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Günter Rohde aus Golm will die frühere Kreisbahnstrecke zwischen Schönermark und Gramzow als Touristenattraktion neu beleben

Tourismus
Radler auf vergessenem Bahndamm

Oliver Schwers / 06.04.2018, 06:15 Uhr
Golm (MOZ) Wo früher Dampfloks zischten, könnten jetzt Radler fahren. Diese Idee verfolgt Günter Rohde seit zehn Jahren. Der Ortsvorsteher von Golm will den stillgelegten Bahndamm der alten Angermünder Kreisbahn nutzen. Der ist völlig intakt und führt durch malerische Landschaft.

Zugewachsen sind die Böschungen. Der Blick führt in einen schier endlosen Tunnel hinein. Romantisch. Hier und da liegen noch Holzbohlen im Kiesbett, auf denen früher Schienen ruhten. Vergessene Eisenstücke erinnern daran. An der Welse stehen noch die Reste der alten Brücke. Der frühere Kreisbahnhof in Schönermark ist heute ein Wohnhaus und völlig erhalten. Von hier starteten ab 1905 Züge auf der neu eröffneten Kreisbahn nach Damme. An der Strecke lagen Biesenbrow, Golm, Fredersdorf, Zichow, Gramzow, Lützlow und Kleinow. Allerdings erlangte die Linie keine große Bedeutung. Personen- und Verkehrsaufkommen blieben gering. Und so endete schon 1979 die kurze Geschichte der vormaligen Kreisbahn mit dem Abriss der Schienen bis fast nach Gramzow. Mitte der 90er Jahre wurde auch der noch im Dienst befindliche Teil bis Damme stillgelegt. Seitdem lässt nur noch das Eisenbahnmuseum seine historischen Züge bis Damme rollen. Auf der Schönermarker Seite macht sich die Natur breit.

Die verwaisten Dämme gehen Günter Rohde nicht aus dem Kopf. Der Ortsvorsteher von Golm sieht, dass die Anlieger links und rechts ganz von allein den idealen Fußweg im Dorf pflegen. Vor zehn Jahren hat er über eine Arbeitsförderung große Teile der erhaltenen Strecke dokumentieren lassen. „Warum kann man daraus keine touristische Attraktion machen und sie als Radweg verwenden? Überall werden teure Radwege gebaut, hier aber ist einer fast schon fertig, wird aber nicht genutzt.“ Touristen könnten das Zichower Schloss und die alte Denkmal-Mühle besichtigen und würden automatisch bis zum Eisenbahnmuseum Gramzow kommen, wo gerade auch der historische Getreidespeicher von den privaten Eigentümern für Kunstausstellungen saniert wird. Von beiden Seiten sowie in Zichow hätten Radler Anschlussmöglichkeiten an vorhandene Rad- oder Wanderwege. „Man müsste nur die Eigentumsverhältnisse mit der Deutschen Bahn klären, die Sträucher zurückschneiden, den Weg befestigen und einige Brücken untersuchen“, hat Günter Rohde ermittelt.

Doch passiert ist nichts. Stattdessen verfällt die Ruine des ehemaligen Haltepunkts Golm weiter. Lediglich zwischen Schönermark und Biesenbrow wird der Damm als Wanderweg in Ordnung gehalten und ausgeschildert. „Es wäre auch eine ideale Verbindung zwischen den Ämtern Gramzow, Oder-Welse und der Stadt Angermünde“, gibt Rohde zu bedenken.

Weil alles Rufen nichts nützte, wandte er sich nun an Landrat Dietmar Schulze. Der kennt ähnliche Vorstellungen aus anderen Teilen des Kreises, zum Beispiel aus Gartz. Es gibt einige aufgegebene Bahnstrecken in der Region. „Solche Sachen werden von Touristen gern angenommen“, sagt Schulze bei einem Besuch in Gramzow, will sich aber nicht festlegen. Die Initiative müsste von den Ämtern und der Stadt Angermünde ausgehen. Der Kreis hat immer noch mit einigen fehlenden Stücken im uckermärkischen Radrundweg zu tun. Grundsätzlich sei die Idee aber gut, um mittlere Verbindungen zwischen den großen Strecken zu schaffen und die Leute nicht nur einfach durchradeln zu lassen.

Günter Rohde gibt nicht auf. Er will den alten Damm zu neuem Leben erwecken. Schließlich hat er selbst noch Erinnerungen an die frühere Bahnstrecke. „Der Lokführer hatte immer zwei Wagenheber dabei, weil der Schienenbus auch mal von den Schienen sprang. Da konnte er den mit vereinten Kräften wieder reindrücken.“ Im Oktober 1971 fuhr Rohde auf der Kreisbahnstrecke bis Schönermark, stieg dort nach Angermünde um und ging mit seiner Frau zu Fuß zum Standesamt zur Hochzeit.

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