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Gruselstreifen „Heilstätten“ zieht Gruseltouristen in die baufälligen Ruinen

Horrorfilm
Polizei schützt Beelitzer „Geister“

Faszinierende Orte: Blick in den Flur der alten Chirurgie. Hier finden regelmäßig Führungen statt.
Faszinierende Orte: Blick in den Flur der alten Chirurgie. Hier finden regelmäßig Führungen statt. © Foto: MOZ/Andreas Wendt
Andreas Wendt / 22.02.2018, 08:45 Uhr
Beelitz/Potsdam (MOZ) Pünktlich zum heutigen Start des Horrorfilms „Heilstätten“ in den deutschen Kinos warnt das Polizeipräsidium in Potsdam Hobbyokkultisten und Geisterjäger eindringlich vor einem Ausflug in die gleichnamigen Ruinen von Beelitz (Potsdam-Mittelmark). Obwohl der Film selbst in der ehemaligen Heilstätte Grabowsee bei Oranienburg (Oberhavel) gedreht worden ist, befürchten Polizei und die Stadt Beelitz aus der Erfahrung vergangener Jahre ungebetene Gäste aus dem In- und Ausland in den baufälligen Ruinen des Heilstätten-Areals, das früher als Lungenheilanstalt und Lazarett für im Krieg verwundete Soldaten diente. Immer wieder war es nach Polizeiangaben zu Vandalismus, aber auch zum Teil tödlichen Unfällen auf dem 200 Hektar großen Gelände gekommen.  2009, 2010 und 2014 hatten Personen widerrechtlich die Gebäude betreten, wobei sich nach Aussagen der Polizei drei junge Männer schwer verletzten und ein Vierter dabei ums Leben kam. „Heimliches Eindringen und heimliche Streifzüge durch das Gelände sind nicht nur gefährlich, sondern strafbar“, warnt Karsten Schiewe, Stabsleiter der Polizeidirektion West.

Angetan hat es den Geisterjägern vor allem die 1930 errichtete alte Chirurgie, die heute bei offiziellen Führungen, auch vom 2015 eingeweihten Baumkronenpfad aus besichtigt werden kann. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen die sowjetischen Truppen von vielen Gebäuden, auch der Chirurgie, Besitz und nutzen sie als Militärkrankenhaus – bis 1994. Der Mythos um die Existenz von Geistern und umherwandernden Seelen sei eben dieser historischen Kulisse und einstmaligen Nutzung geschuldet, weiß die Polizei. Nur: „Gruseltouristen werden nicht Kontakt zu umherwandernden Seelen oder Geistern haben, sondern im Ernstfall zu Polizeibeamten. Die Tour kann dann auch schnell in einer polizeilichen Gewahrsamszelle enden“, warnt Schiewe.

Wie die Heilstätten Projekt Gesellschaft (HPG) schon beobachtet hat, gibt es in sozialen Medien erste Verabredungen in den alten, durch Zäune gesicherten Ruinen. HPG-Geschäftsführer Georg Hoffmann ist entsetzt darüber, dass Filmemacher am mühsam aufgebauten Gruselimage weiter verdienen. „Wer dort Geister hört und sieht, sollte dringend zum Arzt gehen, und wer illegal dort eindringt, den werden wir zur Rechenschaft ziehen“, sagt Hoffmann und kündigt an, das Gelände rund um die Uhr zu bewachen. Die Polizei hat deshalb verschärfte Kontrollen angekündigt. Karsten Schiewe: „Sollte es in Beelitz-Heilstätten Geister geben, werden wir als Polizei diese vor den Geisterjägern schützen.“

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