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"Ohrenweide"
Homage an zwei Komponisten

Stimme voller Klangfarbe: Liri Doll sang Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und George Gershwin. Der Kirchenmusiker Robert Bauer begleitete die Sopranistin am Piano.
Stimme voller Klangfarbe: Liri Doll sang Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und George Gershwin. Der Kirchenmusiker Robert Bauer begleitete die Sopranistin am Piano. © Foto: Inez Bandoly/OGA
Inez Bandoly / 11.12.2017, 06:30 Uhr
Eichstädt (OGA) Zum letzten Konzert des Jahres der Reihe "Ohrenweide" hatte der Förderverein der Kultur- und Kinderkirche (Kuki) zum Wochenausklang in das Gotteshaus nach Eichstädt eingeladen. Es war ein besonderer Liederabend sowohl für die Sopranistin Liri Doll, die zum ersten Mal in dieser Kirche auftrat, als auch für die zwei Dutzend Menschen, die die mit großartiger Stimme vorgetragenen Werke von George Gershwin und Felix Mendelssohn-Bartholdy hörten. Die Sängerin wurde dabei von Robert Bauer aus Vehlefanz am Piano begleitet. Der Kirchenmusiker klärte dabei zwischen den Liedern über zwei so unterschiedliche Komponisten auf, die eines eint, dass sie von Herkunft und Bekenntnis jüdischen Glaubens waren.

Liri Doll, in Israel geboren und aufgewachsen, studierte in Tel Aviv Operngesang. Zuvor absolvierte sie von 2003 bis 2012 Gesangsausbildungen, Meisterkurse und nahm an Gesangswettbewerben teil. In den Folgejahren erhielt sie Stipendien der Musikakademie Tel Aviv sowie der America-Israel Cultural Foundation (AICF). In ihren ersten Opernrollen debütierte sie 2012 in Don Giovanni von Mozart als Donna Anna und in Hänsel und Gretel von Humperdinck als Gertrud. Es folgten in den Jahren Oratorien und Konzerte als Sopran-Solistin. Liri Doll lebt mit ihrem Mann Moritz in Stuttgart.

Am Freitag betrat die Solistin nun erstmals den Altarraum in dem Eichstädter Gotteshaus. Klassisch, ohne Zwischentöne gekleidet, stand sie im weißen Rock und schwarzer Bluse vor den Menschen und überraschte diese mit ihrer schönen Stimme voller Klangfarben.  "Sie füllt den Raum von Pianissimo bis forte", schwärmte Matthias Holland vom Förderverein Kuki. Liri Doll und Robert Bauer eröffneten den Abend mit "Auf den Flügeln des Gesangs", ein Stück bestimmt von der Vision Felix Mendelssohn-Bartholdys. Von Letzteren folgten im ersten Teil des Liederabends weitere Werke, die er um 1830/ 40 komponierte. Der Musiker entstammte einer angesehenen und wohlhabenden bürgerlichen jüdischen Familie, väterlicherseits war er ein Enkel des bedeutenden Philosophen Moses Mendelssohn.

Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy, 1809 in Hamburg geboren, gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Liri Doll verzauberte die Zuhörer unter anderem mit Werken des Musikers wie dem "Venezianischen Gondellied", brillierte mit dem etwas unheimlichen Lied "Das Waldschloss" und präsentierte, obwohl FreFeliitag, das "Sonntagslied".

Im zweiten Teil des Abends widmeten sich Liri Doll und ihr musikalischer Begleiter dem 1898 in Brooklyn als Kind der russisch-jüdischen Immigranten Rose und Morris Gershovitz geborenen George Gershwin. Er gilt als der Protagonist des Symphonic-Jazz mit Werken, in denen er in nie dagewesener Weise die afroamerikanische mit der zeitgenössischen symphonischen Kultur und somit auch der Oper verband und völlig neue Welten eröffnete.

Gershwin komponierte sowohl Stücke für den Broadway als auch klassische Konzerte. Zu den meisten schrieb sein Bruder Ira die Texte. Davon bekamen die Besucher des Konzertes einige Stücke zu hören. "Diese beiden Komponisten sind musikalisch gesehen nicht so weit entfernt", erklärte der Pianist. Mendelssohn und Gershwin trenne nur der Atlantik und 100 Jahre. Musikalisch sei Gershwin nichts anderes als die Tradition der Wiener Operettenmusik entsprungen, bei der in Amerika Einflüsse des frühen Jazz mit einspielten. "Summertime" ist eines der bekanntesten Werke Gershwins.

Mit diesem Lied, von Liri Doll in beeindruckender Inszenierung vorgetragen, endete der Liederabend an einem kalten Winterabend im kleinen Gotteshaus, in dem Menschen nicht nur musikalisch, sondern auch vom Event-Team des Fördervereins kulinarisch verwöhnt wurden.

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