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Kneisel im Interview
"Der Platz lädt regelrecht zur Kunst ein"

Hat viele Ideen: Christian Kneisel.
Hat viele Ideen: Christian Kneisel. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 22.02.2018, 22:22 Uhr
Dallgow-Döberitz (MOZ) Christian Kneisel ist ein überaus produktiver und wandelbarer Künstler. Er hat an der Freien Universität Berlin studiert. Der 64-Jährige ist Komponist, lehrt, und war wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Musik an der Akademie der Künste. Danach setzte er maßgebliche Akzente als Intendant und Geschäftsführer des Theater in Brandenburg an der Havel. Parallel dazu war er ab 2004 Leiter und Kurator der Kunsthalle Brennabor für zeitgenössische Kunst der Stadt Brandenburg. Inzwischen als freier Kurator tätig, organisiert er Ausstellungen in Berlin und Brandenburg, und komponiert weiter. Kneisel lebt in Dallgow-Döberitz, liebt den Ort, seine Geschichte, pflegt rege Kontakte zu den Künstlern der Region. Sein Weg führt ihn täglich über den Bahnhofsvorplatz. Und der, so Kneisel, könnte eine künstlerische, wie auch tatsächliche Belebung, gut vertragen. Mit ihm hat Silvia Passow gesprochen.

Mit den Augen des Künstlers gesehen: Beschreiben Sie doch bitte den Bahnhofsvorplatz in Dallgow.

Christian Kneisel: Wie ein weißes Blatt. Es ist der zentrale Platz hier im Ort, aber nicht gerade wahnwitzig ideenreich gestaltet. Es fehlt Leben. Ruhepunkte genauso wie Aufregungspunkte für das Auge. Der Platz spiegelt nicht den Charakter des Ortes wieder. Der historischen Bedeutung wird mit ein paar Sträuchern nicht Rechnung getragen. Der Platz lädt regelrecht zur Kunst ein. Dennoch gibt es sie hier nicht, was ich merkwürdig finde. Es steht im Widerspruch zur Tradition in Dallgow. In Brieselang gibt es Kunst, in Falkensee auch, von Potsdam müssen wir gar nicht erst reden. Das ist etwas wirklich sehr Merkwürdiges. Das ist ein historischer Ort und dennoch gibt es noch nicht mal irgendein Denkmal.

Sie vermissen die Kunst in Dallgow nicht nur am Bahnhof?

Christian Kneisel: Ich bin zum Beispiel sehr gespannt, ob der öffentliche Bauträger für unser neues Rathaus auch bedenkt, die Kunst am Bau mit in Auftrag zu geben. Müsste er eigentlich. Das würde mich schon interessieren. Kunst sollte dabei sein, ob nun an den Wänden drinnen, draußen, oder mit einer Skulptur vor der Tür.

Zurück zum Bahnhofsvorplatz. Wie könnte eine optische Aufwertung des Platzes denn aussehen?

Christian Kneisel: Ich dachte zunächst an sechs Skulpturen. Bin da aber offen, es könnte auch nur eine Große sein. Das Material sollte etwas sein, das der Witterung trotz, nicht umfällt, nicht zerstört werden kann. Das könnte Stahl sein, Kunststoff oder präparierte Holzskulpturen. Auf die sechs Skulpturen kam ich, weil ich sechs Künstler an der Hand hätte, die das gern machen würden. Die Künstler kommen alle hier aus der Region, was ich sehr begrüßen würde. Das ist aber alles nicht verbindlich, es können auch andere Künstler sein.

Sie würden also regionalen Künstlern den Vorzug geben?

Christian Kneisel: Ja, Sie glauben nicht, wie viele Künstler hier im Havelland ihrer Arbeit nachgehen. Es gibt hier unfassbar viele Künstler, bekannte, wie unbekannte.

Sie haben Ihre Idee dem Sozialausschuss der Gemeinde vorgestellt. Wie war die Reaktion der Gemeindevertreter?

