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91 Millionen Euro für 1700 neue Erzieher

Hilfe für Kitas mit langen Betreuungszeiten

Viele Kitas orientieren sich noch am klassischen Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr. Dabei haben viele Mütter und Väter erst viel später Feierabend.
Viele Kitas orientieren sich noch am klassischen Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr. Dabei haben viele Mütter und Väter erst viel später Feierabend. © Foto: ZB/Jens Wolf
Ulrich Thiessen / 22.11.2017, 06:45 Uhr - Aktualisiert 22.11.2017, 08:19
Potsdam (MOZ) Ab Herbst 2018 sollen die Elternbeiträge für das letzte Kita-Jahr fallen. Gleichzeitig wird über eine Verbesserung der Betreuung in den Kindereinrichtungen diskutiert. Zwei Modelle stehen sich dabei gegenüber.

Das Land Brandenburg zahlt zurzeit für die Betreuung in Krippen und Kindergärten die Kosten für 7,5 Betreuungsstunden. In der Realität bleiben viele Kinder aber wesentlich länger in den Einrichtungen. Der "Expertendialog Kita Brandenburg", dem Landtagsabgeordnete, Wohlfahrtsverbände, Landkreistag und Städte- und Gemeindebund angehören, schreibt in einem Zwischenbericht, dass die Kitas gezwungen sind, das vorhandene Personal über den Tag zu verteilen. Das führt jedoch dazu, dass die eigentlich geplanten Betreuungsschlüssel nicht eingehalten werden können.

Im Krippenbereich stieg der Anteil derjenigen Kinder, die länger als acht Stunden betreut werden, von 60 Prozent im Jahr 2001 auf 70 Prozent 2016. Bei den Drei- bis Sechsjährigen stieg der Anteil im selben Zeitraum von 59 Prozent auf 68 Prozent. Allerdings gibt es starke regionale Unterschiede.

In Potsdam werden 77 Prozent der Kinder länger als acht Stunden in Krippe und Kindergarten betreut. In Regionen mit hoher Arbeitslosenrate ist der Anteil niedriger. Eltern ohne Arbeit können in der Regel nur die Mindestbetreuungszeit von sechs Stunden täglich in Anspruch nehmen. In der Uckermark, mit der höchsten Arbeitslosenquote des Landes, werden 53 Prozent der Krippenkinder und 51 Prozent der älteren Kita-Kinder länger als acht Stunden betreut.

Die Koalitionspartei von SPD und Linker haben sich dafür ausgesprochen, die Kosten für mehr als acht Stunden Betreuungszeit zu übernehmen. Kristy Augustin (CDU) unterstützt dies. Es gehe darum, Eltern zu unterstützen, die längere Pendlerstrecken zur Arbeit auf sich nehmen, sagt die Politikerin aus dem Oderbruch. Marie-Luise von Halem (Grüne) sieht in einer Ausweitung der ausfinanzierten Betreuungszeiten eine gerechtere Lösung, weil gerade die Kindergärten profitieren, die längere Öffnungszeiten vorhalten müssen.

Im Zwischenbericht des Expertendialoges sind auch schon einmal die Kosten hochgerechnet worden: 91,3 Millionen Euro müsste das Land jährlich dafür aufbringen. 1700 Erzieher müssten dafür zusätzlich eingestellt werden, um den jetzt geltenden Betreuungsschlüssel auch bei verlängerten Öffnungszeiten gewährleisten zu können. Da so viel Personal nicht auf einen Schlag verfügbar wäre, empfiehlt der Zwischenbericht, in einem ersten Schritt mit den Krippen zu beginnen.

Es gäbe allerdings auch die Möglichkeit, den Betreuungsschlüssel Schritt für Schritt zu verbessern. Zurzeit kommt im Krippenbereich eine Stelle auf fünf Kinder. Empfohlen wird, dies bis 2022 auf ein Verhältnis von 1 zu 3 zu verbessern. Analog für den Kindergarten von jetzt 1 zu 11 auf 1 zu 7,5. Das würde dann jährliche Mehrkosten von 440 Millionen Euro ausmachen. Zum Vergleich: Aktuell zahlt das Land insgesamt 366 Millionen Euro an Kitazuschüssen. Für die idealen Betreuungsschlüssel müssten dann ganze 8000 Erzieherinnen und Erzieher neu eingestellt werden. (Mit Adleraugen)

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