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Ute Kuck ist seit zehn Jahren MOZ-Zustellerin, hat immer noch Freude an der Arbeit und sagt "Das ist mein Frühsport."

Zusteller
Mit der Zeitung durch die Nacht

Rein mit der Zeitung: Manchmal sei es ein ganz schönes Gewribbel, die Zeitung in den Briefkasten zu stecken, sagt Zustellerin Ute Kuck. Angst hat sie bei der nächtlichen Arbeit nicht, auch nicht vor Hunden.
Rein mit der Zeitung: Manchmal sei es ein ganz schönes Gewribbel, die Zeitung in den Briefkasten zu stecken, sagt Zustellerin Ute Kuck. Angst hat sie bei der nächtlichen Arbeit nicht, auch nicht vor Hunden. © Foto: MOZ/Josefin Roggenbuck
Josefin Roggenbuck / 10.02.2018, 06:00 Uhr
Dobberzin (MOZ) Während andere noch wohlig warm im Bett liegen, fährt Ute Kuck durch die Nacht. Die 65-Jährige wirft ihre Märkischen Oderzeitungen in die Briefkästen. Huckelpisten, Routine und Hunde sind dabei ihre nächtlichen Begleiter. Ich verbrachte eine Arbeitsnacht mit der Zustellerin.

Zügig und mit einem kräftigen Ruck öffnet sie die Tür ihres kleinen Autos. Schnell steigt sie aus, läuft zum Briefkasten. Die Autotür bleibt offen, keine Zeit, sie zu schließen. MOZ-Zustellerin Ute Kuck ist seit zehn Jahren jeden Morgen unterwegs. Um vier Uhr beginnt sie ihre Tour durch Dobberzin, Henriettenhof und Neuhof. Nach all den Jahren hat Ute Kuck die Route verinnerlicht, muss nur noch selten auf die Liste mit Straßennamen, Hausnummern und zugehörigen Abonnenten schauen. "Das hat sich eingespielt", sagt sie und sitzt schon wieder hinter dem Steuer.

Während der Arbeit trägt sie blaue Gummihandschuhe. Nicht gegen die Kälte, sondern weil die 65-Jährige die Druckerschwärze nicht so gut an den Händen verträgt. Weiter geht es die Dobberziner Dorfstraße hinunter - keine Zeit verlieren, der nächste Briefkasten ist schon in Sichtweite. Bis sechs Uhr müssen die 75 Zeitungen verteilt sein. "Das ist mein Frühsport", sagt die Zustellerin. Zügig steckt sie die Zeitung in den Briefkasten, der Motor ihres Autos läuft weiter. Sie kommt zurück, steigt ein und fährt los. Schlagloch an Schlagloch reihen sich aneinander auf der nun vor ihr liegenden Huckelpiste. Sie versucht auszuweichen, in der Dunkelheit den nächsten Briefkasten zu erkennen. Diesmal ist es etwas schwieriger. Hinter einer Hecke versteckt er sich.

Nur eine kleine Lampe am Haus leuchtet der Zustellerin den Weg. "Eine Taschenlampe habe ich immer dabei", sagt sie. Dennoch seien fehlende Namen an Briefkästen, die noch dazu versteckt angebracht sind oder schlechte Beleuchtung Hindernisse auf ihrer Tour. "Manchmal ist das auch ein ganz schönes Gewribbel", erzählt die Zustellerin, während sie versucht, die längs gefaltete Zeitung in den Briefkasten zu stecken.

Doch auch davon lässt sich die kleine, quirlige Frau nicht unterkriegen. Sie liebt die Arbeit in der Nacht. Wenn alle schlafen, könne ihr wenigstens niemand auf die Nerven gehen, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Angst habe sie nicht so allein in der Dunkelheit. Auch der Hund, der am nächsten Gartenzaun auf sie wartet, kann ihr den Spaß am frühen Morgen nicht nehmen. Der Mischling knurrt zwar, doch als er Ute Kuck wahrnimmt, beruhigt er sich wieder. Es scheint, als hätte er sich an den Besuch im Morgengrauen gewöhnt.

Immer weiter schrumpft der Zeitungsstapel auf dem Amaturenbrett. Dann greift Ute Kuck in den Eimer, wo noch mehr Exemplare lagern.

Die mit einer Plastikstrippe zusammengehaltenen Bündel öffnet sie, der Stapel wächst wieder. Schon vor dem Aufstehen sei ihr die geballte Ladung nach Hause geliefert worden. Bevor es mit der Tour dann losging, sortierte sie die Bündel. Nach Ort und Straße.

"Das ist eine logistische Aufgabe. Denn je weniger ich nachher doppelt fahren muss, desto besser", sagt die Zustellerin und greift wieder in den Eimer, um das letzte Paket für diesen Morgen herauszunehmen.

"Wir liegen gut in der Zeit", sagt sie mit Blick auf die Uhr. Dennoch seien die Touren nicht immer so entspannt. "Wenn ich meine gewohnte Strecke mache, ist alles in Ordnung." Nur bei einer Vertretung könne es auch mal etwas hektischer werden. "Die Routen kennt man nicht so gut wie die Stammtour. Da muss man öfter auf den Verteilerplan schauen." Das kostet Zeit.

Bis zur Rente will Ute Kuck den Job noch machen. Dann müsse man mal sehen. Zeitungen zuzustellen sei eben kein Verdienst, von dem man leben könne. Deswegen geht es für die Dobberzinerin nach ihrer Schicht auch noch ins Büro. Dort bewältigt die gelernte Verkäuferin Papierkram.

Vorher setzt sie aber noch zum Schlussspurt ihrer Nachtschicht an. In der Straße, die zu ihrem Haus führt, verteilt Ute Kuck die letzten Exemplare. Eines ist noch übrig, als sie zu Hause ankommt. "Das ist meine", sagt die Zustellerin. Die nehme sie mit hinein - beim Frühstück und einer warmen Tasse Kaffee werde sie "ihr Exemplar" dann lesen.

MOZ-Zustellung


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■ Die Zusteller und Zustellerinnen sind mit dem Fahrrad und dem Auto unterwegs - von Angermünde im Süden der Uckermark bis nach Neurochlitz im Norden, von Schwedt im Osten bis Wilmersdorf im Westen.
■ Das Durchschnittsalter der Zusteller und Zustellerinnen liegt zwischen 50 und 55 Jahren.

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