Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Schwerpunktkontrollen

Erschreckende Ergebnisse
Jeder zweite Lkw hat Mängel

Symbolbild
Symbolbild © Foto: dpa
MOZ / 19.05.2018, 18:49 Uhr
Potsdam (Andreas Wendt) Nachdem die Polizei bei Schwerpunktkontrollen in Brandenburg am Donnerstag an nahezu jedem zweiten Lkw und Bus Mängel festgestellt hat, fordern Verkehrsexperten einen erhöhten Kontrolldruck. Zu viele Spediteure würden Verstöße aus Gründen des Kosten- und Termindrucks in Kauf nehmen, sagt ADAC-Fachmann Jörg Becker.

Die Ergebnisse seien erschreckend und bestätigten die Vermutung, dass es im gewerblichen Güterverkehr offensichtlich erhebliche Defizite in der Verkehrssicherheit gibt, betont Becker. Am Donnerstag hatte die Brandenburger Polizei bei europaweiten Kontrollen schwerpunktmäßig 270 Lkw und Busse überprüft, von denen etwa zwei Drittel aus Deutschland stammten: Nahezu jedes zweite Fahrzeug wies dabei Mängel auf. Elf Lkw sind nach Angaben des Polizeipräsidiums in Potsdam gleich aus dem Verkehr gezogen worden – acht wegen technischer Mängel, Überladung und ungesicherter Ladung, die anderen, weil Fahrer gegen die Lenk- und Ruhezeiten verstoßen oder das Fahrzeug technisch manipuliert hatten. 68 Brummi-Fahrern konnten zudem nach Auswertung der Fahrtenschreiber Geschwindigkeitsverstöße nachgewiesen werden.

„Unsere Kontrollen spiegeln genau das wider, was jeder von uns täglich auf unseren Straßen auch selbst erlebt. Lkw, die zu schnell fahren und deren technischer Zustand mangelhaft oder deren Ladung unzureichend gesichert ist“, kommentiert Polizeioberrat Jan Strotzer und verweist auf die Statistik, nach der auf Brandenburgs Straßen täglich rund 40 Lkw-Unfälle geschehen, viele davon mit tödlichem Ausgang. Anfang der Woche sind auf der A10 bei Birkenwerder zwei Menschen bei einem Lkw-Unfall gestorben. Am Freitag kollidierte auf der A12 zwischen Frankfurt (Oder) und Müllrose ein Sattelzug mit einem Pkw, dessen Fahrerin mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert wurde.

Nach Polizeiangaben sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres bei rund 4200 Lkw-Unfällen in Brandenburg zwölf Menschen gestorben. „Wir werden diese unverzichtbaren Kontrollen fortführen“, kündigt Polizeioberrat Strotzer an. Zwei weitere Kontrollen sind für die Monate Juli und Oktober geplant. Deshalb hat das Präsidium vier externe Schwerlastspezialisten eingestellt. Allein im vergangenen Jahr wiesen von 28 133 kontrollierten Fahrzeuge Lkw 24 196 technische Mängel auf.

Für den Geschäftsführer des Verbands Verkehr und Logistik Berlin Brandenburg (VSB), Karl-Heinz Martens, sind die Ergebnisse erschreckend. „Das klingt richtig dramatisch“, sagt Martens am Freitag, hält sich aber mit einem Pauschalurteil zurück. Rainer Genilke, Verkehrsexperte der CDU-Landtagsfraktion und Chef der Landesverkehrswacht, will angesichts der dramatischen Kontrollbilanz das Thema auf die Tagesordnung des Verkehrsausschusses am Donnerstag nächster Woche setzen. „Aktionstage der Polizei reichen da nicht mehr“, sagt er.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Piefke Saga 19.05.2018 - 19:50:48

"Jeder zweite LKW hat Mängel"

Und warum? Weil man über viele Jahre nur halbherzig durchgegriffen hat. Es ist wie immer ... wischiwaschi, halbherzig und so schleichen die Missstände über Jahre und Jahrzehnte vor sich hin. Langsam aber stetig wird das ans Limit gehen gereizt bis irgendwann ein Aufschrei folgt wie ... "Erschreckende Ergebnisse - Jeder zweite Lkw hat Mängel". ... und der "Schnitter" schärft das Sensenblatt ... und nichts ändert sich wesentlich.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG