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Laut Bauernbund werden Räuber zum Schutz von Nutztieren heimlich erlegt

Umstrittenes Raubtier
„Notwehr gegen Wölfe“

Ein umstrittenes Raubtier: Der Wolf
Ein umstrittenes Raubtier: Der Wolf © Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
Mathias Hausding / 23.02.2018, 06:45 Uhr
Potsdam (MOZ) Ein vom Wolf getöteter Hund, ein Landtagsbeschluss, das Warten auf eine Abschusserlaubnis und Berichte über Selbstjustiz – in Brandenburg ist dieser Tage wieder viel los rund um das umstrittene Raubtier.

Die Terrier-Dame Angie hatte wohl keine Chance. Alles deutet darauf hin, dass in Ziesar (Potsdam-Mittelmark) vor wenigen Tagen erstmals ein Familienhund auf einem abgezäunten Grundstück Opfer von Wölfen wurde. Die Besitzer haben das schwer verletzte Tier einschläfern lassen. Der zuständige Amtsdirektor Norbert Bartels beklagt sich, dass die Wölfe zunehmend das Dorfleben beeinträchtigen.

Mit Bezug auf Brandenburgs neue Wolfsverordnung hat er nun beim Landesumweltamt die Vergrämung der Raubtiere beantragt. Wie das genau aussehen könnte, ist unklar und bislang kaum erprobt. Infrage kommen zum Beispiel Warnschüsse.

Eine knappe Autostunde entfernt, aber immer noch im besonders dicht mit Wölfen besiedelten Potsdam-Mittelmark, wartet indes ein Landwirt seit einigen Wochen auf ein Votum des Amtes zum beantragten Abschuss eines ganzes Wolfsrudels, das in Rieben bei Beelitz wiederholt Rinder auf einer gut gesicherten Weide gerissen haben soll.

Da der Bescheid auf sich warten lässt, vermutet der Kreisbauernverband, dass die Mitarbeiter des Landesumweltamtes „mit der Verordnung ihres eigenen Ministers überfordert“ seien. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte ein Sprecher des Amtes nun aber, dass „voraussichtlich in den nächsten Tagen“ eine Entscheidung getroffen werde.

Im Landtag ist indes in dieser Woche bereits eine Entscheidung gefallen. So ist die CDU im Agrar- und Umweltausschuss mit ihrem Antrag gescheitert, in Brandenburg die Grundlagen für Schutzjagden auf den Wolf nach schwedischem Vorbild zu erarbeiten. Konkret verlangten die Christdemokraten genaue Recherchen dazu, wie viele Wölfe bei Schutzjagden entnommen werden könnten, ohne die Bestände insgesamt zu gefährden. SPD und Linke haben das nun abgelehnt und stattdessen einen eigenen Antrag durchgebracht, der lediglich vorsieht, die neue Wolfsverordnung auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen.

„Der Umgang mit der Problematik zeigt, dass wir recht haben“, sagt Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds. Er lehnt zudem die Wolfsverordnung ab, weil die darin formulierten Hürden für einen Abschuss von Wölfen, die Nutztiere reißen, viel zu hoch seien. Der Bauernbund will ab dem Frühjahr mit Mahnfeuern im ganzen Land erneut zu einem härteren Vorgehen gegen den Wolf aufrufen. Landwirte und Jäger würden ohnehin bereits heimlich Tatsachen schaffen, will Jung erfahren haben. „Es gibt Notwehr in Größenordnungen gegen den Wolf.“ Das inoffizielle Motto laute: „Schießen, schippen, schweigen.“

Gregor Beyer, Agrar-Lobbyist beim Forum Natur Brandenburg, hält diese Berichte noch für reine Legende. „Ich kenne keinen solchen Fall, und Notwehr ist in dem Zusammenhang kein guter Begriff.“ Klar sei jedoch, dass mit jedem weiteren Monat der Untätigkeit von Regierung und Behörden das Verständnis bei jenen schwinde, die unter den stark steigenden Wolfsbeständen leiden, gibt Beyer zu bedenken.

