Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Lunower baut seit Jahren an mehrstöckiger Wohlfühloase für Miezen / Derzeit lebt eine Bewohnerin darin

Bauwerk
Katzenhaus de luxe

Marco Marschall / 15.06.2018, 06:15 Uhr - Aktualisiert 15.06.2018, 11:38
Lunow (MOZ) Bernd Lorenz mag es ausgefallen. Dabei ist er gar kein Paradiesvogel. In Lunow hat er ein Katzenhaus der Extraklasse gebaut – mit Tunnelgängen, Pool, Kletterhalle, Wohnzimmer und Aussichtsturm. Warum? Weil er es kann.

Siegfried und Roy dürften sich in der Lüdersdorfer Straße 18 wohlfühlen. Das Gehöft von Bernd Lorenz hat in Teilen durchaus Las-Vegas-Charakter. Die Fassade seines Eigenheims, in dem der 55-jährige mit seiner älteren Schwester lebt, trägt statt Putz Fliesen und erinnert an ein orientalisches Bad. Im Vorgarten tummeln sich allerhand Figuren. Unter anderem ein tonnenschwerer Drache und ein Tiger aus echtem Marmor. Im Wohnhaus hat der gelernte Fachverkäufer für Industriehandel die Wände mit verschiedenfarbigen Glasmuscheln verziert. Im Eingang wird man von einer Schaufensterpuppe mit lila Haaren begrüßt – die limitierte Auflage einer Nachtelfe aus dem Computerspiel „World of Warcraft“, wie der Hausherr erklärt. Das habe er nie gespielt. Doch er mag die ausgefallenen Figuren. Kitschig würde er sein Interieur nicht nennen. „Lieber bunt“, sagt der Mann, der schon von Kindheit an in Lunow lebt. Das Haus gehörte einst seinen Eltern.

Das Katzenhaus von Bernd Lorenz in Lunow hat es inzwischen zu einiger Berühmtheit gebracht. Bis zu 20 Katzen lebten in dem ungewöhnlichen Eigenbau.
Bilderstrecke

Das Katzenhaus von Lunow

Bilderstrecke öffnen

Eigentlicher Hingucker ist allerdings das mit lebensgroßen Löwen geschmückte Gebäude in zweiter Reihe. Die goldene Raubkatze, die an der Spitze thront ist eigentlich ein Venezianischer Löwe. Wegen der Windverhältnisse in so luftiger Höhe hat Bernd Lorenz ihm sicherheitshalber die Flügel abmontiert. Die Tiere weisen auch auf den Zweck des Ganzen hin: es handelt sich um ein Katzenhaus. Und zwar eines, das nicht nur äußerlich in Staunen versetzt.

„Meine frühere Partnerin hat türkische Van-Katzen gezüchtet“, erklärt der Erbauer. Zu Spitzenzeiten haben mehr als 20 Tiere in den Räumen gelebt. Das ist 15 Jahre her. Derzeit hat die schwarze Cassy als einzige Katze des Lunowers alle Geschosse für sich allein.

Gleich unten am Eingang befindet sich gewissermaßen der Pool. Da die türkischen Rassekatzen von damals auch als Schwimmkatzen bezeichnet werden und kein Wasser scheuen, hat Bernd Lorenz den Bereich so gebaut, dass er geflutet werden kann. Vom Katzenbad geht es in ein Wohnzimmer mit Polstermöbeln und Sofakissen. Über eine Leiter erreicht der Besucher die zweite Etage – eine Art Kletterpark. Wulstige Stämme, die durch den hellbraunen Anstrich fast künstlich wirken. An vielen Stellen finden sich holzfarbene Drachenfiguren.

Die Tür vom Kletterpark führt auf eine Terrasse. Der Hausgast läuft auf Gitterplatten. Rohre sind mit Metallstreben verbunden. Zink und Aluminium. Die vorherige Eisenkonstruktion hat Bernd Lorenz wegen Rost ersetzt. „Das hält alles“, versichert  er. Und tatsächlich macht das Gerüst einen stabilen Eindruck. Zehntausende Schrauben seien darin verbaut.

Von der Terrasse gelangt man über zwei Leitern in die Spitze – dorthin, wo der Venezianische Löwe steht. Von dieser Plattform reicht der Blick übers Dorf bis hinter die Oder. Weit hinten am Horizont lässt sich der Kirchturm der polnischen Kleinstadt Cedynia erahnen. Ob die Polen mit dem Fernglas wohl auch die Lunower Löwen sehen können?

„Reisebusse aus den USA und den Niederlanden waren schon hier“, berichtet Bernd Lorenz über die internationale Tragweite seine Schaffens. Noch immer baut er akribisch am fast leeren Katzenhaus, durch das sich die Tiere nicht über Leitern, sondern in einem Tunnelsystem von Raum zu Raum bewegen. Es endet oben in einem verglasten Ausguck auf dem Dach.

„Ich bin ein Perfektionist“, sagt der Bastler. Jeder Millimeter müsse stimmen, sonst reiße er alles wieder ab. Das meiste aber, was er handwerklich anpackt, gelinge. Woher das kommt, kann sich der Hobbymeteorologe selbst nicht erklären. Er nimmt sich Zeit fürs Bauen, lebt sparsam, leistet sich keine Urlaubsreisen. Sein Katzenhaus ist seit 1999 stückweise gewachsen.

Nächstes Projekt des Lunowers ist ein großer Brunnen mit Löwenkopf als Wasserspeier im Vorgarten. Der Rohbau steht schon. Noch aber gibt es am Katzenhaus zu viel zu tun.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG