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Müll
Rüthnicker schockiert über Umweltfrevel in ihrem Wald

Fassungslos: Pierre Gulz (links) und Michael Lier suchen nach Hinweisen auf die Verursacher.
Fassungslos: Pierre Gulz (links) und Michael Lier suchen nach Hinweisen auf die Verursacher. © Foto: MZV
Christian Schönberg / 22.02.2018, 19:00 Uhr
Rüthnick (MOZ) Ein metallenes Bild mit einem Strauß aus sieben rot-weiß blühenden Tulpen. Eine DVD über eine Projektzirkus-Veranstaltung der Oranienburger Comenius-Grundschule vom 20.Mai 2010. Die Herstellernummer auf einer Gasflasche. Alles wird akribisch fotografiert und notiert - von Revierförster Pierre Gulz und Michael Lier von der Kreis-Abfallbehörde.

Es geht um einen Müllhaufen von gewaltigem Ausmaß, der am Dienstag unweit der L19 zwischen Herzberg und Rüthnick entdeckt worden ist. Gulz hat bereits Anzeige erstattet. "Wir haben es hier mit Heizöltanks zu tun, die nicht ausgewaschen sind", sagt der Forstfachmann. Demzufolge kann nach Paragraf326 der Verursacher vor dem Richter landen. Aber schockiert ist Gulz vor allem über das ungeheure Ausmaß des abgeladenen Mülls. Die drei Heizöltanks selbst sind vollgestopft mit allen möglichem Unrat. Benutzte Farbeimer sind zu entdecken. Matratzen und Bettzeug. Schuhe und Kleidungsstücke. Plastikrohrleitungen und gläserne Lampenschirme. Autoreifen und Schrankbretter. Geradezu alles, was sich zu entrümpeln lohnte, hat der Übeltäter offenbar mit nicht wenig Aufwand auf- und heimlich im Wald abgeladen.

So wütend diese Bilder machen: Die Täter tatsächlich auszumachen, ist oft ein sehr schwieriges Unterfangen, sagt Annett Engelmann von der Oberförsterei Alt Ruppin. "Wir versuchen zuallererst, in solchen Ansammlungen eine Anschrift zu finden", sagt sie. Bisweilen gelingt das sogar. "Aber selbst dann ist es schwierig, genau zu beweisen, dass es sich bei der adressierten Person wirklich um den Täter handelt." In den meisten Fällen reiche das jedenfalls nicht aus.

Immerhin: Bisweilen gelingt die Aufklärung. Engelmann erinnert sich an einen ähnlichen Fall wie den jüngsten in Rüthnick. Der Müllhaufen wies auf eine umfassende Entrümpelung hin. "Auf halben Weg in den Wald" geworfen worden war der Unrat, sagt Engelmann. Doch durch Hinweise im Haufen und weiteres Nachhaken sei die Forstbehörde auf die Firma gekommen, die dahintergesteckt hatte. "Wir haben das dann bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und die Firma ist mit einem Bußgeld belegt worden", erinnert sich Engelmann. In dem Fall war der Strafgesetzbuch-Paragraf326 nicht berührt worden, weil keine Schadstoffe dabei waren.

Am besten sei es jedoch, die Täter auf frischer Tat zu erwischen. Das gelingt aber eher selten. Pierre Gulz weiß auch, dass das oft nur dazu führt, dass die Ertappten dann alles wieder aufladen und behaupten, sie hätten nur mal aufräumen wollen.

Er muss sich aber nun Gedanken machen, wie der Müll aus dem Wald wieder herauskommt und ordnungsgemäß entsorgt wird - falls die Verursacher nicht kurzfristig ausfindig gemacht werden können. "Bezahlen muss es dann der Steuerzahler", sagt Gulz.

Im Grund löhnt die Allgemeinheit sogar in zweifacher Hinsicht. Denn einerseits werden Personal und Sachkosten der Landesoberförsterei gebunden. Andererseits kommen auf die Kreisabfallwirtschaft Extra-Ausgaben zu. Diese müssen über die Müll-Gebühren aller Ostprignitz-Ruppiner gedeckt werden - die steigen, wenn für die Abfallwirtschaft mehr Kosten anfallen. Umso ärgerlicher, dass Indizien auf einen Oberhaveler Verursacher hindeuten.

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