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Besonderer Hengst
Es ist ein Ross entsprungen

In voller Pracht: Capricho hat ein wunderbar glänzendes Fell.
In voller Pracht: Capricho hat ein wunderbar glänzendes Fell. © Foto: privat
Silvia Passow / 10.12.2017, 06:43 Uhr
Priort (MOZ) Im kleinen, beschaulichen Priort bringt noch der Weihnachtsmann die Geschenke. Der eigentliche Star ist aber nicht der bärtige Mann im roten Mantel.

Capricho hat ein wunderbar glänzendes Fell, wie seidig gewordene Perlen in leichten Goldschimmer getaucht. Sein spanischer Name heißt übersetzt so viel wie, eine Laune der Natur. Die Natur hatte offensichtlich gute Laune, als sie dieses edle Pferd schuf.

Wer im Moment durch die Straßen Berlins fährt oder an der Theaterkasse nach einem Geschenk für die Liebsten sucht, kommt an Capricho gar nicht vorbei. Der Hengst mit den warmen dunklen Augen ziert die Plakate und Prospekte der diesjährigen Apassionata Europa-Tour. Sein Besitzer, Frank Zander aus Priort, passionierter Reiter, mit Leidenschaft für die ländliche Lebensweise und einmal im Jahr auch Weihnachtsmann.

Zander hatte sich gleich mit drei Pferden bei der europaweiten Ausschreibung für die Werbeplakate beworben. Mit zwei Pferden wurde er zum Fotoshooting geladen, gewonnen hat dann Capricho. Hierfür gab nicht nur die ungewöhnliche Farbe seines Fells, Perla, den Ausschlag. Auch das Gemüt des Pferdes sprach für seinen Sieg.

Zander erzählt, wie locker das Pferd in der ungewohnten Umgebung, mit viel Licht und dem ihn unbekannten Menschen blieb. So entspannt, dass der Hengst mehrfach während der Aufnahmepausen einschlief. Den Fotos schadete der Schlafzimmerblick jedenfalls nicht.

Im wirklichen Leben steht Capricho mit seinen Pferdefreunden ganzjährig auf der Weide. Zander besitzt gleich mehrere Pferde, alles spanische Hengste, Andalusier. So eine Boygroup unter Hengsten ist eher ungewöhnlich, erzählt er. Die meisten Pferdebesitzer trennen den Hengst vom Rest der Gruppe. Zander hält das anders und hat bisher nur beste Erfahrungen gemacht. Allerdings, erklärt er, geht das nicht von jetzt auf gleich. Die Jungpferde brauchen zur Eingewöhnung viel Aufmerksamkeit und müssen erst langsam mit dem Rest der Gruppe Bekanntschaft schließen.

Zander ist bekennender Pferdenarr. Zusammen mit Lisa Schuchert hat er im Oktober einen Verein gegründet. Caballos Majestics, Verein zur Förderung der spanischen Reitkunst-Havelland.

"Die spanische Reitweise unterscheidet sich deutlich von der hierzulande üblichen", erklärt Lisa Schuchert. Der Stil in dem geritten wird, der Sattel und ja, natürlich auch die Pferde. Die stammen alle aus Spanien. Es ist ihr Körperbau, der die beiden Pferdefreunde fasziniert und die Art, wie sich das Pferd selbst präsentiert. Man könnte wohl sagen, Stolz wie ein Spanier. "Für diese Art des Reitens, der darin liegenden Eleganz, sind nur Hengste geeignet", erklärt Zander die rein männliche Belegung auf seiner Weide. Selbst ein Wallach bringt nicht mehr die notwendigen Voraussetzungen mit.

Die Gründung des Vereins soll eine Plattform für Pferdeliebhaber des spanischen Stils werden. Sie soll dem Erfahrungsaustausch dienen, Reiter für die spanische Reitweise begeistern und diese in Brandenburg etablieren. Der Verein hat zwei Reitlehrer. Zander und Schuchert wollen Schnupperkurse fürs Reiten anbieten - per Einzelunterricht. Und den Bezug zu den Tieren herstellen und stärken.

"Ein Pferd ist ein Partner und kein Sportgerät," fasst Schuchert das zusammen. Im Verein geht es weniger um Pokale und Turniere, es geht um Spaß und Freude mit Pferden.

Zander und Schuchert würden gern geführte Wanderungen zu Pferd anbieten. Derzeit, so berichten sie, ist dies von Priort aus, schlecht möglich. Rund fünf Kilometer Straße müssen bewältigt werden, bevor freies Land zum reiten erreicht werden kann. Und so wünscht sich der Teilzeitweihnachtsmann Zander auch etwas. Einen bereitbaren, von Priort aus erreichbaren Zugang, zur Döberitzer Heide, die Freigabe mehr öffentlicher Wege für Reiter.

Und die Bereitstellung von Brachflächen als Weideland, zur Pacht oder zum Kauf. Sein größter Traum: Ein Reitplatz um auch im Winter die Kinder,-und Jugendarbeit fortführen zu können. Und so hat auch der Weihnachtsmann einen Wunschzettel. Ganz nebenbei merkt er an, dass seine Wünsche doch sicherlich den Reittourismus in der Region bereichern würden.

Auch in diesem Jahr wird Zander als Weihnachtsmann nach dem Gottesdienst vor der Priorter Dorfkirche die Geschenke verteilen. Capricho wird natürlich dabei sein. Ein Hauch von Märchen und Nostalgie wird sich über die ländliche Idylle legen. Die Kinder werden mit großen, leuchtenden Augen den Weihnachtsmann und sein Pferd bestaunen. Sie werden es streicheln, die eine oder andere Möhre wird verfüttert. Geht alles, nur eines erlaubt der Weihnachtsmann nicht. "Am Bart ziehen."

Er zwinkert verschwörerisch. "Dann geht der nämlich ab." Die meisten Kinder haben jedoch ordentlich Respekt vor dem Weihnachtsmann, weiß Zander. Das gilt auch für die Erwachsenen. Wenn der Weihnachtsmann sie zum singen auffordert, kommen sie dem auch nach. Und wenn sich die Stimmen der Singenden mit dem Duft von Plätzchen vermischen, Kinderaugen leuchten und Capricho an der Möhre kaut, dann ist Weihnachten in Priort.

Kontakt zum Verein oder dem Priorter Weihnachtsmann: www.caballos-majestics.de.

Der Verein weist ausdrücklich darauf hin, dass er keine Unterstellmöglichkeiten für Pferde anbietet.

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