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Zweiter Anlauf für die Erneuerung von Straßenlaternen aus DDR-Zeiten im Ortsteil Herrenhof

Investition
Lampenstreit in der Bergstraße

Streitobjekt: Die Stadt will die veralteten Lampen ersetzen, die Anwohner würden sie lieber behalten.
Streitobjekt: Die Stadt will die veralteten Lampen ersetzen, die Anwohner würden sie lieber behalten. © Foto: MOZ/Michael Dietrich
Michael Dietrich / 21.02.2018, 06:45 Uhr
Herrenhof (MOZ) Für 85 000 Euro soll dieses Jahr die Straßenbeleuchtung in der Siedlung Herrenhof im Schwedter Ortsteil Stendell erneuert werden. Der erste Anlauf scheiterte im vorigen Jahr am Widerstand der Anwohner. Jetzt hat die Stadt eine neue Variante vorgeschlagen.

Die Geschichte ist in mehrfacher Hinsicht kurios. In Herrenhof gibt es zwei Straßen, eine mit und eine ohne Straßenbeleuchtung. Die Straße am Hang ohne Licht soll ohne Licht bleiben. Die Bergstraße mit funktionierenden Straßenlampen soll neue bekommen.

Die neuen Lampen eingefordert hatte der Ortsbeirat von Stendell, als der noch Herrenhofer Vertreter hatte. Mittlerweile sitzen nur noch Stendeller Vertreter im Beirat, befürworten das Vorhaben aber weiterhin. Sehr zum Leidwesen der Herrenhofer, denn die wollen die Lampen gar nicht.

Jedenfalls nicht so viel dafür bezahlen. 46000Euro sollten die zirka 40 Anwohner für die neue Beleuchtung aus eigener Tasche zahlen, im Durchschnitt 1150 Euro pro Grundstück, Anlieger mit großem Grundstück mehr, mit kleinem Grundstück weniger.

Die Herrenhofer wissen, dass die alten DDR-Lampen nicht der neueste Schrei sind, die Stahlbetonpfähle hässlich aussehen und die Lampen ihre Straße eher notdürftig als sicher ausleuchten."Aber sie funktionieren. Warum also ersetzen und die Leute dafür zur Kasse bitten, wenn es gar nicht nötig ist?", sagt eine Anwohnerin. Sie erinnert daran, dass die andere Straße vorher gefragt wurde, sie aber nicht. Die Beleuchtung der Straße am Hang wurde nach Ablehnung der Anwohner tatsächlich abgeblasen.

Auch in der Bergstraße haben fast alle Anwohner die Liste gegen die neuen Laternen unterschrieben. Sie entsandten eine Abordnung in die Ausschüsse der Stadt und brachten dort ihre Argumente gegen die Erneuerung der Lampen vor. Die reichten von Vogelschutz über Blendwirkung ins Schlafzimmer bis hin zur Kritik der von der Stadt ausgesuchten "hässlichen Lampen". Die Anwohner sahen nicht ein, dass sie dafür zahlen sollten.

Finanz- und Bauausschuss lehnten das Vorhaben daraufhin ab, Bürgermeister Jürgen Polzehl zog die Vorlage zurück. Jetzt steht sie in einer überarbeiteten Form neu zur Abstimmung. Die Stadt hatte zuvor das Gespräch mit den Anwohnern und Ortsbeirat gesucht und die Planung leicht korrigiert. Sie blieb aber dabei, dass die alten Lampen Stromschlucker seien, das Dorf- und Straßenbild abwerten und aus Sicherheitsgründen dringend erneuert werden müssen.

Noch immer soll die Mehrzahl der Stahlbetonmaste in der Bergstraße verschwinden, 29 Leuchten neu gesetzt werden, jetzt aber vom Typ Trilux 9311 mit Trichterschirm statt der vorher geplanten Mastleuchte Alfons mit Pultschirm. Mit den neuen Lampen steigen die Kosten von 77000 auf 85000Euro, gleichzeitig soll die Umlage für die Anwohner aber von 46000 auf 38000 Euro sinken. Drei Lampen zwischen der B 166 und dem ersten Haus sowie ein bereits 2007 verlegtes Anschlusskabel für die Lampen werden den Herrenhofern nun nicht mehr berechnet, offenbar ein Entgegenkommen, um den Lampenstreit friedlich zu beenden.

Die Umlage sinkt damit im Schnitt auf 960 Euro pro Grundstück, von 200 Euro für kleine bis 1500 Euro für große Grundstücke.

Richtig zufrieden sind die Herrenhofer damit nicht, haben der Lösung aber zugestimmt.

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