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Spenden für sechsköpfige Familie Oertwig aus Meyenburg / Jugendamt verwehrt Unterstützung für Haushaltshilfe

Nachwuchs
Soforthilfe für Drillingseltern

Besuch bei den Drillingen: Mike Bischoff (l.) war am Montag zu Hause bei der Familie von Carolin Oertwig und Christopher Riemer mit ihren Drillingen Emmi, Lotte und Pauline sowie ihrem zweijährigen Sohn Charlie – der SPD-Landtagsabgeordnete überbrachte eine Spendensammlung in Höhe von 1200 Euro.
Besuch bei den Drillingen: Mike Bischoff (l.) war am Montag zu Hause bei der Familie von Carolin Oertwig und Christopher Riemer mit ihren Drillingen Emmi, Lotte und Pauline sowie ihrem zweijährigen Sohn Charlie – der SPD-Landtagsabgeordnete überbrachte eine Spendensammlung in Höhe von 1200 Euro. © Foto: MOZ/Michael Dietrich
Michael Dietrich / 27.03.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 28.03.2018, 16:06
Meyenburg (MOZ) Die Eltern der drei Monate alten Drillinge Emmi, Lotte und Pauline dürfen sich über eine Spendensammlung des SPD-Landtagsabgeordneten Mike Bischoff von 1200 Euro freuen. Der Anlass ist aber eher bitter. Es ist eine Soforthilfe, weil das Jugendamt des Kreises nicht helfen will. Mit einem Paket Windeln unter dem Arm klopfte der Landtagsabgeordnete Mike Bischoff  an der Tür der jungen Familie Oertwig. Die hatte im Dezember Drillinge bekommen und kann jede Hilfe gut gebrauchen. Mike Bischoff hatte schon einmal zur Geburt gratuliert und eine Spende übergeben. Jetzt hatte er nach einem Hilferuf der sechsköpfigen Familie spontan bei Bekannten und Freunden und dem pensionierten Unternehmer Willi Neumann  aus Hamburg, der früher die Firma ENV in Meyenburg führte, Spenden gesammelt. Auf das Windelpäckchen deutend sagte Mike Bischoff: „Wenn ihr für jedes eurer drei Mädchen am Tag sechs Windeln braucht, dann reicht das Geld ein Jahr lang für alle Windeln.“ 1200 Euro  kamen bei der Spendensammlung zusammen. Seit einer Woche geht Vater Christopher Riemer wieder zur Arbeit ins PCK. Dann ist Carolin Oertwig in der Regel allein mit ihren Drillingen und Sohn Charlie. Wie das ist, weiß er nur zu genau. Als seine Frau Karten für eine Konzert in Berlin gewann und sehr dankbar war, einmal Abwechslung vom Alltagsstress hoch drei zu genießen, musste er mit den drei Babys allein klar kommen. Seither liebt er eine automatische Hängewippe, die sie in den Türrahmen gehängt haben, abgöttisch. „Wenn du dich um zwei Kinder kümmerst und das dritte auch noch schreit, bist du froh, wenn du es schnell beruhigen kannst“, erzählt er. In der Hängewippe, die ein Motor automatisch in Gang hält, schlief der kleine Schreihals dann sofort beruhigt ein. So sehr die beiden ihre Kinder lieben, sieht man ihnen an, dass sie jetzt wenig Schlaf haben. Sie brauchen dringend eine Haushaltshilfe und konnten nach ihrem Aufruf über die Zeitung auch tatsächlich eine Frau aus Schwedt finden, die nun für einige Stunden die Woche im Haushalt hilft. „Wir hätten gern öfter ihre Hilfe, aber das ist leider nicht möglich“, erklärt die junge Mutter. Als sie beim Jugendamt in der Angermünder Außenstelle nachfragte, ob sie eine finanziel-­le Unterstützung für die Haushaltshilfe bekommen könnte, erhielt sie eine Abfuhr. Erst als sich Freunde wie Mike Bischoff und Nachbarin Heike Moritz einschalteten und sich an den zuständigen Sozialdezernenten wandten, kamen verständnisvollere Töne aus dem Amt. Man wolle sehen, ob man über einen Verein Hilfe vermitteln könne, hieß es. Für eine reguläre Hilfe habe das Jugendamt keine rechtliche Handhabe. Das sehen die Eltern der Drillinge ganz anders. „Unsere Freunde aus Berlin, die zur gleichen Zeit in der Klinik in Berlin-Buch Drillinge bekamen, bekommen diese Hilfe für ein paar Monate. Dort kam eine Mitarbeiterin zu ihnen nach Hause und half beim Formular für die Unterstützung“, erzählt Christopher Riemer. Auch Mike Bischoff findet, dass es möglich sein müsse, dass das Jugendamt hilft. „Das ist einfach eine falsche Entscheidung eines Mitarbeiters. Das Amt muss die konkrete Situation der Familie berücksichtigen, wenn es um die Entscheidung geht, ob Hilfe notwendig ist oder nicht“, sagt Bischoff. Er erinnert an den Ansatz eines vorsorgenden Sozialstaates, von dem der ehemalige Ministerpräsident Matthias Platzeck gern sprach und der auch zur Gründung des Netzwerkes Gesunde Kinder führte. „Es geht um eine Einzelfallhilfe, die hier alle sieben bis zehn Jahre einmal auftritt und die eine junge Familie natürlich enorm belastet. Ich denke, dass sich die Uckermark so etwas locker leisten kann“, erklärt Mike Bischoff.

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Rolf Lustig 27.03.2018 - 15:04:08

Brandenburg-es kann so einfach sein.

Daher auch die breite Ablehnung für dieses Motto. In Brandenburg soll nichts einfach sein..

Norbert Wesenberg 27.03.2018 - 10:24:53

"Es kann so einfach sein"

Zitiert: "Als sie beim Jugendamt in der Angermünder Außenstelle nachfragte, ob sie eine finanziel­le Unterstützung für die Haushaltshilfe bekommen könnte, erhielt sie eine Abfuhr." Und genau solche Beispiele tragen dazu bei, das der gesellschaftliche Zusammenhalt immer weiter auseinander driftet.

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