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Bodenfunde
Doberburg ist vorgeschichtliche Siedlung

Jörg Kühl / 13.05.2018, 07:00 Uhr
Doberburg (MOZ) Ein Grabungsteam um Archäologin Elisabeth-Ida Faulstich-Schilling hat im Dorfzentrum von Doberburg Scherben und Holz aus dem Mittelalter, und, bisher unerwartet, auch aus der Bronzezeit ans Tageslicht befördert.

Elisabeth-Ida Faulstich-Schilling bewegt einen unscheinbaren Gegenstand, der einem kleinen Kalkstein ähnelt, zwischen Daumen und Zeigefinger. Erst bei genauerer Betrachtung, und mit dem fachlichen Vorwissen, erkennt man, dass es sich um eine Scherbe handelt, also um ein von Menschenhand geschaffenes Objekt. Die Archäologin ist sich sicher: Es handelt sich um einen Überrest aus der Bronzezeit, etwa 1000 bis 600 v. Chr. Die Scherben könnten mithin also 3000 Jahre alt sein.

Bisher waren Überreste aus vorgeschichtlicher Zeit in der Gemarkung Doberburg nur außerhalb des heutigen Dorfkerns gefunden worden, wie ein Blick in die Denkmalliste des Landes Brandenburg verrät. Dort ist der Dorfkern von Doberburg dem deutschen Mittelalter, beziehungsweise der Neuzeit zugeordnet. Nun weiß man: Der Siedlungsplatz ist wesentlich älter, als bislang bekannt. „Hier handelt es sich um einen neuen Fundplatz aus der Bronzezeit“, so Elisabeth-Ida Faulstich-Schilling.

Auf das Alter schließt die Archäologin nicht nur aufgrund der Materialbeschaffenheit und Verarbeitung der Scherben, an denen man noch die Schlicker-Auflage erkennen kann. Ein wichtiger Hinweis ist der Grabungshorizont, in dem die Scherben liegen: Je tiefer in der Erde, desto älter, lautet die Formel in Gegenden mit ungestörtem Untergrund.

Erheblich jüngeren Datums sind die grauen Scherben, die beinahe metallisch klingen, wenn man sie aneinander stößt: „Grauware stammt aus dem Mittelalter. Es handelt sich um sehr hart gebrannte Keramik“, so die Archäologin. Die Keramikreste fanden sich in Siedlungsgruben, die beim Verlegen der neuen Regenentwässerung entdeckt worden waren. Zu den mittelalterlichen gehören solche, die einem Kugeltopf zuzuordnen sind und Scherben von einem Standgefäß, möglicherweise Krug oder Becher.  „Die Funde sind mit Sicherheit älter als die urkundliche Ersterwähnung des Ortes 1517“, so die Archäologin.

Die Scherben werden nun im Büro mit einer  Inventarnummer versehen, gereinigt, und bestimmt. Anschließlich wandern sie ins Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege, wo sie für die aktuelle wissenschaftliche Arbeit oder für künftige Forschergenerationen aufbewahrt werden.

Siedlungsgruben, in denen Essensreste, Asche, oder zerbrochene Keramik entsorgt wurden, sind für Archäologen oft wahre Fundgruben. Sie zeichnen sich im Grabungsschnitt als deutlich sichtbare dunkle Verfärbung ab. In Doberburg fertigt Grabungs-Ingenieurin Karin Felke  mit Hilfe von Buntstiften eine farbige Zeichnung des Bodenprofils auf Millimeterpapier an. „Die maßstabsgetreue Handzeichnung ist immer noch die zuverlässigste und dauerhafteste Dokumentations-Methode“, erklärt Elisabeth-Ida Faulstich-Schilling. Für die baubegleitenden Untersuchungen während des Ausbaus der Ortsdurchfahrt wurden das Büro Fiak aus Berlin mit Nebensitz in Cottbus beauftragt.

Außer den Scherben aus der Bronzezeit und dem Mittelalter hat das Grabungsteam auch einen Holzbohlenweg freigelegt, der sich unter der Dorfstraße, zwischen der Fließbrücke und dem Dorfgemeinschaftshaus, befand. Weil der Untergrund niedermoorig, also stets feucht, ist, hat sich das Holz, mutmaßlich Kiefer, sehr gut erhalten: Elisabeth-Ida Faulstich-Schilling schätzt das Alter der Holzbohlen auf etwa 500 Jahre. Holzbohlenwege sind in der Region keine Seltenheit: „Holz ist das ideale Baumaterial für feuchte Untergründe, die ständig arbeiten und sich bewegen“, erläutert die Archäologin.

Eingriffe in den Boden werden an Orten, die bekannte oder mutmaßliche Bodendenkmale sind, vorschriftsmäßig von Archäologen begleitet. So wurden zum Beispiel in Lamsfeld bei straßenbaubegleiten Grabungen im Jahr 2008 ein ähnlicher Knüppeldamm, wie jetzt in Doberburg freigelegt. Beim Ausbau der Kreisstraße im Kummerow im August vorigen Jahres fand Archäologe Ulrich Wiegmann den 800 Jahre alten, vollständig erhaltenen eisernen Kopf einer Hacke sowie Scherben von Keramiktöpfen, Bechern und Tellern aus der slawischen Siedlungszeit.

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