Christian Kneisel: Ich hatte den Eindruck, da waren alle ganz aufgeschlossen für meine Idee. Ich habe dann gefragt, ob jemand aus der Gemeindevertretung nicht auch den einen oder anderen Künstler kennt. Da fiel einigen der Anwesenden auch gleich jemand ein und es kamen konkrete Vorschläge. Es wurde aber auch bemängelt, dass es sich bei diesen Künstlern ausschließlich um Männer handelt.

Tatsächlich? Gibt es keine Künstlerinnen im Havelland?

Christian Kneisel: Das Problem kenne ich und es brennt mir auf der Seele. Gerade Frauen werden als Künstlerinnen oft benachteiligt. Es gibt aber auch Regionen, wenn sie weiter gen Osten schauen, da gibt es ganze Dörfer in der Tradition der Bildhauer. Dort kenne ich auch etliche Künstlerinnen. Einige dieser Bildhauerinnen arbeiten bei Wind und Wetter, auch bei minus sechs Grad open Air, etwa mit Stahl oder auch persischem Marmor, einem der widerständigsten Steine überhaupt. Leider habe ich hier keine Bildhauerin gefunden. Natürlich kann man auch nach Berlin schauen. Ich fände den regionalen Bezug aber schon wichtig.

Wie steht es um die praktischen Aspekte? Die Finanzierung zum Beispiel?

Christian Kneisel: Ganz praktisch darf mit der Kunst natürlich keine Sichtachse für den fließenden Verkehr blockiert sein. Passanten dürfen nicht behindert werden. Ich dachte hier an sehr schlanke Kunstwerke, maximal drei Meter in der Höhe. Ich kenne Künstler, die würden hier ihre Skulpturen kostenlos als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. Denen liegt die Aufmerksamkeit für ihre Werke sehr am Herzen.

Die Gemeinde müsste sich um die Sockel, Transport und Aufstellung kümmern. An diese Sockel wären natürlich bestimmte Anforderungen gestellt. Ist aber auch nichts, was sich nicht lösen ließe. Ich selbst, will kein Geld dafür. Ich unterstütze das Projekt, würde es weiter ehrenamtlich betreuen. Natürlich würde ich schon ein, zwei von mir ausgewählte Künstler hier sehen wollen. Ich bin aber auch für Vorschläge offen. Sehr gerne auch von anderen Dallgowern.

Sind Sie schon von ihren Mitbürgern auf ihre Ideen angesprochen worden? Haben sie erste Meinungen gehört?

Christian Kneisel: Bisher gab es viel Zustimmung zu der Idee. Es wird aber sicher auch jene geben, die mit Kunst wenig anfangen können und die lieber ein paar Parkplätze mehr hätten.

Nun gab es für den Bahnhofsvorplatz auch schon andere Ideen. Wochenmarkt, Veranstaltungen. Schließt das eine das andere aus oder könnten sich die Ideen gegenseitig stützen und befruchten?

Christian Kneisel: Der Platz sollte belebt werden. Ein Wochenmarkt wäre genau richtig. Neben dem Weihnachtsmarkt, gern auch ein Ostermarkt, Frühlings- und Sommerfeste oder Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche.

Ich könnte mir auch gut Konzerte hier vorstellen, vielleicht auch Lichtkunstwerke, die das historische Bahnhofsgebäude illuminieren. Bei all dem könnte ich konzeptionell und organisatorisch gern helfen, dann hier sitzen auf dem Platz, die Kunst bei einem Glas Wein genießen. Das wäre es doch!

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kneisel!

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Rick Keenan 29.03.2018 - 22:08:14

Christian, der Jammerer

Ich habe mit Herrn Kneisel die schlimmsten Erfahrungen meines Lebens gemacht. Weil er immer rücksichtsvoll und gütig sein will. Das fällt auf in dieser Neokapitalwelt. Dennoch: Christian, verpi... dich. Entschuldige. Aber du bist die wehleidige Tussy im Club. Mach es gut, Rick Steve Keenan

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