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Brandenburg
Arbeitsmarkt wird offener für behinderte Menschen

Ein Mann sitzt in einem Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz am Schreibtisch. Die Türen zum ersten Arbeitsmarkt öffnen sich in Brandenburg für Menschen mit Behinderung zwar langsam aber stetig.
Ein Mann sitzt in einem Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz am Schreibtisch. Die Türen zum ersten Arbeitsmarkt öffnen sich in Brandenburg für Menschen mit Behinderung zwar langsam aber stetig. © Foto: dpa/Stefan Puchner
dpa / 18.02.2018, 19:43 Uhr
Potsdam (dpa) Die Türen zum ersten Arbeitsmarkt öffnen sich in Brandenburg für Menschen mit Behinderung zwar langsam, aber stetig. Zahlreiche Integrationsprojekte helfen dabei, dass auch Arbeitgeber offener für diese Beschäftigtengruppe werden. Trotzdem gibt es noch Barrieren.

Menschen mit einer Behinderung finden in Brandenburg immer häufiger einen Arbeitsplatz. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Im Land haben Menschen mit Behinderung sehr gute Chancen, einen Job zu finden", sagte eine Sprecherin des Landesamts für Soziales und Versorgung (LASV). Die Anzahl der gewährten begleitenden Hilfen sei gestiegen, Kündigungsanträge für Menschen mit Behinderung rückläufig.

Wie Zahlen der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit belegen, ist die Zahl der schwerbehinderten Menschen, die in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern beschäftigt sind, in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. 2015 waren es fast 24 600. "Bei der Erhebung und Auswertung der Beschäftigtenstatistik wird das Merkmal "Schwerbehinderung" aber nicht verpflichtend erhoben", sagte Agentursprecher Matthias Loke. Es sei bei der Anmeldung zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gegenüber der Rentenversicherung kein Pflichtmerkmal.

Allerdings halten Loke zufolge Unwissen und Vorbehalte, in Unkenntnis der tatsächlichen Rechtslage, Arbeitgeber nach wie vor von der Einstellung schwerbehinderter Menschen ab. "Dass schwerbehinderte Menschen unkündbar sind, stimmt so nicht", erklärte der Sprecher. Auch eine vermeidlich geringere Leistungsfähigkeit oder ein höherer Krankenstand würden oft nicht zutreffen, das Gegenteil sei eher der Fall. Zudem schrecke der befürchtete behinderungsspezifische Mehraufwand im Tagesgeschäft und gegenüber den Behörden ab.

"Hiergegen hilft besonders Aufklärungsarbeit", sagte Loke. Neben den Reha-Beratungsfachkräften und dem Integrationsamt seien auch Arbeitsagenturen und Jobcenter bemüht, diese sowohl bei Arbeitgebern als auch bei behinderten Menschen zu leisten.

"Es gibt einige Leuchttürme für gelungene Integration behinderter Menschen in den ersten Arbeitsmarkt", sagte die Geschäftsführerin des Allgemeinen Landesbehindertenverbands (ABB), Nicole Stäbler. Allerdings sei die Zahl bereitwilliger Arbeitgeber noch zu gering. Insbesondere bei der begleiteten Ausbildung junger Menschen mit Behinderung bestehe noch Nachholbedarf. Das Angebot der Berufsbildungswerke sei in dieser Hinsicht zu eingeschränkt. "Die jungen Menschen sollen sich ausprobieren können", forderte Nicole Stäbler.

Wichtig sei auch, dass sich die Menschen auf ihre Stärken konzentrieren könnten und eben nur diese entsprechenden Tätigkeiten ausüben müssten. Mit dem neuen Bundesteilhabegesetz werden sich aber der ABB-Geschäftsführerin zufolge "neue Türen" öffnen. Insbesondere ein Budget für Arbeit könne es ermöglichen, dass Menschen mit Behinderung in eine feste Anstellung übernommen werden.

Die Sprecherin des Landesamts für Soziales, Petra Schmoger, verwies auf das Förderprogramm "Inklusive Ausbildung und Arbeit im Betrieb" des Landes und die Umsetzung des Bundesprogramms "Inklusionsinitiative II - AlleImBetrieb". "Die Fördermöglichkeiten werden mit gutem Erfolg für Unternehmen und schwerbehinderte Menschen in Anspruch genommen", sagte Schmoger. So sei beispielsweise in der Stadtverwaltung Cottbus ein Mitarbeiter aus dem Programm ab Januar 2018 fest eingestellt worden. Neben öffentlicher Verwaltung nutzen auch Unternehmen aus Industrie und Handwerk die Möglichkeiten des Landesförderprogramms.

Allerdings hätten einige Menschen aufgrund der Ausprägung ihrer Behinderung keine Chance, auf den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen, erklärte Stäbler. "Hier ist es wichtig, den Leuten einen geregelten Tagesablauf zu bieten." Den haben derzeit rund 10 000 von ihnen in den 28 Behindertenwerkstätten des Landes, wie Bernd Reinicke von der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Brandenburg berichtete. "Die Tätigkeiten in den Arbeitsbereichen der Werkstätten sowie die hergestellten Produkte sind äußerst vielfältig", sagte er.

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