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Einwohner besichtigen die Erdgas-Verdichterstation Mallnow und vereinbaren mit den Betreibern einen Gegenbesuch im Dorf

Gas-Station
Carziger überzeugen sich von Sicherheitsstandards

Große Anlage: Die Verdichterstation Mallnow übernimmt russisches Erdgas. Von hier aus fließt das Gas durch die JAGAL in Richtung Westdeutschland. Der Betrieb wird über Prozessleitsysteme von der Dispatching-Zentrale Kassel aus gesteuert.
Große Anlage: Die Verdichterstation Mallnow übernimmt russisches Erdgas. Von hier aus fließt das Gas durch die JAGAL in Richtung Westdeutschland. Der Betrieb wird über Prozessleitsysteme von der Dispatching-Zentrale Kassel aus gesteuert. © Foto: Matthias Lubisch
Ulf Grieger / 19.02.2018, 20:23 Uhr - Aktualisiert 19.02.2018, 20:33
Mallnow (MOZ) Einwohner aus Carzig hatten die Gelegenheit, sich in der Erdgasverdichterstation von der Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen und dem Betriebsablauf zu informieren. Hintergrund waren Befürchtungen, dass eine Havarie wie im österreichischen Baumgarten auch in Mallnow geschehen kann.

Einwohner aus Carzig haben sich die Erdgasverdichterstation der Firma Gascade anschauen können, die sich nur zwei Kilometer von ihrem Ort entfernt in Mallnow  befindet. Mitarbeiter der Firma, die in Kassel ihre Sitz hat, erläuterten ihnen die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen und den Betriebsablauf. Hintergrund waren Befürchtungen der Bürger, dass eine Havarie wie im österreichischen Baumgarten auch in Mallnow geschehen kann. Dort waren 21 Menschen verletzt worden.
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Carziger besuchen Verdichterstation Mallnow

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Die Betriebsbesichtigung der Carziger in Mallnow hatte schon Züge eines Nachbarschaftstreffens. Die meisten Einwohner des nur zwei Kilometer entfernten Betriebsgeländes der in Kassel ansässigen Firma Gascade hatten bislang nicht die Gelegenheit, sich anzuschauen, wo das von der Halbinsel Jamal (Nordwest-Sibirien) kommende geruchlose Gas von etwa 60 bis 65 auf 85 bis 95 bar verdichtet sowie gekühlt und getrocknet wird. Fachbereichsleiter Thomas Uhlenbrok, der für die Mallnower Anlagen verantwortlich ist, sowie Bernd Vogel und Firmensprecher George Wüstner von der Kasseler Zentrale hatten sich gut auf den Besuch der "Nachbarn" vorbereitet. Lange hatte es keine "Tage der offenen Tür" mehr dort gegeben. Der letzte war vor etwa 15 Jahren. Um so mehr hatten sich bei den Carzigern, die täglich mit den Betriebsgeräuschen der Anlage leben, Fragen angehäuft, die es zu klären galt. Kati Stoll-Hellert, mit ihr wurde der Termin mit Gascade eingefädelt, erinnerte denn auch bereits vor dem Rundgang an die Havarie in Österreich und den Brand in der Mallnower Anlage am 18. August.

Thomas Uhlenbrok erläuterte, dass die Verdichterstation jede Störung publizieren muss, die zu einem veränderten Gastransport führt. Die Gründe können auf dem langen Weg zwischen Westsibirien, über die Ukraine und Polen sehr vielfältig sein. Am 18. August jedoch war Öl auf einen heißen Behälter getropft. Das habe den Alarm ausgelöst und zur Folge gehabt, dass der betreffende Abschnitt abgeschiebert und entleert wurde. All das sei mit dem Lärm verbunden gewesen, den die Mallnower und Carziger gehört haben.

Bei einem Rundgang hatten die Carziger und mit ihnen Jan Augustyniak vom Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Thomas Nord (Linke) die Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, dass in den einzelnen Verdichterhallen Gas- und Brandmelder dafür sorgen, dass jede Unregelmäßigkeit gemeldet wird. Automatische Schieber und Sprenkler sind installiert. Die Feuerwehren werden regelmäßig im Umgang mit den Löschern geschult, kennen die Anlagen, so Uhlenbrok.

Mit großem Interesse verfolgten die Besucher den Weg des Gases von der Filterung über die Turbinenverdichter bis zur Dampfturbine, mit der die Abwärme der anderen Turbine nachgenutzt wird. Es hängt zwar über der gesamten Verdichterstation ein gewisser Lärmpegel, weil das Gas bei seinem Transport Geräusche macht. Der Lärm ist aber nicht überall gleich. Stefan Stoll-Hellert war sich mit dem Anlagenleiter einig, dass insbesondere an der Dampfturbine ein größerer Geräuschpegel entsteht. Im Nachgespräch machte Kati Stoll-Hellert deutlich, dass die Carziger nicht glauben, dass beim Lärm Grenzwerte überschritten werden. Dies bestätigte Firmensprecher George Wüstner. Alle drei Jahre werde dies am Bahnhof Schönfließ, in Mallnow und am ersten Haus an der B167 nachgewiesen. Die Dauerbeschallung ist den Carzigern allerdings ein Ärgernis. Um gemeinsam mit den Mitarbeitern der Firma Gascade zu überlegen, welche Lärmminderungsmöglichkeiten es gebe, lud Kati Stoll-Hellert zu einem Gegenbesuch nach Carzig ein. Schließlich sei die Mallnower Station diejenige von den insgesamt neun Anlagen von Gascade, die so eine exponierte Lage habe, dass sich der Schall ungehindert ausbreiten und nicht von Geräuschen anderer Betriebe maskiert werden könne. Bernd Vogel von der Kasseler Firmenzentrale erklärte, dass man das Problem verstanden habe. Er sagte spontan zu, sich das auch im Nachbarort anzuhören und zu überlegen, ob mit einem Wall oder Bäumen Abhilfe geschaffen werden könnte.

Auf Nachfrage, ob die Anlage gegen Terroranschläge gesichert sei, erklärte Uhlenbrok, dass die Risikoabschätzung da keine große Gefahr sehe. Wichtiger sei die IT-Sicherheit, also der Schutz von dem Hacken der Steuerung.

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