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Rolf Lustig 23.02.2018 - 16:10:39

Herr Bräuning

Das sagen Sie mal den im Land Verantwortlichen, denen, die das Problem auf Kosten anderer aussitzen. Es kann so einfach sein!

Uwe Bräuning 23.02.2018 - 14:42:42

Kleine Korrektur zum Kommentar

Korrektur: Der letzte Satz lautet richtig: Mit kriminellen Mitteln und polemischen Sprüchen wurden noch nie Probleme gelöst.

Uwe Bräuning 23.02.2018 - 14:39:25

Mit kriminellen Mitteln und polemischen Sprüchen werden keine Probleme gelöst!

Der Herr Jung ist in der Vergangenheit kaum mit sonderlich gehaltvollen Aussagen aufgefallen. Augenscheinlich wähnt er sich in einem Feldzug gegen die Natur. Warum auch immer. Seine letzter "Erguss" toppt jedoch alles bislang dagewesene: Herr Jung hat erfahren, dass Wölfe illegal getötet und verscharrt wurden. Aha. Hoffentlich weiß er auch, dass es sich dabei um kriminelle Handlungen, sprich Straftaten handelt. Für die der Gesetzgeber empfindliche Strafen vorsieht. Die Kenntnis dieser Straftaten hat ihm zumindest zum Mitwisser werden lassen. Deckt der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernverbandes demnach Kriminelle? Denn um nichts anderes handelt es sich um die angeblich aus Notwehr handelnden Subjekte. Wobei ich genügend verantwortungsvolle Jäger kenne, um nicht sofort in Pauschalurteilen zu verfallen. Aber führen wir doch mal den Gedanken des Herrn Jung weiter: Es gibt in Brandenburg sehr viele Menschen, die ein entspanntes Verhältnis zur Natur haben. Die sich über die Rückkehr der Wölfe, Biber, Fischadler und so weiter freuen. Und die leben sogar seit Jahrzehnten auf dem Land. Nicht etwa " fernab der Realität", in Mitten von Berlin. Jetzt stelle man sich vor, jeder einzelne fordert, genug wie Herr Jung, von nun an für sich ein " Notwehrrecht". Dann würde vielleicht demnächst ein ultraharter Naturfreund die Jagdkanzeln ansägen. In der Hoffnung, dass sich ein Jäger, den er als Gefahr ansieht, demnächst das Genick bricht. Oder ein Imker erschießt demnächst einen Bauern, verbuddelt dieses und schweigt anschließend darüber. Weil der Bauer Glyphosat auf seinen Feldern versprüht, was der Imker als Gefahr für seine Bienen ansieht. Diese Beispiele mögen überspitzt klingen. Ich persönlich lehne sowohl das illegale Töten von Wölfen und anderen Tieren als auch jegliche Gewalt gegen Menschen und Gegenständen ab. Und das nicht allein aus beruflichen Gründen. Sondern aus tiefer Überzeugung! Mit diesen Beispielen wollte ich nur aufzeigen, welche Folgen es haben könnte, wenn sich die Spirale der Gewalt einmal zu drehen begonnen hat. Aber was hilft in denn in scheinbar verfahrenen Situationen wie dieses, nun wirklich? Eines vorweg-Brandenburg war und ist nicht einfach. Das wäre auch zu schön. Eine einfache Antwort kann es wohl nicht geben. Sachliche Gespräche, die Meinungen aber vor allem auch die Sorgen des anderen ernstnehmen, den Gesprächspartner nicht niederbrüllen, sondern ausreden lassen, wäre bereits ein guter Anfang. Selbstverständlich haben die Schäfer und die anderen Tierhalter berechtigte Sorgen um ihren Tierbestand. Schließlich kann ein Wolf nicht zwischen Nutz und -Wildtieren unterscheiden. Der Viehbestand