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Elektrozäune sollen im schlimmsten Fall infizierte Wildschweine im Wald halten. Brandenburg bereitet sich auf die drohende Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest vor. Maßnahmen im Krisenfall sind bereits festgelegt.

Landestierarzt
Risiko für Afrikanische Schweinepest bleibt hoch

Wildschweine in einem Gehege.
Wildschweine in einem Gehege. © Foto: dpa/Ralf Hirschberger
dpa / 24.02.2018, 07:53 Uhr
Potsdam Das Risiko der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest ist nach wie vor hoch. „Es kann jederzeit zu einem Ausbruch kommen und der Seuchenfall eintreten“, sagte der Brandenburger Landestierarzt Stephan Nickisch der Deutschen Presse-Agentur. Das Land ist aus seiner Sicht vorbereitet. „Die Bekämpfungspläne liegen vor. Das Landeskrisenzentrum wird nach einem Ausbruch zur Koordinierung der Seuchenbekämpfung in den betroffenen Landkreisen die Arbeit aufnehmen“, sagte er.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine für Haus- und Wildschweine meist tödlich endende Viruserkrankung für die es keine Impfung gibt. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier, über infizierte Kadaver und auch kontaminierte Gegenstände sowie Speisereste. Der Mensch ist nicht in Gefahr. Bei Ausbruch wird der Export von Schweinefleisch beschränkt. Der wirtschaftliche Schaden für die Tierhalter ist dann immens.

Die Verhinderung der Einschleppung und die Früherkennung eines möglichen Falles der Krankheit haben höchste Priorität, sagte Nickisch. Dabei spiele die Sensibilisierung und Information der Jäger, der Schweinehalter und der breiten Öffentlichkeit über die drohende Gefahr eine zentrale Rolle.

Ein Monitoring-Programm stützt sich nach den Angaben insbesondere auf die Untersuchung von tot aufgefundenen Wildschweinen. Seit Jahresanfang wird eine Aufwandsentschädigung für die Probennahme von 30 Euro an Jäger gezahlt.

Die Schwarzwildbestände sind in Brandenburg in den vergangenen Jahren trotz steigender Jagd gestiegen. Damit wuchsen auch die verursachten Schäden an Hochwasserschutzanlagen und die Zahl der Wildunfälle auf den Straßen. Darüber hinaus begünstigt eine hohe Dichte an Wildschweinen die Ausbreitung der Seuche und erschwert die Bekämpfung.

Aus Sicht des landwirtschaftspolitischen Sprechers der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne, Benjamin Raschke, ist eine präventive Dezimierung des Wildschweinbestandes durch Jäger kaum machbar. Das sei untauglich, die Ausbreitung der Seuche nach Brandenburg zu verhindern. Wichtiger sei es, den Anbau von Energiepflanzen zu begrenzen, um das Futterangebot für Wildschweine zu begrenzen.

Eine Tupferprobe von einem gefundenen toten Wildschwein bringt nach Angaben von Nickisch schnellstmögliche Gewissheit, ob das Tier möglicherweise infiziert war. 10 000 Probensets sind zusammen mit Merkblättern mit Informationen zur Probenahme an Jäger verteilt worden. Die Proben gehen dann an das Landeslabor Berlin-Brandenburg. Nach Angaben des zuständigen Verbraucherschutzministeriums wurden dort im Vorjahr 4185 Proben im Rahmen des Monitorings untersucht - alle mit negativem Ergebnis.

Am Montag lädt der geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Berlin zu einer nationalen Präventionskonferenz ein. Eingeladen sind unter anderem die Minister der Bundesländer sowie Vertreter von Verbänden, darunter auch des Deutschen Bauernverbands. Aus Brandenburg sind Nickisch und Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) dabei.

In Zusammenhang mit dem Maßnahmeplan zur Bekämpfung der Krankheit werden vorsorglich mobile Wildsammelstellen durch das Land beschafft, sagte Nickisch. Darüber hinaus werde ein Prämiensystem für die Meldung von Fallwild sowie die Erlegung von Schwarzwild nach Ausbruch der Seuche vorbereitet. Auch die Beseitigung der Tierkadaver nach Seuchenausbruch ist vorbereitet. Dafür existiert ein Entsorgungsverbund der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg, dem drei Tierkörperbeseitigungsanlagen zur Verfügung stehen.

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