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Literatur
Wortlos auf dem Jakobsweg

Der Dallgower Autor Uve Kirsch stellte seinen neuen Jakobsweg-Roman "Wortlos" bei einer Lesung im Alten Weinladen Rohrbeck vor.
Der Dallgower Autor Uve Kirsch stellte seinen neuen Jakobsweg-Roman "Wortlos" bei einer Lesung im Alten Weinladen Rohrbeck vor. © Foto: Stephan Achilles
Stephan Achilles / 18.10.2017, 19:29 Uhr
Dallgow (MOZ) Von den Büchern, die Uve Kirsch verfasst hat, sind besonders die beiden Bände "Gutland" und "Wutland" bekannt geworden. Die Flüchtlingsproblematik und wie eine ländliche Gemeinde im Speckgürtel einer Großstadt damit umgeht, sind die Hauptthemen der humorvoll und unterhaltsam geschriebenen Bücher. Der Dallgower Autor stellte nun seinen neuen Roman "Wortlos" bei einer Lesung im Alten Weinladen Rohrbeck vor.

Das Buch entstand in weniger als acht Wochen, unmittelbar nach der Rückkehr von einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Genau wie der Autor es getan hat, geht Arne, die Hauptfigur des Romans, den Camino Portugués vom portugiesischen Porto nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Auf rund 250 km - mit Tagesetappen zwischen 20 und 30 km - begegnet Arne den unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Alle haben ihren eigenen Grund, die Strapazen des Weges auf sich zu nehmen. Religiös motiviert sind die Wenigsten. Auch Arne weiß nicht so recht, was ihn veranlasst. Vielleicht will er einfach mal abschalten, Probleme hinter sich lassen und herausfinden, was man im Leben wirklich braucht?

Er trifft auf Lenka, eine junge Tschechin. Sie redet kaum, obwohl sich Arne und Lenka auf Englisch problemlos verständigen könnten und sie läuft wie zur Selbstbestrafung. Trotz wunder Füße legt sie ein Tempo vor, dem Arne nicht immer folgen will oder kann. Doch irgendetwas verbindet die junge Frau und den deutlich älteren Arne.

Mehr oder weniger schweigend gehen sie weite Strecken des Weges gemeinsam. Als Arne zu ahnen beginnt, woher die harte Maske rührt, unter der Lenka ihre Zerbrechlichkeit verbirgt, setzt eine gedankliche Reise in die eigene Kindheit ein. Blutige Ereignisse, Gewalt und drakonische Strafen haben lebenslange Spuren hinterlassen. Ist es das, was Arne und Lenka zusammenhält? Wie können beide die Folgen kindlicher Misshandlung überwinden? Denn "Nichts von Bedeutung verschwindet einfach so. Es ist alles noch da", erkennt Arne.

Kirschs neuer Roman ist völlig anders als die beiden vorangegangenen Bücher. Obwohl der Humor auch in "Wortlos" nicht zu kurz kommt - etwa bei der Beschreibung der Pilger - sind Arne und Lenka letztlich tragische Figuren. Ihr Leben ist durch die Schatten der Kindheit beeinflusst, von denen sich vor allem Lenka nicht befreien kann. Dem Leser erschließen sich die besondere Beziehung der beiden und ihre doch so verschiedenen Charaktere dank der einfühlsamen Schilderungen des Autors. Mit jeder Meile, die die beiden Pilger auf dem Camino gehen, sich aus den Augen verlieren und wiederfinden, mit jedem Rückblick in Arnes dunkle Vergangenheit wächst die Sympathie für die beiden Protagonisten und das Interesse an ihrem Schicksal. Darüber hinaus erfährt der Leser viel über die Erlebnisse und Eindrücke eines Pilgers auf dem Jakobsweg.

Uve Kirschs bemerkenswerter Roman ist im Juli 2017 bei Epubli erschienen. Die nächste öffentliche Lesung findet am Freitag, den 03.11.2017 um 19:30 Uhr im Haus des kreativ e.V, in Schönwalde/Dorf, Dorfstraße 7 statt. Die Autorenlesung wird von der Thalia-Buchhandlung Havelpark veranstaltet. Erwerben kann man den Jakobsweg-Roman während der Lesung, jederzeit bei Thalia im Havelpark oder über Amazon.

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