft Diedersdorf Schlupfwespen ausgebracht, deren Larven dort die Gelege der Maiszünsler auffressen. Landwirt J © Foto: MOZ/Ulf Grieger
Ulf Grieger / 12.07.2017, 19:26 Uhr
Neuentempel (MOZ) Fünf Landwirtschaftsbetriebe aus Alt Madlitz, Friedersdorf und Diedersdorf haben sich im Kampf gegen den Maiszünsler zusammengetan. Sie haben den Landtechnikbetrieb von Oliver Genz damit beauftragt, die Maisschläge mit Schlupfwespen zu versorgen. Und zwar aus der Luft.

Auf den für den Laien schier unendlichen Weiten der Maisschläge bei Neuentempel spielen sich gerade dramatische Szenen ab: Die Gelege des Maiszünslers, in denen sich die Larven entwickeln, werden von Schlupfwespen aufgesucht. Dort paaren sich die Wespen und legen ihre Eier ab. Ihre Larven ernähren sich von den Zünsler-Eiern. Versiegt diese Nahrungsquelle, sterben auch die Wespenlarven. Aber der Mais ist vor dem Zünslerlarvenfraß gerettet.

Bekannt ist diese Art der biologischen Schädlingsbekämpfung zwar schon seit mehr als 15 Jahren. Vor allem Ökobetriebe haben die Nützlinge per Hand ausgebracht und mit anderen, mechanischen Methoden kombiniert. Doch jetzt hat die Entwicklung von den Drohnen genannten Kleinfluggeräten diese Art der Zünslerbekämpfung revolutioniert.

Oliver Genz, Chef eines Lohnunternehmens aus Neustadt bei Hannover, hat sich auf diese biologische Schädlingsbekämpfung mit einer Drohne spezialisiert. Von Sonntag bis Dienstag hatte er, gemeinsam mit Axel Weckschmied, die Maisfelder des Schlossgutes Alt Madlitz, des Geflügelhofs Friedersdorf, der Friedersdorfer Landwirtschafts GmbH und des Gutes sowie der Diedersdorfer Landwirtschaftsgesellschaft beflogen. Axel Weckschmied gehört die Dresdener Firma Hexapilot, die die Spezialtechnik für das Ausbringen der Wespen entwickelt hat. Die Aufgabe hier im Oderland sei nicht besonders schwierig gewesen, erklärt Oliver Genz, als er am Dienstag die letzten Streckendaten in seinen Laptop eingibt und an die Drohne überträgt. Das Areal sei überschaubar, so dass er das Fluggerät ständig im Blick hat und auch die Regenfälle hätten lediglich zu zweistündigen Pausen geführt. Die Drohne hat einen Lastkorb, der mit weißen Kügelchen gefüllt wird. In jedem Kügelchen stecken 2000 Schlupfwespeneier. Die sind darin exakt so angeordnet, dass die Wespen in sieben Schlupfwellen auf die Welt kommen, um die Wirkung über einen möglichst langen Zeitraum zu erhalten. Den Zeitraum nämlich, in dem die Maiszünsler ihre Eier legen. Hebt die Drohne ab, dann hat sie genug solcher Kügelchen für fünf Hektar an Bord. Je Hektar Mais werden 100 der Kugeln benötigt, die die Firma "Biocare" aus Einbeck liefert. Diese Firma hat ihre Gebrauchsanweisung für die "Trichosafe-Kugel" noch für die manuelle Methode verfasst. Demnach soll man alle fünf Meter eine Kugel im Winkel von 90 Grad in die Maisreihe werfen. Denn die Reichweite der Schlupfwespen beträgt etwa zehn Meter. Diese Arbeit übernimmt nun die Drohne. Exakt alle zehn Meter klappt sie eine Kugel mit 2000 Schlupfwespen aus und lässt sie in die Reihe fallen. Das funktioniert aber nur, wenn die Kugeln auch tatsächlich unversehrt sind. So besteht die Aufgabe des Drohnenpiloten neben dem Nachladen des Akkus und dem Eingeben der Streckenführung auch darin, die Qualität der Wespenkugel zu kontrollieren.

Aber Oliver Genz hat offensichtlich Spaß an der Arbeit. Er ist Hobby-Modellflug-Bastler und kann so Beruf und Leidenschaft sehr gut verbinden. Zudem sei es eine gute Abwechslung von den übrige Arbeiten, die sein Lohnunternehmen jetzt gerade zu erfüllen hat, so Genz.

Gegenüber Jörg Henschke, dem Geschäftsführer der Diedersdorfer Landwirtschaftsgesellschaft, erklärt er, dass die Erfolgsaussichten bei der Maiszünslerbekämpfung bei 80 Prozent liegen, so dass mechanische Nachbearbeitung, wie sie die Diedersdorfer eingeplant haben, gar nicht nötig werden.

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