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Kirche in Giesensdorf ist 300 Jahre alt / Aufwendige Sanierung

Kultur
Evangelisten unter Farbschichten

Tatjana Littig / 16.10.2017, 20:04 Uhr
Giesensdorf (MOZ) Mit einem Festgottesdienst wird am Sonntag das 300-jährige Jubiläum der Dorfkirche in Giesensdorf begangen. In Vorbereitung auf diesen Tag wurde das Gotteshaus in den vergangenen anderthalb Jahren aufwendig saniert. An der Kanzel kamen unter Farbe alte Bilder zutage.

In ein rotes Gewand gehüllt sitzt Marcus mit Stift in der einen und Buch in der anderen Hand auf einem Löwen. Über seinem Kopf schwebt ein Heiligenschein. Den Heiligenschein erkennt auch das ungeübte Auge. Bei dem Löwen sieht die Sache anders aus. Es ist ein bräunliches Etwas mit Augen und Mund zu Füßen Marcus'. Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister klärt auf: "Der Löwe ist das Symbol von Marcus."

Marcus ist einer von vier Evangelisten, die im Neuen Testament der Bibel erwähnt werden. Sein Bildnis prangt an der Kanzel in der Dorfkirche in Giesensdorf. Lange Zeit war es nicht zu sehen. Zuletzt war es mit grauer Farbe übermalt. In mühevoller Kleinarbeit hat Rostyslav Voronko das Bild freigelegt. Doch nicht nur das: Unter der Farbe kamen auch die Evangelisten Lucas und Johannes sowie das Wappen der Familie Maltitz, die fast 150 Jahre Besitzer von Giesensdorf waren, die Jahreszahl 1700 und ein Spruchband zum Vorschein. Eine Kassette an der Wand blieb leer. Die Vermutung des in Beeskow lebenden und arbeitenden Restaurators lautet: Die Kanzel wurde an der Stelle im Laufe der Zeit ausgetauscht. Höchst wahrscheinlich war dort einst der Evangelist Matthäus zu sehen - immerhin fehlt er als einziger. Eine weitere Vermutung lässt die Kanzel zu: Sie dürfte früher im Raum und nicht an der Wand gestanden haben.

"Künstlerischen Wert haben die Bilder keinen", gibt Kai-Uwe Folgner-Buchheister unumwunden zu. Auch auf den Bildnissen von Lucas und Johannes gibt es Unregelmäßigkeiten in der Körperhaltung und wenig eindeutige Tiermotive. Verbesserungen an den Bildern hat Rostyslav Voronko trotzdem nicht vorgenommen, sie sind original. "Das macht man auch nicht", erklärt der Restaurator mit Nachdruck. Dafür hat er am Spruchband Hand angelegt. Komplett müsste dort stehen "Hier leuchtet Dein mildes Herz mein Maltitz jetzt herfür, weil Holz und Mahler allein herrührt von Dir." Der Anfang fehlt aber wegen der ausgetauschten Kassette. "In den Kirchenbüchern steht nichts von einer Renovierung", teilt der Kirchenälteste Horst Wilde mit. Damit bleibt offen, wann die Kanzel ausgebessert wurde.

Horst Wilde ist eine der treibenden Kräfte in Giesensdorf. 2015 entstand die Idee zur Sanierung der Kirche. Seit April 2016 wird diese Idee in die Tat umgesetzt. Vieles an und in dem Gotteshaus geschah ehrenamtlich. "So viele Leute haben sich hier selbstlos eingesetzt", lobt Kai-Uwe Folgner-Buchheister das Engagement.

Das Ziel lautete: Zum 300-jährigen Bestehen soll alles fertig sein. Nun ist es vollbracht. Am Sonntag wird in einem Festgottesdienst das Jubiläum begangen. Beginn ist um 14 Uhr. Die Predigt leiten der Superintendent des Kirchenkreises Oderland-Spree, Frank Schürer-Behrmann, sowie Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister. Verschiedene Chöre aus der Region werden bei dem Gottesdienst zu hören sein. Im Anschluss ist ein Rundgang durch die frisch sanierte Kirche für alle Interessenten angekündigt. Der Nachmittag endet bei Kaffee und Kuchen im Gutshaus nebenan.

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