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Gerade im Sommer machen polnische Unternehmer am Grenzübergang in Hohenwutzen das große Geschäft. Über die Presse erfuhren die Händler sowie die Gemeinde, dass die Oderbrücke wegen Baumaßnahmen zwei Wochen lang gesperrt bleibt.

Markt schließt vorübergehend
„Wir leben davon“

Es trifft gerade die Kleinen: Cirstean Sorin befürchtet, dass vor allem Händler mit wenigen Geschäften eine Vollsperrung finanziell nicht verkraften dürften. Er selbst betreibt mit seiner Familie insgesamt fünf Geschäfte auf dem Polenmarkt.
Es trifft gerade die Kleinen: Cirstean Sorin befürchtet, dass vor allem Händler mit wenigen Geschäften eine Vollsperrung finanziell nicht verkraften dürften. Er selbst betreibt mit seiner Familie insgesamt fünf Geschäfte auf dem Polenmarkt. © Foto: MOZ/Patrizia Czajor
Patrizia Czajor / 24.02.2018, 07:45 Uhr - Aktualisiert 12.04.2018, 17:01
Hohenwutzen (MOZ)

Am KuDamm 18 liegt der Verkaufsstand von Damian Maruszczak. Das zumindest ist auf einem kleinen blau-weißen Schild hinter seinem Kopf zu lesen. Vor den großen Verpackungen mit dem Gebäck baumelt es an einem Draht hängend von dem wellenförmigen Dach herunter, unter dem Orangen, alle Arten von Kohl und verschiedene Pilzsorten nebeneinander liegen. Auch wenn der Stand sich nicht wirklich in Berlin befindet, erfüllt der Hinweis doch einen Zweck. „Wir wollen, dass sich die Gäste wie zu Hause fühlen“, erläutert der 28-jährige Verkäufer, der gerade damit beschäftigt ist, leere Kisten und Kartons aufeinander zu stapeln. Denn die Besucher des Polenmarktes in Hohenwutzen (Märkisch-Oderland) kommen zum größten Teil aus Deutschland. Sie reisen sogar mit Bussen aus Berlin und Potsdam an, um sich günstig mit Lebensmitteln, Zigaretten oder Kleidung einzudecken.

Von seiner größten Einnahmequelle will der Landesbetrieb Straßenwesen in Brandenburg die rund 400 Händler des Polenmarktes sowie weitere ansässige Geschäfte für mindestens zwei Wochen abschneiden. Zumindest sehen das die Händler so. Hintergrund ist die Erneuerung der Straßendecke auf der B158 zwischen der Oderbrücke und der Neuenhagener Kreuzung bei Bad Freienwalde, im Zuge derer der Grenzübergang zwei Wochen lang gesperrt werden soll. „Wir werden schlichtweg keine Kunden haben“, steht für Damian Maruszczak schon jetzt fest, sollte es dazu kommen. Er hofft, dass wenigstens Fußgänger ungehindert die Brücke überqueren können – das zumindest versichert das zuständige Straßenbauamt.

Über die Vollsperrung erfuhren die Händler zudem erst über die Presse, wie Cirstean Sorin kritisiert. Besser wäre, sagt er, man hätte direkt mit ihnen gesprochen. „Wir leben davon.“ Als die ersten Wind davon bekamen, hätten sie hektisch untereinander herumtelefoniert, einige sogar ihren Urlaub abgesagt, erzählt der 36-Jährige, der mit Schal und Jacke hinter seinem Tresen die Regale mit Zigarettenstangen befüllt. Sein Stand an der sogenannten Chopinallee ist nur eines von insgesamt fünf Geschäften, die er gemeinsam mit seiner Familie auf dem Markt betreibt.  Besonders schwer dürfte die Sperrung kleinere Händler treffen, vermutet der gebürtige Rumäne. „Bei mehreren Geschäften kannst du Verluste noch ausgleichen, indem du die Einnahmen umlegst“, erläutert er. Finanziell leiden würde aber jeder, davon ist er überzeugt. Immerhin falle die Sperrung in die Hochsaison.

Genau das ist auch laut Gabriela Kotowicz, Bürgermeisterin der polnischen Gemeinde Zehden, der Knackpunkt. Auch wenn die Brücke im deutschen Zuständigkeitsbereich liege, habe es doch „große Auswirkungen“ auf die polnischen Unternehmer, betont sie. Sie hofft deswegen, dass das Straßen- und Verkehrsamt in Stettin eine Verkürzung der Sperrung aushandeln kann. Voraussichtlich Anfang März wird die Straßenbehörde laut Gabriela Kotowicz in dieser Sache beraten. Weiterhin lägen ihr jedoch keine konkreten Informationen zu der geplanten Baumaßnahme vor.

Ähnliche Erfahrungen machte auch Nicolas Gesch, Geschäftsführer des Polenmarktes. „Mit uns wurde vorher überhaupt nicht kommuniziert“, äußert Gesch. Zudem ist die Vollsperrung in seinen Augen unnötig. „Die Straße ist breit genug, um den Verkehr weiter halbseitig fahren zu lassen“, meint er. Eine weitere Alternative sei, die Arbeiten an der Straße in der Nacht durchzuführen. „Diese Sperrung terrorisiert alle, auch Autofahrer und Anwohner“, sagt er. Umfahren werden könne die Baustelle nur mit einem Umweg von 80 Kilometern.

Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb Straßenwesen weist die aufgeführten Alternativen zur Vollsperrung zurück. Sie seien sowohl aufgrund von Sicherheitsvorschriften wie auch aus technologischen Gründen nicht umsetzbar, sagt sie. Die polnische Seite habe man fristgemäß informiert, sagt sie.

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