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Helmut Hulitschke will sein Wissen über die 1600 Exponate an Jüngere weitergeben / Er hofft auf Friedrichsauer

Nachwuchs
Dorfmuseums-Chef sucht Lehrling

Erste Sitzung im neuen Gemeinderaum: Aus der einstigen Klubgaststätte haben sich Friedrichsauer diesen Bürgertreff geschaffen. Mittwoch tagte dort der Gemeinderat.
Erste Sitzung im neuen Gemeinderaum: Aus der einstigen Klubgaststätte haben sich Friedrichsauer diesen Bürgertreff geschaffen. Mittwoch tagte dort der Gemeinderat. © Foto: MOZ/Grieger
Ulf Grieger / 22.02.2018, 20:40 Uhr
Friedrichsaue (MOZ) Die Perspektiven des vor 20 Jahren zur 275-Jahr-Feier von Friedrichsaue eingeweihten Dorfmuseums war ein Thema der Gemeindevertretersitzung von Zechin am Mittwoch. Die Gemeinde will dem 85jährigen Museumsleiter Helmut Hulitschke dabei helfen, Nachfolger anzulernen.

"Ich fühle mich durchaus noch in der Lage, dieses Museum ein paar Jahre zu leiten", erklärte Helmut Hulitschke. Der 85-Jährige hat seit der Eröffnung vor 20 Jahren die Sammlung auf die stattliche Größe von 1600 Exponaten gebracht. Von unschätzbarem Wert allerdings ist das, was er bei Rundgängen dazu zu erzählen hat. Profitiert haben davon auch das Oderbruch-Museum Altranft sowie auch die Studentinnen der Humboldt-Uni, die aktuell gerade die Golzower Alltagsgeschichte erforschen.

Neben seiner beruflichen Entwicklung vom Meister der Landwirtschaft bei der MTS Golzow, Agraringenieur beim Bezirksfleischkombinat und Anbauberater bei der Voßberger Zuckerfabrik galt sein Interesse stets allem, was in Friedrichsaue kreucht und fleucht. Das bringt Helmut Hulitschke alles in die Museumsarbeit ein. Doch auch wenn sich stets immer wieder Helfer finden, die sowohl sein kultur- als auch das naturpflegerische Engagement unterstützen, ist er bis heute im Wesentlichen Einzelkämpfer geblieben.

Das ist ein Grund dafür, dass sich die Gemeindevertreter darum sorgen, wer das Lebenswerk von Helmut Hulitschke in Friedrichsaue weiterführt. Er selbst verblüffte die Abgeordneten und Gäste mit seinem unverwüstlichen Optimismus: "Es sind so viele junge Familien ins Dorf gezogen. Junge Väter mit Kindern. Da wird es wohl auch jemanden geben, der sich dafür interessiert. Ich jedenfalls bin jederzeit bereit, wenn jemand mithelfen möchte." Ganz wollten die Gemeindevertreter diese Zuversicht, dass sich aus dem Dorf Freiwillige zur Museumsarbeit melden, nicht teilen. Hans-Jürgen Specht schlug vor, dafür einen Termin anzuberaumen.

Das Dorfmuseum schildert die Entwicklung des Dorfes ab 1723, als König Friedrich Wilhelm I. das nach ihm benannte Vorwerk Friedrichsaue errichten ließ. Unter Friedrich II. entstand das Amt Friedrichsaue, das bis 1945 von Domänenpächtern verwaltet wurde. Eine wichtige Rolle spielt die 1852 gegründete Zuckerfabrik. Sie arbeitete bis 1916. Und natürlich wird auch an den Krieg erinnert: Im Frühjahr 1945 gingen 130 000 Granaten auf Friedrichsaue nieder. Die von der Flucht Zurückgekehrten begannen bei Null. Von 1946 bis1952 entstand Friedrichsaue neu. Helmut Hulitschke, dessen Familie aus Schlesien vertrieben worden war, wirkte dabei mit. Die Aufbauarbeit, die Hochwasser- und die LPG-Zeit bis zur Wende werden ebenso dokumentiert wie die Nachwendezeit. Zu den Höhepunkten in der Region wie den Backtagen in Buschdorf oder den Dorfjubiläen sowie zu den Museumstagen ist Helmut Hulitschke stets mit Sonderausstellungen seines Museums dabei.

Derzeit hat der Museumschef das Problem, dass ihm durch die Umnutzung der ehemaligen Klubgaststätte zum Bürgertreff Ausstellungsfläche verloren ging. Die großformatigen Tafeln, die dort hingen, lagern jetzt im ehemaligen Gemeinderaum im Obergeschoss des Dorfmuseums. Dieser Raum ist auf Grund von Brandschutzmängeln für öffentliche Veranstaltungen gesperrt. "Wir müssen jetzt die Hauptausstellung komplett umräumen, einige Exponate müssen weichen, um für die anderen Tafeln Platz zu bekommen", berichtet er den Gemeindevertretern. Unterstützt wird er dabei von der Arbeitsinitiative Letschin.

In Kürze bekommt das Dorfmuseum viel junges Publikum. Denn im "Vorgarten" entsteht ein Spielplatz mit vier Spielgeräten.

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