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Amtsausschuss Brieskow-Finkenheerd entscheidet sich nach reger Diskussion für Fortführung des Projektes

Oder
Fähre bleibt weiter im Blickfeld

© Foto: Jörg Kotterba
Hubertus Rößler / 21.10.2017, 06:53 Uhr
Aurith (MOZ) Das Projekt einer Fähre über die Oder zwischen Aurith und dem polnischen Urad soll weiter vorangetrieben werden. Darauf einigte sich der Amtsausschuss Brieskow-Finkenheerd nach einer langen Diskussion am Donnerstagabend.

Es war kurz vor 21.30 Uhr, als Ralf Theuer die Reißleine zog. Der Brieskow-Finkenheerder Gemeindevertreter bat als Mitglied des Amtsausschusses darum, die Diskussion um das Für und Wider einer Fähre in Aurith zu beenden - es sei alles gesagt worden. Und in der Tat hatten die Anwesenden zuvor ausgiebig und kontrovers über die Fortführung des Projektes diskutiert. Anlass war der angekündigte Rückzug der polnischen Seite in dieser Woche. Die Vertreter aus Cybinka hatten erklärt, als Lead-Partner zurückzutreten und stellten damit das gesamte Projekt in Frage. Der sogenannter Lead-Partner übernimmt die leitende Projektsteuerung und kümmert sich um die Vollständigkeit des Förderantrags - diese Rolle will nun das Amt Brieskow-Finkenheerd übernehmen.

Amtsdirektor Danny Busse, der das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt hatte, erklärte, warum er sich trotz der Querelen weiter um eine Realisierung bemüht: "Die polnische Seite hat sich nur noch beschränkt handlungsbereit gezeigt, was vor allem der politischen Situation im Land geschuldet ist. Man verlangt, dass wir die Folgekosten für die Unterhaltung der Fähre übernehmen. Daher stehen wir jetzt vor der Wahl: Entweder wir verfolgen das Projekt weiter, oder unsere jahrelangen Bemühungen waren umsonst." Es sei sehr wahrscheinlich, dass man einen privaten Betreiber für die Fähre finden werde. Als weiteren Pluspunkt nannte der Amtsdirektor, dass das Projekt von der Europäischen Union voraussichtlich zu 85 Prozent gefördert werde. Der Antrag dafür müsse bis kommenden März vorliegen.

Klaus-Dieter Köhler, Wiesenauer Bürgermeister und Vorsitzender des Amtsausschusses, plädierte ebenso für eine Fortsetzung des eingeschlagenen Weges. "Selbst wenn das mit der Fähre auf Dauer nicht klappen sollte, hätten wir endlich einen Anleger für Boote in Aurith, was für den Tourismus gut wäre. Klar ist natürlich auch, dass es für den Fährmann nur ein Nebengeschäft sein kann." Ähnlich äußerte sich Ziltendorfs Bürgermeister Danny Langhagel: "Viele Bootsführer machen zum Beispiel von der Marina Winterhafen in Frankfurt einen Ausflug auf der Oder und würden gerne einen Stopp in Aurith einlegen. Eine Fähre oder zumindest eine Anlegemöglichkeit würden den Tourismus in der Region sehr voranbringen - auch in Bezug auf den Fahrradverkehr."

Skeptisch zeigte sich hingegen Vogelsangs Bürgermeister Niels-Hagen Giesa: "Jeder Beteiligte weiß, dass die Sache defizitär wird. Unter anderem muss das Boot im Winter aus dem Wasser - dafür benötigen wir die entsprechende Technik und eine Unterstellmöglichkeit. Wir vertun mit dem Projekt nur Zeit, Mühe und Geld und sollten uns lieber auf das jährliche Deutsch-Polnische Sommerfest in Aurith konzentrieren." Danny Busse entgegnete: "Der Gedanke im Hintergrund beim Sommerfest war stets, dass irgendwann eine Fähre kommen wird. Als öffentliche Hand haben wir unseren Beitrag zu leisten, denn ohne unsere Unterstützung wird sich kein Betreiber finden. Ich appelliere daher, das Projekt weiterzuverfolgen und die Chance der 85-prozentigen Förderung nicht verstreichen zu lassen. Was bleibt denn als Risiko übrig? Wenn wir das jetzt nicht realisieren, dann müssen wir auch alle anderen touristischen Projekte in Frage stellen. Wir haben in unserem Amtsgebiet außer der Oder kein Alleinstellungsmerkmal wie zum Beispiel ein Kloster." Der Amtsdirektor führte auch das Beispiel des Treidelkahns in Groß Lindow an, der ebenfalls entgegen aller Skepsis unterstützt wurde und sich mittlerweile zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt habe. "Es kommen Busgruppen nach Groß Lindow und auch der örtliche Gastronom profitiert davon."

Frank Richter, Bürgermeister der Gemeinde Brieskow-Finkenheerd, ließ sich davon nicht überzeugen: "Eigentlich sind wir im Amtsausschuss schon vor längerem übereingekommen, dass wir die Fähre nicht wollen. Für mich ist die Frage, was ist mit den Nebenkosten? Wir sollten nur Geld ausgeben, das wir auch haben. Und dieses Projekt ist keine Pflichtaufgabe."

Mit neun Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen beschlossen die Mitglieder des Amtsausschusses schließlich die Errichtung der Oder-Fähre weiter voranzutreiben. Wann und ob überhaupt das grenzüberschreitende Projekt realisiert wird, entscheidet sich frühestens im kommenden Frühjahr.

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