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Im Wettkampf um jugendliche Bewerber kommen unkonventionelle Methoden für Ausbildungsberufe zum Einsatz

Ausbildungsberufe
Vorschau in die Zukunft

Mojtaba (16 Jahre, afghanischer Flüchtling) testet mit seiner Klasse von der Oberschule Falkensee den Einsatz des Schulprojekts "Dein erster Tag" (SchulePLUS) mit Virtual-Reality-Brillen im Umweltbildungszentrum Berlin-Gatow.
Mojtaba (16 Jahre, afghanischer Flüchtling) testet mit seiner Klasse von der Oberschule Falkensee den Einsatz des Schulprojekts "Dein erster Tag" (SchulePLUS) mit Virtual-Reality-Brillen im Umweltbildungszentrum Berlin-Gatow. © Foto: MOZ/Jana Reimann-Grohs
Jana Reimann-Grohs / 22.05.2018, 11:42 Uhr - Aktualisiert 22.05.2018, 14:25
Gatow (MOZ) Während laut Bildungsbericht 2018 die Anzahl der Ausbildungsabbrüche steigt, bietet das Berufswahl-Projekt „Dein erster Tag“ Lösungsansätze. Ausbildungsabbrüchen kann es frühzeitig vorbeugen. 41 Brandenburger Schulen haben seit Februar Gratis-Boxen bei SchulePLUS bestellt. Neuanmeldungen kommen täglich.

Wenn die Berufswahl schon sein muss, wünschen sich Jugendliche spannende und aufschlussreiche Perspektiven. In 3D und auf Augenhöhe, klingt nachvollziehbar. Wer hätte es beim Schnuppern in Arbeitswelten nicht gerne unkompliziert? Es kann so einfach sein – in Brandenburg funktioniert Berufswerbung ganz gut über den Einsatz moderner Technologien.

Drei Tage lang haben zwei neunte Klassen aus Falkensee auf dem Gelände des Umweltbildungszentrums in Berlin-Gatow  ein Programm zur Berufsorientierung durchlaufen. Nun steht ein abschließender Praxistag mit „Dein Erster Tag“ an. Das Sozialunternehmen SchulePLUS zeigt 360-Grad-Panoramen von Unternehmen und vermittelt virtuelle Betriebsrundgänge. Bei den Trainings sind Virtual-Reality-Brillen im Einsatz. Was auf einer Ausbildungsmesse in Austin (Texas) schon 2017 die SchulePLUS-Geschäftsführer beeindruckte, erreicht auch junge Leute hierzulande.

„Das war Stress pur“, beschreibt Vanessa (15) die Situation in einer Hotelküche. „Die Leute haben echt zu tun in dem Video.“ Dass das auch in der Realität so sein wird, ist ihr bewusst. „Wenn ich etwas wirklich möchte, muss ich darauf zu gehen.“

Ob abgelegen, gefährlich oder speziell gesichert – fast jeder Arbeitsplatz wird erreichbar. Die 360-Grad-Filme simulieren den ersten Tag eines Auszubildenden und klären über duale Berufswege auf. Ein erster Eindruck von der Zukunft entsteht hier noch vor dem Schülerpraktikum. Bei Bedarf endet das Reinschnuppern vorzeitig mit dem Absetzen der VR-Brille.

Für ihre Augen seien die Videos zu „anstrengend“, erzählt Klassenlehrerin Sabine Taege (60) – die Schüler fänden sie aber „toll“. Dass zum Arbeitsalltag einer Polizistin auch Kampfübungen gehören, schreckt Jessica (15) nicht ab. Sie habe „Dinge gesehen“, die sie während ihres Praktikums nicht erfahren konnte. Mit der 360-Grad-Technik wirkte der Beruf einer Hotelfachkraft sehr vertraut, stellt Robert (14) anerkennend fest. Er strebt dennoch eine sozialpädagogische Ausbildung an.

Emily Herlyn leitet die 360-Grad-Betriebserkundungen im Auftrag von SchulePLUS  an. Eine breite Auswahl an Kurzfilmen liegt an ihrer Station vor. Drei Minuten lang dauert jeweils die Erfahrung. Neunzehn Filme sind bisher in Kooperation mit Firmen und Einrichtungen entstanden, ein paar werden schon produziert oder sind noch in Planung. An fünf weiteren Tischrunden präsentieren sich leibhaftige Vertreter von Unternehmen aus der Region und berichten über ihre Arbeit.

Dass hinter dem „Zimmerer“ nicht das Pendant zum Zimmermädchen steckt, hat Goran Golz (47) als Vertreter des Lehrbauhofs Berlin schon häufig aufklären müssen. Sein Berufskollege Kevin Prause (25) greift lieber zu Hammer, Schutzhelm, Maurerkelle und Zollstock. Der Bauleiter lässt Entfernungen schätzen und Tischkanten vermessen. Es gefällt den jungen Leuten, dass er gerade mal zehn Jahre älter ist als sie selbst. „Seine Art kam mir gleich so bekannt vor“, sagt Michaela (16). „Ich habe deshalb die ganze Zeit aufgepasst, was er über moderne Hauswände erzählt hat.“

An ehrgeizige Fragesteller verschenkt Prause Beutel, Schlüsselanhänger, Bleistifte und Musicboxen mit Firmenlogo, die die Jugendlichen erfreut mit nach Hause nehmen. Einige möchten mal persönlich im Betrieb vorbeischauen. Prauses Arbeitstag endet aber noch lange nicht. Während die Neuntklässler draußen in der Sonne sitzen und sich über simulierte Berufswelten austauschen, geht es für Prause auf einer Baustelle im Grunewald weiter. Die Fassade eines Einfamilienhauses hat neuen Stuck bekommen und muss persönlich begutachtet werden.

Auch die Gegenwart kann sehr authentisch wirken – vielleicht sogar überzeugender sein als so mancher Blick in die Zukunft.

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