Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gemeinde sieht sich mit Anzeigen wegen Baumfällungen konfrontiert

Anzeigen
Abholzungen sorgen für Unmut

Viele Baumstümpfe sind im Viertel zu sehen.
Viele Baumstümpfe sind im Viertel zu sehen. © Foto: cw
Patrik Rachner / 20.02.2018, 21:49 Uhr
Dallgow-Döberitz (MOZ) Die Kettensägen röhren permanent: Im sogenannten Prinzessinnenviertel in Dallgow laufen derzeit im Umfeld des alten Sportplatzes die vorbereitenden Arbeiten für den anstehenden Anliegerstraßenbau in der Margareten-, Charlotten- und Luisenstraße. Dennoch gibt es Ärger. Warum? Die bislang vorgenommenen Baumfällungen durch Mitarbeiter des Bauhofes wurden mittlerweile zur Anzeige gebracht.

Es herrscht Unmut bei einigen Anwohnern. Edgar Pairan ist deshalb der Geduldsfaden gerissen. Er spricht von rücksichtslosem "Kahlschlag" und "Irrsinn". "Es ist kaum zu glauben, was hier passiert. Die Anwohner sind mit wenigen Ausnahmen absolut entsetzt. Die wunderschöne alte Lindenallee im südlichen Bereich der Luisenstraße ist fast vollständig gefällt", echauffierte er sich.   Deshalb hat er nun reagiert und Anzeige wegen Gemeinschädlicher Sachbeschädigung bei der Polizei erstattet. Weitere Anwohner hätten es ihm gleichgetan. Zuvor hatte Pairan bereits Beschwerden bei der Gemeindeverwaltung vorgetragen, um die letzten alten Bäume nach Möglichkeit noch retten zu können. "Das kostet schließlich viel weniger Geld als teure Fällungen und Neupflanzungen."   Und nun? "Die Bürger fühlen sich hintergangen und systematisch fehlinformiert. In den Sitzungen der Gemeinde wurde uns versichert, dass der Alleecharakter erhalten bleiben soll und Bäumfällungen nur im Ausnahmefall, bei alten Bäumen oder wenn der Straßenbau es zwingend erfordert, durchgeführt werden - und jetzt sowas, ein völlig unverhältnismäßiger Kahlschlag ohne Sinn und Verstand", betonte Pairan weiter.   Der 53-Jährige hat auch die Gemeindevertreter informiert und sich darüber mokiert, dass die Verwaltung keine schriftlichen Anfragen beantwortet habe. "Es ist eine Schande, was hier passiert."

Dallgows Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler) indes beschwichtigt. Obgleich er sich zu den Baumfällungen konkret nicht äußern will, "weil es sich nach der Anzeige um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt", sieht er mit Blick auf die erteilten Fällgenehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Havelland kein Fehlverhalten. "Die Genehmigungen liegen seit Ende Januar alle vor. Von einem willkürlichen Kahlschlag kann also keine Rede sein", sagte er. Ohnehin habe es im Vorfeld ein Baumgutachten gegeben auf dessen Grundlage auch die Entscheidung der Fällarbeiten, die noch bis Ende Februar vor Beginn der Vegetationsperiode andauern sollen, getroffen worden sei. Insgesamt müssen übrigens 49 Bäume im Prinzessinnenviertel gefällt werden. Aber: "Wir haben die Verpflichtung 113 neue und einheimische Laubbäume zu pflanzen", so Hemberger weiter, der zudem darauf verweist, dass der Straßenbau samt begleitender Maßnahmen politisch mehrheitlich gewünscht war, im Übrigen auch unter Einbeziehung der Anwohner. Und: Erhaltenswerte Bäume müssten teilweise wegen des Straßenbaus doch gefällt werden. "Das geht leider manchmal nicht anders." Die Kettensägen kreischen also weiter.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG