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Beseitigung der Sturmschäden im Görlsdorfer Park dauert noch Monate / Überraschende Spendenbereitschaft von Besuchern

Hilfsbereitschaft
Baumpaten für Lennépark gesucht

Daniela Windolff / 26.11.2017, 06:09 Uhr - Aktualisiert 26.11.2017, 13:10
Görlsdorf (MOZ) Das große Aufräumen nach den Verwüstungen, die der Oktobersturm Xavier im Görlsdorfer Lenné-Park anrichtete, wird noch Wochen und Monate dauern und hat die Gestaltungspläne des Fördervereins für das historische Areal ein großes Stück zurückgeworfen. Noch immer sind Teile des Parks gesperrt.

"Betreten verboten. Lebensgefahr!", stoppt ein Schild Spaziergänger im Görlsdorfer Lenné-Park. Das Brummen von Motorsägen zerschneidet die Stille. Entwurzelte Bäume und wie Streichhölzer abgebrochene und zersplitterte Stämme bieten einen gespenstischen Anblick völliger Verwüstung, auch noch Wochen nach dem verheerenden Oktobersturm Xavier. Mindestens 500 Festmeter Holz seien dabei umgebrochen, schätzte der ehemalige Görlsdorfer Förster Karl-Heinz Böhmer. Zahlreiche Pappeln, Linden und Nadelbäume sind dem Sturm zum Opfer gefallen, aber auch mindestens zehn große alte Bäume, die aus der Gründungszeit des Parks um 1830 stammen und den Kern des historischen Lenné-Parks prägten. Vor allem im hinteren Teil des Parks, am Aussichtspavillon und am Rundweg zum Gestüt herrscht Chaos.

Gerhard Schwanebeck, langjähriger Vorsitzender des Vereins Freunde des Görlsdorfer Lenné-Parks, ist noch immer entsetzt über die Wucht der Naturgewalt, die dicke Baumstämme regelrecht in der Mitte auseinanderfetzte. Jahre mühsamer Arbeit des Vereins, der aus einem verwilderten Wald hinter der alten Schlossruine wieder einen Park nach Lennéschem Vorbild gestalten will, wurden binnen weniger Minuten zunichte gemacht.

"Solch einen Sturm habe ich hier noch nie erlebt", erzählt Gerhard Schwanebeck noch immer entsetzt, der mit dem Park aufgewachsen ist und schon als Kind hier gern herumstromerte. Er kennt buchstäblich jeden Baum und ist mit dem Park verwurzelt.

Die Faszination für diesen fast magischen Ort, wo sich Natur, Kultur und Geschichte verweben, treibt Gerhard Schwanebeck seit vielen Jahren an, das natur- und kulturhistorische Kleinod in Görlsdorf zu retten, ihm wieder seine alte Handschrift des berühmten Landschaftsgestalters Joseph Peter Lenné zurückzugeben und zu erhalten. Und er hat dafür viele engagierte Mitstreiter und Unterstützer gefunden. Nicht nur im Förderverein, den er 2003 mit gründete, sondern auch durch begeisterte Besucher. So kommt regelmäßig eine Reisegruppe aus Hamburg nach Görlsdorf, die sich für Lennés Gärten interessieren. Als sie vor Kurzem wieder ihren Herbstspaziergang durch den Görlsdorfer Park planten, waren sie von den Sturmschäden so entsetzt, dass sie spontan 220 Euro spendeten, um davon eine Linde für den Park kaufen zu können. Denn nach dem Aufräumen will der Verein aufforsten und sein Konzept der Umgestaltung des Parks nach den Prinzipien des berühmten Landschaftsarchitekten Lenné fortführen. Für Gerhard Schwanebeck wird der neue Baum die "Hamburger Linde" sein.

Und das ist nicht der einzige Baum, der aus Spendengeldern nachgepflanzt wurde und seine ganz eigene Geschichte hat. Die Angermünder Familie Wittek kaufte bereits vier Bäume, darunter eine Blutbuche, eine Ulme und eine Eiche im Gesamtwert für über 500 Euro, um damit sich selbst, der Familie und dem Park ein Geschenk zu machen, das bleibt. Sie sind leidenschaftliche Parkbesucher, die hier ihren Rückzugsort für Ruhe und Besinnung gefunden haben und sich mit ihren Bäumen Orte der Erinnerung schaffen. Marikka und Andreas Wittek hat neben der Unterstützung des Vereins auch eine private Motivation: "Wir wollten einen etwas anderen bleibenden Ort erschaffen, an dem sich unsere Kinder und Enkel an uns erinnern können." Auch die Angermünder Familie Böwe spendete Geld für Baumpflanzungen.

Gerhard Schwanebeck ist gerührt und dankbar für solche Initiativen. Nach und nach muss der Verein die Sturmverluste nachpflanzen und den alten Baumbestand verjüngen. Die Mittel in der Vereinskasse sind begrenzt. "Wir freuen uns besonders, wenn wir so schöne private Unterstützung bekommen und wir hoffen auf viele weitere Baumpaten", freut sich Gerhard Schwanebeck.

Die neuen Bäume werden in Abstimmung mit dem Denkmalschutz und der Unteren Naturschutzbehörde sorgsam ausgewählt und sind bereits etwas größere Qualitäts-Baumschulware, die deshalb nicht ganz billig sind. Auf Wunsch können auch Schilder für die Sponsoren angebracht werden.

Aber auch über tatkräftige Helfer zum Aufräumen freut sich der Verein immer. Die vier MAE-Kräfte der MAQT, die für die Parkpflege eingesetzt sind, sind derzeit dabei, erst einmal die Hauptwege wieder frei zu machen und Bruchholz aufzustapeln. Bei vielen Bäumen müssen jedoch Fachleute herangezogen werden.

"Wir haben nun Holz für Osterfeuer, das viele Jahre reichen wird", schmunzelt Gerhard Schwanebeck. Auch Leute aus dem Dorf können sich mit Brennholz versorgen.

Der Verein plant gemeinsame Arbeitseinsätze, um den Park für die beliebte traditionelle Wanderung zum Jahresende mit Führung, Lagerfeuer und Glühwein wieder begehbar zu machen. In diesem Jahr soll sie bereits am 2. Weihnachtsfeiertag stattfinden und nicht nur die Freunde des Lennéparks zusammenbringen, sondern auch alle Helfer und Sponsoren und die, die es noch werden wollen.

Kontakt: Verein der Freunde des Görlsdorfer Lennéparks, Telefon:033334 297.

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