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Auf den Feldern der Agrargenossenschaft Tauche wurde tonnenweise Klärschlamm und Kompost ausgebracht

Dünger
Bürger klagen über Gestank

Stein des Anstoßes:  Zwischen Giesensdorf und Tauche verlädt Dirk Schomber von der Firma Reterra ein Gemisch aus Klärschlamm und Kompost, das auf den Feldern der Agrargenossenschaft Tauche verteilt wird. Bürger klagen über Geruchsbelästigung.
Stein des Anstoßes:  Zwischen Giesensdorf und Tauche verlädt Dirk Schomber von der Firma Reterra ein Gemisch aus Klärschlamm und Kompost, das auf den Feldern der Agrargenossenschaft Tauche verteilt wird. Bürger klagen über Geruchsbelästigung. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Tatjana Littig / 27.04.2018, 07:45 Uhr - Aktualisiert 27.04.2018, 17:25
Kohlsdorf/Tauche (MOZ) Seit Anfang vergangener Woche wird auf den Feldern der Agrargenossenschaft Tauche bei Kohlsdorf, Tauche und Falkenberg gedüngt. Bürger berichten über starke Geruchsbelästigung. In den nächsten Tagen findet die Aussaat statt – dann ist erst einmal Ruhe.

Jürgen Wesner nutzt drastische Worte: „Gestunken hat es, wie die Ausgeburt der Hölle.“ Er lebt in Kohlsdorf in der Neuen Heimat. In der vergangenen Woche hat er zwischen 15 und 20 Vierzigtonner in dem Ort gezählt, die Klärschlammkompost auf die Felder der Agrargenossenschaft Tauche um Kohlsdorf gebracht haben. „Ich mache mir Sorgen, dass es viel zu viel war“, sagt er. „Und um den Zustand der Straße“, ergänzt er.

Die Ausbringung des Düngers auf den Feldern der Agrargenossenschaft Tauche ist genehmigt. Vor der Düngung wurden Proben genommen, vom Boden und vom Dünger. Die Ergebnisse der Proben liegen der Unteren Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde und dem Landwirtschaftsamt des Landkreises Oder-Spree, der Agrargenossenschaft Tauche sowie dem Anbieter des Düngers, Reterra aus Teichland bei Cottbus, vor. Auch nach der Ausbringung werden Bodenproben genommen, in Auftrag gegeben von der Agrargenossenschaft selbst – zur eigenen Absicherung, teilt René Schiemenz, Betriebsstättenleiter bei Reterra, mit. Die Untere Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde gleicht nach der Düngung die Lieferscheine von Reterra mit den Liefermengen im Antrag zur Düngung ab.

Nicht einmal Lebensmittel würden hierzulande so gut überprüft wie die Düngung, sagt Hannes Mesecke, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Tauche. Nur eine Beschwerde habe ihn über einen Mitarbeiter erreicht. Man versuche Rücksicht auf die Bürger zu nehmen, indem Windrichtungen beachtet und möglichst nicht zum Wochenende gedüngt würde – beziehungsweise dann auf Feldern, die weiter weg von Orten liegen, erklärt der Landwirt. „Doch Pläne ändern sich manchmal.“

In diesem Jahr habe der lange Winter dazu geführt, dass innerhalb kurzer Zeit Düngung und Aussaat stattfinden, informiert René Schiemenz. „Wir haben relativ viele Flächen um Kohlsdorf zugewiesen bekommen“, berichtet er. Dass der Geruch in den Ort ziehe, könne dabei nicht ausgeschlossen werden.

Doch nicht nur in und um Kohlsdorf stinkt es. In der Gemeindevertretersitzung in Tauche meldet sich am Dienstag Heike Kränke aus Falkenberg zu Wort. Noch nie zuvor habe es so intensiv gerochen, erklärt sie. Ihre Vermutung: „Es war zu viel.“ Der Geruch setze sich überall fest, schildert sie – auch in der Kleidung. Die Erfahrung mit der Kleidung hat auch Marcus Herbrich von der Unteren Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde gemacht, nachdem er Anfang vergangener Woche einen Vor-Ort-Termin auf einem Feld bei Kohlsdorf hatte. „15 Minuten haben gereicht.“

Hannes Mesecke verteidigt die Düngung mit dem Gemisch aus 50 Prozent Klärschlamm und 50 Prozent Kompost. „Pflanzen brauchen Nährstoffe“, sagt er. Organische Düngung würde er dabei einer chemischen vorziehen – und die rieche eben. Zehn Tonnen von dem Gemisch dürfen je Hektar ausgebracht werden. In diesem Bereich bewege man sich auch, bestätigt der Landwirt. Doch das Ende der Geruchsbelästigung ist nah: Am Donnerstag wurde die letzte Fuhre Klärschlammkompost ausgebracht, in den Tagen darauf erfolgt die Aussaat – auf den Feldern der Agrargenossenschaft Tauche vor allem Mais. „Danach steht Klärschlammkompost für die nächsten drei, vier Jahre nicht im Programm“, informiert Hannes Mesecke.

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