Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zoll erwartet mehr illegales Feuerwerk / Kontrollen laufen auf Hochtouren

Bis was kaputtgeht

Christopher Braemer / 17.12.2017, 14:00 Uhr - Aktualisiert 17.12.2017, 14:22
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit Jahren steigt die Menge von sichergestelltem illegalen Feuerwerk entlang der Grenze zu Polen. In diesem Jahr wird sie voraussichtlich erneut wachsen, wie man beim Hauptzollamt Frankfurt (Oder) vermutet.

Zwei Wochen verbleiben noch bis Silvester. Doch beim Hauptzollamt Frankfurt (Oder) stapeln sich schon jetzt die sichergestellten Böller. Erst am Montag gelang den Beamten ein richtig dicker Fang: Auf der Autobahn 15 im Süden Brandenburgs fuhr ein Kleintransporter 2,5 Tonnen unerlaubtes Knallzeug in Kartons verpackt durch die Gegend. Der Wagen mit niederländischem Kennzeichen war in Richtung Berlin unterwegs. In der Nacht zu Mittwoch folgte schon der nächste große Coup. Ein junger Mann war in einem Kleintransporter mit polnischem Kennzeichen auf der A20 nahe Schwedt (Uckermark) unterwegs. Im Gepäck: eine Tonne sogenannter Polenböller. Die Silvesterknaller hätten nicht die in Deutschland erforderlichen Prüfzeichen gehabt, sagt Astrid Pinz, Sprecherin des Hauptzollamtes Frankfurt. Gegen den Fahrer des Wagens wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet. Die Schmuggelware wird vernichtet.

"Die Tendenz ist von Jahr zu Jahr steigend", sagt Sprecherin Pinz. Man finde immer mehr, ohne dass mehr kontrolliert werde. Allein im vergangenen Jahr kamen in der Grenzregion zu Polen 9,5 Tonnen Pyrotechnik aus dem Ausland ohne die erforderlichen Kennzeichnungen zusammen. Unter den Funden ist laut Pinz immer wieder sehr großes Feuerwerk, das zum Beispiel für Stadtfeste verwendet wird und eigentlich nur von geschulten Pyrotechnikern gezündet werden darf.

Illegale Pyrotechnik ist in Deutschland beliebt - vor allem deshalb, weil in Polen verkaufte Böller besonders laut knallen. Sie enthalten mehr als die hierzulande maximal erlaubten sechs Gramm Schwarzpulver pro Stück und zudem noch andere Sprengstoffe. Auch die Grenze für einzelne Raketen, die in Deutschland bei 20 Gramm Pyrotechnik liegt, ist im Nachbarland höher.

Experten warnen jedes Jahr vor den verheerenden Folgen, die das Zünden von illegalem Feuerwerk haben kann. "120 Gramm reichen, um eine Waschmaschine in die Luft zu jagen - 400 Gramm für einen Kleinwagen", weiß Sven Brenner, Leiter des Hauptzollamtes Frankfurt. Für die Hand eines Jugendlichen brauche es nur ein paar Gramm. "Man kann nur an den gesunden Menschenverstand appellieren."

Um den Schwarzhandel einzudämmen, kontrolliert der Zoll dieser Tage auf Hochtouren. "Wir finden jeden Tag was", sagt Brenner. Seit September hat sein Team, das 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche auf der Straße steht, bereits 445 Schmuggler mit Polenböllern im Gepäck in der Grenzregion aus dem Verkehr gezogen. Darunter waren sechs Kleintransporter-Fahrer, die jeweils mehr als eine Tonne dabei hatten. Die Beamten hätten illegales Feuerwerk auch schon auf dem Rücksitz neben Kindern gefunden, während die Eltern beim Fahren geraucht haben, berichtet der Zoll-Chef. Bei den Kontrollen käme es oft zu Fahrerflucht, sagt der 38-Jährige. Immerhin würden den Schmugglern Geldstrafen bis zu 50 000 Euro drohen.

Verkauf an drei Tagen:


■ In Deutschland erfolgt der Verkauf von Feuerwerkskörpern in diesem Jahr vom 28. bis 30. Dezember.
■ Das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk ist grundsätzlich nur am 31. Dezember und 1. Januar erlaubt, allerdings nicht in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altenheimen, Reet- und Fachwerkhäusern sowie Tankstellen.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG