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Ökodorfverein erstellt Konzept zur Besucherlenkung / Wanderrouten und Kurzpfade lassen Gäste die Region erkunden

Wandern
Sechs Wege führen durch Brodowin

Detailabsprache zur Wegeführung: Dem Konzept "Wandern in und um Brodowin" ist ein einjähriger und intensiver Erfahrungsaustausch vorausgegangen.
Detailabsprache zur Wegeführung: Dem Konzept "Wandern in und um Brodowin" ist ein einjähriger und intensiver Erfahrungsaustausch vorausgegangen. © Foto: Gewerk Design
Julia Lehmann / 10.02.2018, 06:45 Uhr
Brodowin (MOZ) Kuhweiden und klare Seen - so blicken die Brodowiner auf ihr Zuhause. Für Besucher jedoch bleiben die vielen lauschigen Ecken zu sehr im Verborgenen. Der Ökodorfverein Brodowin hat deshalb ein Besucherleit- und Wanderwegesystem mit Infopunkten in der Planung. Das Konzept steht.

Eins zu eins umsetzen, was das 21-seitige Konzept darlegt, sagt Susanne Winter, das müsse gar nicht sein. Die erste Vorsitzende des Vereins Ökodorf Brodowin will sich und den anderen Mitgliedern die Freiheit lassen, die Dinge vor Ort erst wirken zu lassen, sie neu zu bewerten. Gemeinsam mit der Berliner Gestaltungsfirma Gewerkdesign ist ein Konzept mit dem Titel "Wandern rund um Brodowin" entstanden. Das Ergebnis eines einjährigen Gedankenaustausches. Eine zentrale Rolle bei der Lenkung von Naturtouristen spielen Findlinge. Die rundlichen Steine sollen vielfältig und in unterschiedlichen Größen auf drei Wanderrundwegen und drei Kurzpfaden eingesetzt werden, die zum Teil schon existieren. Drei Wanderwege, drei Pfade, Steine für die optische Harmonie mit der Natur - so die Grundidee.

Die drei längeren Wanderwege verlaufen zum einen um den Brodowiner See herum (Kossäten/Karpaten-Tour). Die Brodowin-Tour führt über Pehlitz um den Wesensee und auf einer dritten Tour wird das Plagefenn umkreist. Mit fünf bis neun Kilometern Länge sind diese Strecken gut geeignet für Tagesausflügler. Wegweiser und Infotafeln sollen Wanderern Wissen über die Region vermitteln und Akzeptanz von Schutz- und Landschaftspflege erzeugen. Die Wege tangieren auch sensible Gebiete wie Feuchtbiotope. Sie sollen erlebbar und gleichzeitig geschützt werden. Allerdings soll aus den Wegweisern kein Schilderwald werden, daher wird auf natürliches Material wie Findlinge zurückgegriffen. Um diese nicht von weit her transportieren zu müssen, werden lokale Landwirte miteinbezogen. Bei den Arbeiten auf den Feldern tauchen die Erben der Eiszeit immer wieder auf und werden häufig an den Feldrand gelegt. Dieses Erbe der Eiszeit werde die Besucher lenken, erzählt Susanne Winter. Zudem sollen Farben sparsam und in naturnahen Tönen verwendet werden.

Empfangen werden die Besucher zunächst durch Willkommenspunkte am Anger in Brodowin, an der Buswendeschleife Brodowin-Ziegenberg, am kleinen Rummelsberg und im Brodowiner Ortsteil Pehlitz. An vier bis fünf großen und kleinen Findlingen werden dort die Routen vorgestellt und ein kleiner Wander-Knigge zu finden sein. Wo es sich anbietet, treffen Gäste auf Infopunkte, bestehend aus Findlingen, die auf Metallplatten festgehaltene Informationen zu verschiedenen Themengebieten geben. Wegweiser aus kleinen übereinandergestapelten Steinen helfen Besuchern dabei, auf dem Weg zu bleiben.

Einer der Kurzpfade stellt eine Besonderheit dar. Er integriert den Demeter-Hof Schwalbennest. Auf dem "Natur- und Kulturpfad" mit zwölf Themenstationen können Besucher etwas über die ökologische Landwirtschaft sowie den kleinen Ort Pehlitz erfahren. Gegenüber der Ökodorf Brodowin Landwirtschaftsbetrieb GmbH & CoKG führt ein Stichpfad zwischen den Kuhweiden entlang. Dort warten Infos über Kuhhaltung, während man am Ende den Ausblick auf die Prottenlanke und den Parsteiner See genießt. Ein zweiter Pfad endet ebenfalls mit einem schönen weiten Blick in die Landschaft und auf den Parsteiner See und hat den Namen Bellevue bekommen. Am Ufer des Gotteswerder, hinter der Badestelle, soll es zudem einen etwas versteckten Entdecker-Pfad geben.

"Da die Region viele Besucher hat, stellten wir uns schon lange die Frage, wie wir diese besser lenken können", sagt Susanne Winter. Den Besucher lenken. Das bedeutet vor allem, Gästen ein Angebot zu unterbreiten, sie ausgewählte Wege gehen zu lassen. Durch die Vermittlung von Wissen wird also Beschilderung mit Umweltbildung verknüpft.

Die Ideen zu den Wegen wurden an zwei Infoabenden mit den Gemeindevertretern und vielen Bürger besprochen, berichtet Susanne Winter. Viele der genutzten Wege gehören zum Gemeindegebiet. Eine enge Absprache sei deshalb unablässig gewesen, so Winter. Aber natürlich sei die Meinung der Einwohner breit gefächert, von Befürwortern bis Skeptikern. Auch der Tourismusverband sowie das Biosphären-Reservat Schorfheide-Chorin sitzen mit im Boot. Die Wege berühren auch Schutzgebiete der Natura 2000.

Laut Zeitplan wird jeder Findling bereits in den nächsten Wochen am richtigen Platz liegen. Und nach den Sommerferien soll das Wandersystem gestartet werden. "Plan und Realität klaffen ja manchmal auseinander", so Susanne Winter. Trotzdem: Der Sommer ist das erklärte Ziel. Möglich macht das alles eine Fördersumme in Höhe von 75.000 Euro, die aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) stammt. Das Projekt wird zu 75 Prozent gefördert, den Rest trägt der Verein.

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