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In ihrem Buschdorfer Atelier fertigt Heidrun Schäfer nach eigenen Entwürfen und im Auftrag Schmuckunikate

Schmuckdesign
Die Herrin der Ringe

Josefine Jahn / 14.02.2018, 07:30 Uhr
Buschdorf (MOZ) Zum Tag der Liebe avanciert, schenken sich Paare am 14. Februar neben Blumen und Schokolade auch Schmuck. Heidrun Schäfer stellt ihn her. In ihrem Atelier im Oderbruch fertigt sie in Handarbeit Einzelstücke nach Kundenwunsch - unabhängig vom kommerzialisierten Valentinstag.

Feinsilber und Kupfer, miteinander im Verhältnis 92,5 zu 7,5 verschmolzen, ergeben Sterlingsilber. Die Legierung ist Heidrun Schäfer eine häufige Arbeitsgrundlage. Oder aber es sind 90 Prozent Gold und dazu zehn Prozent Kupfer oder Silber. "Je nach Farbwunsch nimmt man entweder mehr Silber oder eben Kupfer für einen gelben oder rotenTon", erklärt die Goldschmiedin. In ihrer Werkstatt in Buschdorf arbeitet Heidrun Schäfer nach eigenen Entwürfen und fertigt Auftragsarbeiten an. "In der Regel Silber, kombiniert mit Gold und verschiedenen Edelsteinen", sagt sie in Richtung der Ringe, die sie auf ihrer Arbeitsfläche ausgelegt hat. Die fertigen Ringe tragen verschiedene Stempel, die den Gehalt des Metalls verrät: 900 für Gold, 925 für Silber.

Verschiedene Arbeitsgeräte - Walzen, ein ausglasierter Ziegel nebst Wasserbad, Lötkolben und Zangen - befinden sich in dem Raum, der dank des Sonnenlichts gut ausgeleuchtet ist. Ein Ring, wie ihn Verheiratete als Symbol ihres Eheversprechens tragen, gehe ihr handwerklich unkompliziert von der Hand, sagt Heidrun Schäfer. Aber: "Ich muss mich auf jedes Schmuckstück einzeln konzentrieren, es als alleingültig betrachten", betont sie.

Die Schmuckherstellung könne daher keine Fließbandarbeit sein. Meist fange sie mit der Fassung für den Stein an, verrät Heidrun Schäfer, die seit 15 Jahren in Buschdorf lebt und arbeitet. Für die diversen, bunten Mineralien fertigt sie mithilfe von halbrunden Schlagpunzen den passenden Ringkopf, der dann wiederum mit dem Rest des Ringes kombiniert werden muss.

Das geschieht durch Hartlöten. Heidrun Schäfer steuert die Flamme über einen Gummischlauch. Durch das Einblasen von sauerstoffhaltiger Luft wird der im Gas enthaltenene Kohlenstoff verbrannt, sodass wesentlich höhere Temperaturen erreicht werden. Zuvor jedoch wurde dicker Draht, die Vorstufe des Ringes, im ausglasierten Ziegel auf circa 850 Grad rot glühend erhitzt, sodass er sich leichter walzen lässt, formbar ist. Während der Arbeit am Schmuckstück kann das Erhitzen wiederholt werden. Nach dem Abkühlen im Wasserbad kann die Goldschmiedin das Material bereits mit bloßen Händen anfassen, es mit Zangen aber noch leicht verbiegen. Mit Fräsern schleift sie die Ränder des Ringes, auch die Halbkugelpassformen für den Einsatz des Steins.

Bei ihrer filigranen Tätigkeit nutzt Heidrun Schäfer eine Lupenbrille, die die kleinen Teilchen in fünffacher Vergrößerung erscheinen lassen. "Die Lötstellen müssen immer schön stimmig sein. Da darf nichts dazwischen passen", sagt sie, hochkonzentriert über einem silbernen Ring gebeugt. Eben diese Symbolik wohnt dem Ring inne. Papst Nikolaus dem I. (820 - 867) wird nachgesagt, er habe den Ring als Zeichen der Treue und ewigen Bindung bezeichnet: "So wie der Ring kein Anfang und kein Ende hat, so soll die Beziehung und der Bund mit Gott ewig währen." Britische Auswanderer trugen den christlichen Gedenktag zu Ehren St. Valentins über den Atlantik, US-Soldaten brachten einen abgewandelten Brauch - den des Verschenkens unter Liebenden - nach Westdeutschland.

Verschiedene, individuelle Eheringe hat Heidrun Schäfer schon gefertigt. In einer Schublade liegen mehrere Modelle zur Auswahl, an denen sich Paare orientieren können. Wenn es - wie etwa zum Jahres- oder Valentinstag - ein Geschenk für die Dame sein soll, ist der Ring ihrer Erfahrung nach aber nicht die Nummer eins. "Ehemänner kaufen ihren Frauen lieber Ohrringe, weil sie sich bei der Ringgröße nicht sicher sind", sagt die Buschdorferin. Manche Frauen würden sich auch lieber selbst ihren Schmuck aussuchen, bevor sie vom Liebsten die zigste Brosche geschenkt bekämen.

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