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Blutige Tat
Wölfe bedienen sich im Rinderstall

Jörg Kühl / 27.04.2018, 19:45 Uhr - Aktualisiert 27.04.2018, 20:24
Trebitz (MOZ) Am Freitag hat der Wolfsbeauftragte Steffen Hinze in Trebitz einen Rinderbetrieb besichtigt, in dem mutmaßlich Wölfe  in der Nacht zu Montag ein Kalb gerissen und ins Freie gezerrt haben.

Aus Sicht der anderen Rinder müssen es grausame Szenen gewesen sein, die sich in Trebitz in der Nacht zu Montag in einem Stall abgespielt haben. Unter den Augen der Artgenossen haben mutmaßlich mehrere Wölfe, am wahrscheinlichsten sind drei oder vier Exemplare, ein knapp vier Monate altes weibliches Kalb gerissen. Anschließend, so ergibt sich die reiche Spurenlage, haben  die Raubtiere ihre Beute unter einem Absperrgitter hindurch ins Freie  gezerrt. Unterwegs haben die Räuber den Kadaver geschüttelt, bis der für Wölfe offenbar ungenießbare Pansen hinausflog. Hinter einem Strohhaufen und auf einer aufgeschütteten Anhöhe haben die Raubtiere das Kalb verspeist. Der komplett ausgeweidete Körper des Tieres deutet ebenfalls auf  den Wolf hin.

Dass Nutztiere in freier Wildbahn gerissen werden, darf niemanden überraschen. Risse in umzäunten Weiden haben in der Vergangenheit eher Sorgen und Ärger bereitet. Die neue Wolfsverordnung nennt das Eindringen in gesicherte Anlagen als eines der Kriterien, die eine gezielte Entnahme von „Problemwölfen“ ermöglicht. Ein Übergriff von Isegrim auf Nutztiere die im Stall stehen, ist in Brandenburg bisher noch nicht vorgekommen.

Am Freitag war der Wolfsbeauftragte des Landwirtschaftsministeriums vor Ort. „Ich werde nun Empfehlungen geben, wie die Anlage baulich besser gegen Wölfe gesichert werden kann“, so Steffen Hinze.

Vor dem Ergebnis fürchtet sich die Vorstands-Vorsitzende der Agrargenossenschaft Trebitz/Klein Muckrow, Silvia Balzer. Denn eine wolfssichere Umzäunung der 1,8 Hektar großen Anlage wäre vermutlich sehr teuer. „Der Zaun diente im Baujahr 1982 eher dem Zweck, dass kein Tier rauskommt, als dass keines reinkommt.“ Weder der Zaun noch die Stalltore, die zur besseren Belüftung offen standen, wirkten den Wölfen in der Nacht zu Montag als Hindernis.

Hinze macht dem Betrieb keine voreiligen Versprechen, was den Schadensausgleich oder die Förderung von vorbeugenden Schutzmaßnahmen angeht. Denn die entsprechenden Förderrichtlinien richten sich an die Zielgruppe der Weidetierhalter. Feste Betriebsstätten sind von der Regelung dagegen nicht betroffen. „Wir müssen prüfen, was sich im Fall Trebitz machen lässt“, so Hinze.

Silvia Balzer fordert, dass die  Förderung von Prävention auch auf Betriebe mit Stallanlagen ausgeweitet oder ein neues Programm dafür aufgelegt wird. Ein Betrieb wie der ihrige sei mit den enormen Kosten für eine wolfssichere Umzäunung überfordert. „Das können wir bei den Erzeuger­preisen nicht wieder hereinholen.“ Der vom Land Brandenburg beauftragte Rissgutachter Kai-Uwe Hartleb war binnen 24 Stunden am Fundort. Er sicherte unter anderem Haarbüschel und Kot. Dass Wölfe die Verursacher des Übergriffs sein könnten, bleibt bis jetzt die unwidersprochene These. Letzte Gewissheit bringen die DNA-Proben, deren Analyseergebnisse noch nicht vorliegen.

Die Spezies Wolf wird  in Trebitz seit längerem beobachtet. Etwa von Rainer Richter. Als ehemaliger Jäger kennt er sich mit Tierspuren aus. „Ich sehe die Spuren fast bei jedem Hundespaziergang“. Zurzeit seien es immer mehrere Tiere unterschiedlicher Größe.

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Brigitte Schmidt 01.05.2018 - 13:27:10

Der Wolf ist und bleibt ein Raubtier und sollte sich hier nicht aufhalten und vermehren dürfen ...

Ich bin der Meinung, dass Wölfe nicht einfach so in der Gegend frei rumlaufen dürfen. Es sind Raubtiere. Sie verhalten sich ihrer Art entsprechend. Damit kann man den Tieren keinen Vorwurf machen. Aber diese Tierart in unseren dicht besiedelten Regionen Freiheit zu gestatten halte ich für unverantwortlich. Füchse und Wildschweine sind schon in Städten zu finden (Berlin zum Beispiel). Irgendwann werden - wenn hier kein Einhalt geboten wird - dort auch die Wölfe ihre Nahrung suchen.

Brigitte Schmidt 01.05.2018 - 13:18:41

Wölfe - aber nicht freilaufend, da Gefahr für Tier und Mensch

Ich bin der Meinung, dass Wölfe nicht einfach so in der Gegend frei rumlaufen dürfen. Es sind Raubtiere. Sie verhalten sich ihrer Art entsprechend. Damit kann man den Tieren keinen Vorwurf machen. Aber diese Tierart in unseren dicht besiedelten Regionen Freiheit zu gestatten halte ich für unverantwortlich. Füchse und Wildschweine sind schon in Städten zu finden (Berlin zum Beispiel). Irgendwann werden - wenn hier kein Einhalt geboten wird - dort auch die Wölfe ihre Nahrung suchen.

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