sichert aber nun einmal das Einkommen der Tierwirte. Hier sind Konflikte zwangsläufig vorprogrammiert. Selbstverständlich sind die Tierwirte in erster Linie selbst für den Schutz ihrer Herden verantwortlich. Es ist kein Geheimnis, dass einige von ihnen den Wolf durch eigene Nachlässigkeit " geradezu eingeladen haben". Manche sogar mehrfach. Und die hatten sogar noch die "Courage", sich in aller Öffentlichkeit als "Opfer bejammern zu lassen". Aber auch hier sollte nicht pauschalisiert werden. Zumal der Staat in der Pflicht ist, den Tierhaltern bei der Prävention und im Fall des Falles bei der Schadensregulierung die größtmögliche Unterstützung zu gewähren. Jetzt kommen wir zu der Frage, warum die Rückkehr des Wolfes so wichtig für uns ist: Es passiert nicht oft in Deutschland, schon garnicht in Brandenburg, dass eine seit langem verschwundene Tierart ihr " Comeback feiert". Eher verschwinden beinahe täglich Tierarten von der biologischen Landkarte. Weltweit. Während man sich über das Artensterben in anderen Ländern gewöhnlich " das Maul zerreißt", wird das bei uns nicht selten mit einem gleichgültigen Schulterzucken abgetan. Wem interessiert schon, dass es im Oderbruch kaum noch Hasen, Rebhühner oder Fasane gibt. Dass das Singen der Feldlerchen mittlerweile fast verstummt ist. Dafür jedoch jede Menge Wildschweine, die sich an der überall wuchernden Monokultur Mais " dumm und dusslig fressen". Ist doch alles in Ordnung. Oder etwa nicht? Die Natur ist nun einmal ein komplizierter Mechanismus. Dieser Mechanismus benötigt den Menschen nicht, um reibungslos zu funktionieren. Greift der Mensch jedoch in diesen Mechanismus ein, funktioniert er bald nicht mehr. Zum Schaden aller. Auch des Menschen, der, ob es ihm nun passt oder nicht, selbst Teil des Mechanismus Natur ist. In der Natur hat eben alles seinen Platz. Auch die Raubtiere. Die Ausrottung der Wölfe und anderer Raubtiere hat die Natur, neben vielen anderen Umweltverbrechen der Vergangenheit, aus dem Gleichgewicht gebracht. Nicht umsonst gehören die Förster zu den Befürwortern der Wölfe. Weil sie hoffen, dass die aus dem Gleichgewicht geratene Rotwildpopulation, die zu immensen Waldschäden geführt hat, auf natürliche Weise reduzieren. Sprich: Das die Wölfe ihre von der Natur gegebene Funktion wieder wahrnehmen. So einfach kann Brandenburg nämlich auch sein. Jedoch nur, wenn man den Verstand einsetzt. Mit kriminellen Mitteln und polemischen Sprüchen wurden noch Probleme gelöst.

Ralf H. Janetschek 23.02.2018 - 11:28:16

Schießen, schippen, schweigen.

Der Bauernbund spricht vom: „Schießen, schippen, schweigen.“ und das Wolfsproblem ist wahrsten Sinne des Wortes begraben. Wie beim Biber. Unbestätigten Nachrichten zu Folge ist deren Population im Oderbruch derzeit im Rückgang befindlich. Die Biberopfer haben schon längst begriffen, daß sie vom Staat keine Hilfe zu erwarten haben. Getreu dem neuen Brandenburg-Motto: "Brandenburg. Es kann so einfach sein.“ Einfach mal die Empfehlungen der Landesregierung ganz pragmatisch umsetzten. Ralf H. Janetschek

Rolf Lustig 23.02.2018 - 10:53:58

Brandenburg Motto

Schießen, schippen, schweigen. Es kann so einfach sein.

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