Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nicht immer ist eine Schwangerschaft Grund zur Freude. Seit wenigen Jahren können Frauen ihre Kinder anonym, aber sicher zur Welt bringen. Auch in Brandenburg nutzen Schwangere die vertrauliche Geburt.

Bevölkerung
Mindestens acht Babys in Brandenburg anonym geboren

Ein Säugling liegt am in einem Bett auf der Wochenstation in einem Universitätsklinikum.
Ein Säugling liegt am in einem Bett auf der Wochenstation in einem Universitätsklinikum. © Foto: dpa/Arno Burgi
dpa / 22.02.2018, 07:41 Uhr
Potsdam Seit 2014 sind in Brandenburg mindestens acht Babys bei so genannten vertraulichen Geburten zur Welt gekommen. Die Tendenz ist steigend: Waren es 2014 und 2015 jeweils noch zwei Babys, kamen 2016 vier Babys vertraulich zur Welt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte. Für 2017 lägen noch keine Zahlen vor.

„Aus ärztlicher Sicht sind diese Geburten besser als etwa eine Babyklappe. Wir können den Frauen einen guten Schutzrahmen bieten“, sagt Oberärztin Susanne Westermann vom St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam, die bereits eine vertrauliche Geburt begleitet hat. Insgesamt kamen in Brandenburg von 2014 bis 2016 mehr als 58 000 Kinder zur Welt.

Seit 2014 können Frauen bei vertraulichen Geburten zunächst anonym bleiben und ihr Kind zur Adoption freigeben. Mit 16 Jahren können adoptierte Kinder die Identität ihrer leiblichen Mutter erfahren. Bundesweit kamen laut Bundesfamilienministerium bislang insgesamt 415 Kinder vertraulich auf die Welt.

Für Schwangere in Notlagen sei dies ein legales Angebot, bei dem sie ihr Kind sicher in einer Klinik oder bei einer Hebamme auf die Welt bringen könnten, sagte Frauenministerin Diana Golze (Linke). Auch der Hebammenverband Brandenburg bewertet dieses Angebot positiv. „Die Frauen können mit fachlicher Begleitung und Unterstützung an einem sicheren Ort unter angemessenen Bedingungen gebären“, sagt die Vorsitzende Martina Schulze.

Die Gründe, warum Frauen ihre Identität nicht preis geben wollen, sind unterschiedlich. „Sehr viele der Frauen befürchten, mit einem (weiteren) Kind überfordert zu sein“, sagt ein Referent des Bundesfamilienministeriums mit Blick auf eine bundesweite Untersuchung. Für fast die Hälfte der Frauen sei das Thema Schwangerschaft so belastend, dass sie sich nicht mit möglichen Hilfestellungen auseinandersetzen konnten.

Zum Teil wollen Frauen demnach ihre Schwangerschaft auch vor den Partnern verheimlichen, um die Beziehung zu erhalten. Außerdem gebe es Fälle mit erkennbar schweren Notlagen. „Hierzu zählen zum Beispiel Frauen, die vergewaltigt wurden“, so der Referent. Bei manchen Frauen bestehe auch die Gefahr, dass ihre Ex-Partner, Noch-Ehemänner oder die Väter gewalttätig werden, wenn sie von der Schwangerschaft erfahren.

Die junge Frau, die Susanne Westermann begleitet hat, war gut situiert, habe aber das Gefühl gehabt, dass ein Kind noch nicht in ihr Leben passt. „Sie wollte lieber einem ungewollt kinderlosen Paar eine Chance geben. Die Frau war sehr gut vorbereitet und wusste gut über die vertrauliche Geburt bescheid“, berichtet die Ärztin. Auch die Geburt sei sehr gut verlaufen. Hinterher habe die junge Mutter ihr Baby auch anschauen wollen - aus Neugier. „Sie hat es aber nicht an die Brust angelegt, um nicht eine mögliche ungewollte Kettenreaktion auszulösen“, so die Ärztin. Außerdem habe die junge Frau dem Kind einen Brief hinterlassen.

Ob Frauen allerdings jetzt die Babyklappe seltener nutzen, lässt sich nicht sagen, da laut Ministerium keine Zahlen vorliegen. In Brandenburg gibt es eine Babyklappe am St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam.

Hilfe finden Frauen unter anderem in Schwangerenberatungsstellen und bei der kostenlosen Telefonhotline 0800 4040020 des Bundesfamilienministeriums.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG