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Heimatgeschichte
Die Ortschronistin von Chossewitz

Interessieren sich für Heimatgeschichte: Monika Schwiegk, Rita Lorenz, Marina Chvosta, Nicole Schneider (v. l.) brüten in der selbst eingerichteten Heimatstube im Dorfgemeinschaftshaus über alten Fotos, Zeitungsausschnitten, Briefen und Dokumenten.
Interessieren sich für Heimatgeschichte: Monika Schwiegk, Rita Lorenz, Marina Chvosta, Nicole Schneider (v. l.) brüten in der selbst eingerichteten Heimatstube im Dorfgemeinschaftshaus über alten Fotos, Zeitungsausschnitten, Briefen und Dokumenten. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 27.03.2018, 07:45 Uhr - Aktualisiert 27.03.2018, 18:05
Chossewitz (MOZ) Ein Land, eine Stadt und selbst ein Dorf wären nichts ohne Menschen. Viele haben es noch nie in die Schlagzeilen geschafft und sind dennoch wichtig und interessant. Und alle haben etwas zu erzählen. Die MOZ stellt in einer Serie Gesichter aus Oder-Spree vor. Heute: Rita Lorenz und die Ortschronistinnen aus Chossewitz.

„Auf dem Tisch im Dorfgemeinschaftshaus liegen alte Schwarz-Weiß-Fotos, in Sütterlinschrift verfasste Notizen, vergilbte Zeitungsausschnitte, Prospekte mit Patina. Drumherum sitzt Rita Lorenz mit „ihren“ Ortschronistinnen: Marina Chvosta, Nicole Schneider und Monika Schwiegk sind dieses mal dabei. Zum Team gehören noch Ortsvorsteherin Cornelia Stolpe, Karin Fischeder, Inge Peschel, Ramona Corduan und Hannelore Pißner.

Mehr als 1000 Jahre hat der Ort am Rande des Schlaubetals schon auf dem Buckel, doch in der Dorfchronik fehlen die letzten 73 Jahre! Diese zu rekonstruieren, haben sich die Frauen um Rita Lorenz auf die Fahne geschrieben.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt Friedland hat die Chossewitzerin nun eine Ehrenamts-Auszeichnung erhalten. Als Begründung wurde genannt: „Führt die Ortschronik, Wahlhelferin“. Letzteres ist stark untertrieben: Rita Lorenz war 40 Jahre lang, bis  2010, im Wahlvorstand der Gemeinde und des späteren Friedländer Ortsteils aktiv.

120 Seiten sind mittlerweile auch schon in der neuen Dorfchronik zusammengekommen: Die ist nach Themen gegliedert, wie „Chossewitz - das Ende der DDR“, „Der Tourismus in Chossewitz“, „Die Klingemühle als Ferienobjekt“ und viele Kapitel mehr.

Zur Nachkriegsgeschichte gehört auch die Entwicklung der Landwirtschaft rings um Chossewitz (LPG Hügelland), die Verlegung der Trinkwasserleitung 1973 und die Nahbereichsversorgung, die der Konsum-Laden an drei Stationen absicherte: gegründet in der Gaststätte Milost (heute Krug zum Grünen Kranze), ab den 70ern in der Alten Schule und ab 1980 im neuen Konsum-Gebäude, das heute das Dorfgemeinschaftshaus ist.

Genau hier ruft Rita Lorenz ihre Mitstreiterinnen einmal im Monat zusammen. Die Ortschronistinnen haben eine effektive Arbeitsteilung organisiert: Marina Chvosta verfügt über zahlreiche familiäre Erinnerungsstücke. Viele der Dokumente stammen aus ihrer Sammlung. Ihr Großvater Max Richter war nach 1945 Bürgermeister und ihr Vater Gerhard Richter Vorsitzender der LPG. Ihre Mutter Annelore Richter hat die Chronik der Frühgeschichte vom Sütterlin ins moderne Deutsch übertragen, Marina Chvostas Schwiegermutter Irene Chvosta hat da mit den Texten der späteren Jahre bis 1945 getan.

Nicole Schneider, die jüngste in der Runde, ist als versierte Computer-Anwenderin eine gefragte Frau. Monika Schwiegk ist die „Allrounderin“ in der Runde.

Rita Lorenz hat alle Informationen, die seit 2015 auf Papierbasis angesammelt wurden, abgetippt und auf diese Weide digital zugänglich gemacht. Warum sie sich diese Mammutaufgabe antut? „Weil es mir Spaß macht“, sagt die agile Frau, die 1972 nach Chossewitz eingeheiratet hat.

Geboren wurde Rita Lorenz 1951. Sie wächst in der Nähe von Güstrow auf. Dort verbringt sie ihre Schulzeit, lernt Buchhalterin in einer LPG. Anschließend studiert die junge Frau in Güstrow Ökonomie. „Der Liebe wegen“ zieht sie 1972 nach Chossewitz. Sie heiratet, wird zwei Mal Mutter (1973 und 1978). Inzwischen komplettieren zwei Enkeltöchter (16 und 12 Jahre alt) das Familienglück. Ihr ganzes Arbeitsleben ist Rita Lorenz als Buchhalterin tätig: In der LPG Hügelland, im Munitionsdepot Weichensdorf, in der Jugendherberge, im Ferienobjekt Klingemühle und, nach der Wende, in der Kämmerei des Landratsamts.

Seit 2014 ist sie im Ruhestand. „Jetzt habe ich mehr Zeit, mich mit meinen Mitstreiterinnen um solche Dinge wie die Dorfchronik, zu kümmern.“ Dabei hat sich Rita Lorenz ihren Humor bewahrt: Das nächste Jubiläum des im Jahr 1004 ersterwähnten Ortes sei die 1025-Jahr-Feier im Jahr 2029. „Vielleicht erlebe ich das ja noch: als Dorf-älteste.“

Die Chossewitzer Dorfchronistinnen nehmen jederzeit gerne Hinweise, Dokumente, Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitte, Reiseprospekte, Briefe, oder auch mündliche Andekdoten, die über die Geschichte von Chossewitz Auskunft geben können, entgegen. Tel. 033673 5748 (Marina Chvosta) bzw. Tel. 033673 5298 (Rita Lorenz)

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